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25.06.2019

Management-Interview mit PwC Legal: „Nichts gegen den Mittelstand, aber wir wollen die Blue Chips“

Steffen Schniepp ist Leiter der deutschen Praxis von PricewaterhouseCoopers Legal. JUVE sprach mit ihm über den Ausbau der Rechtsberatung, über die neue Rolle bei Bayer-Monsanto und warum er nun auch bei den börsennotierten Konzernen angreifen will.

Steffen Schniepp

Steffen Schniepp

JUVE: Viele verbinden PwC Legal im Gesellschaftsrecht mit mittelständischen Mandanten. Wie passt Ihre Rolle im Bayer-Monsanto-Deal in dieses Konzept?
Dr. Steffen Schniepp: Wir begleiten das Unternehmen bei der weltweiten gesellschaftsrechtlichen und steuerlichen Integration von Monsanto. Das Mandat umfasst einen mehrjährigen Integrationsprozess über 72 Länder und erfordert hochspezialisierte rechtliche und steuerliche Kenntnisse sowie ein gutes Zusammenspiel in der Beratung. Hier können wir unsere Stärken ausspielen.  

Das klingt nicht sehr mittelständisch.
Wir haben nichts gegen den Mittelstand, im Gegenteil. Aber ich möchte natürlich im klassischen M&A- und Corporate-Geschäft auch bei den Blue Chips den Wettbewerb mit den Großkanzleien gewinnen. Wir haben auf diesem Gebiet allein in Deutschland schon etwa 60 Equity und Non-Equity Partner und verfügen zusätzlich über eine internationale Abdeckung in über 100 Ländern für grenzüberschreitende Transaktionen. Damit kommen wir nun auch immer stärker für die M&A-Panels der börsennotierten Unternehmen in Frage. Das ist es, wo wir hinwollen.

Wie wollen Sie das machen?
Das Bayer-Mandat zeigt anschaulich, wo unsere Stärken liegen: Wir haben über die letzten Jahre konsequent in unsere rechtliche Beratungsqualität im High-End-Bereich investiert. Dass wir traditionell neben der rechtlichen auch unsere steuerliche und betriebswirtschaftliche Expertise einbringen, verschafft uns im Vergleich zu unseren Mitbewerbern einen zusätzlichen Vorteil beim prozessualen Zeit- und Ressourcenmanagement. Für große Projekte entwickeln wir zudem häufig parallel spezielle digitale Tools, die auch in diesem Projekt die Prozessgeschwindigkeit erhöht und die Abfolge – und damit letztlich das Closing der Transaktion – signifikant beschleunigt haben.

Wie lässt sich das Prozess- und Tech-Know-how der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft für die Rechtsberatung nutzen?
Wir beflügeln uns gegenseitig, was technische und prozessuale Weiterentwicklungen angeht. PwC und PwC Legal haben regelmäßig servicelineübergreifende Teams gebildet, die den Austausch weiter institutionalisieren. Am deutlichsten sehen wir die Erfolge bei unserer Global Transformations Group und im M&A Bereich. Hier arbeiten die Teams bei ihren Projekten schon heute eng mit den IT-Entwicklern aus dem gesamten PwC-Netzwerk zusammen. Dieser Teamaufbau ist auch für unsere Mitarbeiter attraktiver und zieht vor allem kreative Großkanzleijuristen an, das zeigen einige Zugänge der jüngeren Zeit.

In Deutschland gab es aber zuletzt auch einige Abgänge.
Ja, was auch eine Folge unserer Neuausrichtung sein mag. Nach wie vor verfolgen wir einen Full-Service-Ansatz, der jetzt allerdings dezidierter an die Mandantenbedürfnisse angepasst wird. Wir werden auch weiterhin mit unseren 18 Büros in Deutschland enge Kontakte zu lokalen Mandanten halten, diese aber je nach Bedarf stärker aus den Praxisgruppen heraus mit bundesweiten Spezialistenteams beraten.

PwC Legal hat Greenberg Traurig und KPMG Law beim Bundesverkehrsministerium das Beratungsmandat für die Pkw-Maut abgeluchst. Man hört, dass Sie einen Kampfpreis angeboten haben, der so niedrig ist, dass ihn das Ministerium preisrechtlich prüfen ließ.*
Wir konnten dem Ministerium dank unserer sehr konkreten Erfahrungen ein faires Angebot machen, denn wir begleiten das BMVI ja schon seit drei Jahren intensiv zu allen Fragen der Lkw-Maut. Unser Ziel ist es, dem Markt zu zeigen, dass wir solche sehr großen, übergreifenden und sehr komplexen Projekte mit Top-Qualität und hoher Effizienz mindestens so gut wie unsere etablierten Wettbewerber stemmen können. Dies konnten wir durch den Gewinn des zweiten Megaprojekts für den Bund erneut erfolgreich belegen.

Was planen Sie sonst für die deutsche Praxis?
Wir wollen profitabel wachsen und unser Beratungsangebot weiter ausbauen. Ich könnte mir auch vorstellen, weitere Partnerteams an Bord zu nehmen. Es gibt noch einzelne Bereiche, die uns ganz gut zu Gesicht stünden. Zudem befinden wir uns im Aufbau einer Praxis für Dispute Resolution, die langfristig mithilfe von eigenen technischen Lösungen ein umfassendes Claim-Management gewährleisten kann. Denn ein Fall wie ‚Dieselgate‘ zeigt, dass selbst Großkanzleien das aktuell kaum allein bewältigt bekommen.

Aber hätten Sie bei solchen Großmandaten nicht Sorge, dass Ihnen das Personal gelangweilt von der Fahne geht?
Nein, denn unser Anspruch ist es, in unseren Arbeitsprozessen nahtlose Übergaben zwischen rotierenden Teams zu ermöglichen. Wir wollen in den nächsten Jahren in der integrierten Beratung das erreichen, was im Airline-Geschäft schon lange funktioniert: Abwechslung mit wechselnden Crews und Zielen.  

KPMG Law hat den Personaldienstleister Otto Henning gekauft, EY Law sicherte sich Riverview Law, der technische Tools entwickelt – wollen Sie auch ganze Unternehmen zukaufen?
Wir schließen Firmenzukäufe nicht aus, vor allem, wenn dahinter kreative Köpfe stehen. Aber mindestens genauso wichtig ist es uns, aus eigenen Kräften Vorreiter zu bleiben.

 Das Gespräch führte Sonja Behrens.

(*Das Interview mit Steffen Schniepp fand vor dem Urteil des EuGH zur Pkw-Maut statt.)

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