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21.01.2020

Insolvenzplan angenommen: Papierfabrik Feldmuehle schließt Sanierung ab

Die Papierfabrik Feldmuehle im schleswig-holsteinischen Uetersen hat nach etwa einem Jahr ihr Insolvenzverfahren abgeschlossen. Nachdem die Gläubigerversammlung den vorgelegten Insolvenzplan im Dezember vergangenen Jahres einstimmig angenommen hat, hat das zuständige Amtsgericht das Verfahren Anfang Januar aufgehoben. Es war die zweite Insolvenz, in die Feldmuehle 2018 geraten war.

Dietmar Penzlin

Dietmar Penzlin

Das Unternehmen beantragte im November 2018 das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Das zuständige Amtsgericht Pinneberg ernannte Dr. Dietmar Penzlin von der Hamburger Kanzlei Schmidt-Jortzig Petersen Penzlin zum Sachwalter. Als Gründe für die finanziellen Schwierigkeiten gab Feldmuehle gestiegene Energiekosten sowie erhöhte Bezugspreise für Rohstoffe an. Im Zuge der Sanierung hat die Papierfabrik unter anderem ihren Fokus auf den Produktbereich Labels verlagert sowie in Produktionsanlagen und -einrichtungen investiert.

Hanning Wöhren

Hanning Wöhren

Die 1904 gegründete Papierfabrik war zunächst im Familienbesitz, bevor sie in den 60er-Jahren Teil der Industriegruppe von Unternehmer Karl Flick wurde. 1990 übernahm das skandinavische Forstunternehmen Stora Enso die Papierfabrik und verkaufte sie 2015 an den Münchner Finanzinvestor Perusa. Vor dem nun abgeschlossenen Verfahren hatte Feldmuehle im Januar 2018 schon mal Insolvenz angemeldet. Damals wurde Dr. Tjark Thies von der Kanzlei Reimer aus Hamburg als Insolvenzverwalter bestellt. Nach einer Übernahme durch die Berliner Beteiligungsgesellschaft Kairos Industries und der Übertragung in eine GmbH gab Feldmuehle im Juni 2018 allerdings das Ende der Sanierung bekannt.

Holger Meyer

Holger Meyer

Sachwaltung
Schmidt-Jortzig Petersen Penzlin (Hamburg): Dr. Dietmar Penzlin (Sachwalter), Dr. Christian Mikolajczak (Insolvenzplan), Niklas Marwedel, Jörn Süberling (beide Insolvenzrecht), Dr. Bjarne Petersen (M&A)

Berater Feldmuehle
Ludwig Wöhren Schewtschenko (Hamburg): Hanning Wöhren (Federführung), Dr. Thomas Rühle, Lutz Philipp Hartel, Monika Freitag (alle Insolvenzrecht)
Schramm Meyer Kuhnke (Hamburg): Dr. Holger Meyer (Federführung), Dr. Matthias Lodemann, Dr. Nina Tholuck, Dr. Inga Hildebrand (alle Arbeitsrecht)
Ernst & Young (Hamburg): Falk Schnurbusch, Julia Müsing (beide M&A)

Hintergrund: Sachwalter Penzlin war in den vergangenen Jahren regelmäßig als Insolvenzverwalter gefragt. Am bekanntesten ist seine Verwaltung des Energieunternehmens Prokon, wo Penzlin eine der größten Gläubigerversammlungen in der deutschen Geschichte leitete. 2018 bestellte ihn das Amtsgericht Hamburg als Insolvenzverwalter für den Gasanbieter Enversum.

Die auf Insolvenz und Restrukturierung spezialisierte Kanzlei Ludwig Wöhren Schewtschenko ist über Empfehlungen an das Mandat gekommen: Sowohl der Anfang 2018 für Feldmuehle bestellte Verwalter Thies, als auch der spätere Sachwalter Penzlin sprachen sich für die Kanzlei aus. Partner Rühle ist im Jahr der Insolvenzanmeldung der Papierfabrik zur Einheit gewechselt, davor war der Insolvenzrechtler vier Jahre bei Görg in Köln. Zuletzt hatte die Kanzlei Anfang 2020 einen Neuzugang auf Partnerebene: Zum Jahresbeginn wechselte Insolvenzrechtler Dr. Matthias Schumacher von der Hamburger Konkurrentin Brautlecht + Partner.

Schramm Meyer Kuhnke ist ebenfalls durch Empfehlung an das Mandat gekommen und berät Feldmuehle seit November 2018. Die Hamburger Arbeitsrechtsboutique ist 2010 von drei ehemaligen Anwälten von Freshfields Bruckhaus Deringer und White & Case gegründet worden. Der bei der Feldmuehle-Insolvenz federführende Namensspartner Meyer war vor der Gründung der Kanzlei am Hamburger Standort von White & Case tätig, wo er häufig in Insolvenz- und Privatisierungsmandaten beriet. Für Schramm Meyer Kuhnke beriet er unter anderem 2018 das Hamburger Onlinemarketingunternehmen Channel Pilot Solutions arbeitsrechtlich bei der Übernahme durch Oxatis.

Der bei der ersten Insolvenz 2018 zum Verwalter bestellte Insolvenzrechtler Thies war im aktuellen Verfahren als gesicherter Gläubiger vertreten und begleitete das Verfahren mit seinem Kanzleikollegen Dr. Arno Doebert und Harald Ick von Görg in Hamburg als Berater. Görg-Partner Ick beriet Thies bereits in seiner Position als Insolvenzverwalter von Feldmuehle, daneben setzte Thies damals auf den Restrukturierer Marcel Landmann von der Münchner Finanzberatereinheit Ruppert Fux Landmann. Das im aktuellen Verfahren beteiligte EY-Team beriet ebenfalls schon in der vorangegangenen Insolvenz, damals war allerdings zusätzlich noch Partner Dr. Carsten Risch als weiterer M&A-Berater beteiligt. (Dennis Koch)

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