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23.03.2020

Autodienstleister: Teile von Arwe mit Heuking und Anchor in Insolvenz

Mehrere Gesellschaften der Münchner Arwe-Gruppe haben Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Zudem hat das Amtsgericht Augsburg über die Arwe Mobility Holding ein vorläufiges Regelverfahren eingeleitet. Viele andere Unternehmen der Gruppe mit europaweit über 4.000 Mitarbeitern sind nicht betroffen. Die Corona-Krise erschwert nach Angaben der Beteiligten bisher kaum die Zusammenarbeit mit dem Gericht, an anderen Stellen gibt es jedoch Probleme.

Stefan Proske

Stefan Proske

Beispielsweise sind die betroffenen Beschäftigten zur Zeit schwerer zu erreichen. Zudem sei die Agentur für Arbeit wegen vieler Anträge auf Kurzarbeitergeld überlastet und habe Engpässe bei der Bearbeitung der Insolvenzgeldanträge, heißt es.

Das Amtsgericht Augsburg ordnete die vorläufige Eigenverwaltung für die Arwe Holding, die Arwe Automotive Service, die Arwe Car Rental Service und die Arwe Mobility Service in München an. Arwe ist ein Spezialdienstleister für Autovermieter. Sie bereitet Fahrzeuge auf, pflegt und bewegt sie von über 500 Standorten in Europa aus. In Deutschland sind über 1.200 Beschäftigte von den Insolvenzen betroffen, davon viele in Teilzeit. Hinzu kommen rund 1.800 Aushilfskräfte.

Das Unternehmen befindet sich bereits seit Längerem in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die Holding veröffentlichte zuletzt im Herbst 2018 einen Abschluss, in dem nach zwei Fehlbeträgen von zusammen über 13 Millionen Euro nur noch ein Eigenkapital von sechs Millionen Euro stand, was einer bescheidenen Quote von neun Prozent entspricht. Die Auswirkungen des Corona-Virus verhindern nun nach Unternehmensangaben, das Geschäft auf einer soliden finanziellen Basis weiterzuführen.

Erst 2017 hatten die Benelux-Investoren Luxempart und BIP Investment Partners (BIP) die Gruppe gekauft. Vorher gehörte sie dem Triginta Capital Fund I sowie dem damaligen CEO Dr. David Gabrysch. Der Kaufpreis soll im niedrigen dreistelligen Millionenbereich gelegen haben und wurde von Alcentra mitfinanziert.

Vorläufiger Sachwalter (vier Gesellschaften)
Anchor (Augsburg): Dr. Paul Abel

Vorläufiger Insolvenzverwalter (Mobility Holding)
Anchor (Augsburg): Dr. Robert Hänel

Berater Arwe-Gruppe
Heuking Kühn Lüer Wojtek (Berlin): Dr. Stefan Proske (Federführung); Associate: Dr. Daniel Becker (beide Restrukturierung)

Robert Hänel

Robert Hänel

Berater Alcentra
Gleiss Lutz (Stuttgart): Dr. Matthias Tresselt (Restrukturierung), Dr. Kai Birke (Bank- und Finanzrecht; Frankfurt; beide Federführung) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Obwohl bei allen vier Eigenverwaltungen der gleiche Sachwalter berufen wurde, handelt es sich formal nicht um eine Konzerninsolvenz. Zwar liegen die Firmensitze am Flughafen München in der Zuständigkeit des Amtsgerichts Landshut, das wirtschaftliche Interessenszentrum ist jedoch Augsburg. Anchor hatte auch bei der Bader-Insolvenz im Januar den Sachwalter in Person des Partners Prof. Dr. Martin Hörmann gestellt.

Proske beriet die Arwe bereits bei der Beantragung der Insolvenz und ist seit Februar im Mandat. Unternehmensberatend ist dort auch ein Team mit Dr. Stefan Weniger von Restrukturierungspartner RSP aus Berlin im Boot.

Beim Verkauf der Gruppe 2017 berieten Taylor Wessing auf Verkäufer- und Orrick Herrington & Sutcliffe sowie Shearman & Sterling auf Käuferseite, die alle im aktuellen Verfahren offenbar nicht beteiligt sind.

Alcentra wurde damals von einem Frankfurter Team von Fried Frank Harris Shriver Jacobson beraten. Bei Arwe hatte es wohl bereits vor der Insolvenz Gespräche über Brückenfinanzierungen gegeben. Angesichts einer sich schnell vergrößernden Liquiditätslücke sei das Interesse, auf staatliche Hilfen wegen der Corona-Krise zu warten, offenbar nicht ausreichend groß genug gewesen. Gleiss Lutz soll in dem aktuellen Mandat seit Karneval aktiv sein. Tresselt hatte zuvor den Burgenlandkreis bei der Investorenlösung für das insolvente Klinikum beraten. (Ludger Steckelbach)

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