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01.04.2020

Esprit-Insolvenz: Corona-Schutzschirm mit Heuking und Schultze & Braun

Der Modekonzern Esprit hat für mehrere deutsche Gesellschaften ein sogenanntes Schutzschirmverfahren beantragt, um sich vor Forderungen der Gläubiger zu schützen und die Liquiditätsprobleme in den Griff zu bekommen, teilte das Unternehmen mit. Dabei hat ein vom Amtsgericht Düsseldorf bestellter Sachwalter die Aufsicht, während die bisherige Unternehmensführung weiterhin die operative Kontrolle behält. Im Rahmen des Verfahrens sollen Verbindlichkeiten und Mietverträge „neu strukturiert“ werden.

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Georg Streit

„Dies ist der richtige Schritt für Esprit, da die Corona-Virus-Pandemie dramatische Auswirkungen auf unser Geschäft hat“, sagte Esprit-Chef Anders Kristiansen laut Mitteilung. Um die Gehälter der Mitarbeiter sicherzustellen, sollen nach Angaben des Unternehmens teilweise auch staatliche Hilfsgelder zum Einsatz kommen. Schon lange vor der Corona-Krise schrieb der Konzern, der in Ratingen sitzt, aber in Hongkong an der Börse notiert ist, rote Zahlen. Im Ende Juni abgeschlossenen Geschäftsjahr 2018/2019 gab es zuletzt einen Verlust von umgerechnet 250 Millionen Euro.

Zudem sollten im vergangenen Jahr in Deutschland mehrere hundert Stellen abgebaut und unrentable Filialen geschlossen werden. Das deutsche Geschäft macht mehr als die Hälfte des Umsatzes der Esprit-Gruppe aus. Esprit beschäftigt hierzulande etwa 2.300 Mitarbeiter, weltweit sind es 3.700. Der deutsche Gesetzgeber hatte erst in der vergangenen Woche die Insolvenzantragspflicht für ein halbes Jahr ausgesetzt, um eine befürchtete Welle von Anträgen abzumildern.

Berater Esprit
Heuking Kühn Lüer Wojtek: Prof. Dr. Georg Streit (Federführung; Restrukturierung; München), Dr. Marc Scheunemann (Federführung; Corporate), Dr. Guido Hoffmann (Corporate Finance; beide Düsseldorf), Dr. Arnold Büssemaker (Restrukturierung), Dr. Stephan Degen (Restrukturierung/ Steuern; beide München), Prof. Dr. Martin Reufels (Köln), Christoph Hexel (beide Arbeitsrecht), Dr. Stefan Osing (Immobilienrecht; beide Düsseldorf), Dr. Christoph Gringel (Aufsichtsrecht; Frankfurt), Dr. Herbert Palmberger (Versicherungsrecht; Düsseldorf), Dr. Fabian Bürk, Dr. Kai Büchler (beide Restrukturierung; beide München), Dr. Christian Appelbaum (Corporate), Dr. Tilman Spancken (Immobilienrecht), Michael Below (Öffentliches Recht; alle Düsseldorf); René Schnichels (Versicherungsrecht; Hamburg); Associates: Sarah Kraft (Restrukturierung; München), Matthias Bosbach (Corporate Finance), Felix Erler (Immobilienrecht), Anne Schulz (Öffentliches Recht; alle Düsseldorf)
Schultze & Braun: Detlef Specovius (Achern; Generalbevollmächtigter), Dr. Christoph von Wilcken (Berlin), Dr. Jürgen Erbe (Mannheim; alle Insolvenzrecht), Dr. Annerose Tashiro (Achern), Patrick Ehret (Straßburg), Dr. Philipp Esser (Achern; alle Internationales Recht), Joachim Zobel, Stefanie Beck (beide Arbeitsrecht; beide Nürnberg)
Schindler Attorneys (Wien): Christian Thaler (Restrukturierung/Corporate; Federführung), Barbara Klinger (Arbeitsrecht), Lars Gläser (Steuerrecht); Associates: Peter Pichlmayr (Restrukturierung/Corporate), Martin Lanner (Arbeitsrecht)

Detlef Specovius

Detlef Specovius

Berater Anteilseigner
Baker & McKenzie: Dr. Ulf Wauschkuhn (München; Vertriebsrecht), Dr. Holger Ellers (Berlin; Insolvenzrecht) – aus dem Markt bekannt

Sachwaltung
White & Case (Düsseldorf): Dr. Biner Bähr (Sachwalter; Insolvenzrecht)

Hintergrund: Für ein Insolvenzverfahren mit Schutzschirmcharakter verlangt das Gesetz sogenannte Schutzschirmbescheinigungen zur noch bestehenden Zahlungsfähigkeit der betroffenen Gesellschaften. Bei Esprit kamen diese von Thomas Bula und Christian Schenk, Partner der mit Beiten Burkhardt verbundenen WP-Gesellschaft BBWP in Düsseldorf. Die Esprit-Shareholder setzen dem Vernehmen nach auch auf ein eingespieltes Team von Baker. Partner Wauschkuhn hatte etwa im Vorjahr Esprit zu einem neuen Servicevertrag mit Arvato beraten.

Die Beziehungen zwischen Heuking und Esprit besteht seit vielen Jahren. Bekannt sind Fälle im Wettbewerbs- und Urheberrecht sowie in gerichtlichen Auseinandersetzungen. So hatte der Modekonzern 2014 versucht, einen Sponsoringvertrag mit der Düsseldorfer Multifunktionsarena zu beenden, in der unter anderem die Erstligaspiele des Fußballvereins Fortuna Düsseldorf stattfinden. Auch in einem weiteren großen Insolvenzfall der vergangenen Wochen ist Heuking involviert: Bei der Arwe-Gruppe beriet der Berliner Partner Dr. Stefan Proske zum Insolvenzantrag.

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Biner Bähr

Die Mandatierung von Schultze & Braun-Partner Specovius an der Seite des Esprit-Managements zeigt, dass alle wichtigen Akteure der Condor-Insolvenz im Vorjahr wieder aktiv sind. Bereits vor einigen Tagen war bekannt geworden, dass Noerr für die insolvenzbedrohte Steakhauskette Maredo im Einsatz ist. Specovius war bei Condor wie jetzt bei Esprit in der operativen Verantwortung.

Mit Maredo und Esprit landeten zwei der größten Fälle, die mit der Corona-Krise in Verbindung gebracht werden, beim Düsseldorfer Insolvenzgericht. Dort zählt der Esprit-Sachwalter Biner Bähr zu den häufig bestellten Verwaltern. Auch im Einzelhandel ist der White & Case-Partner schon mehrfach aktiv geworden – nicht zuletzt als Berater bei der Kaufhof-Karstadt-Fusion im vergangenen Jahr. Beim Hosenhersteller Gardeur, ein Verfahren am Amtsgericht Mönchengladbach, war Bähr 2017 als Insolvenzverwalter im Amt. (Markus Lembeck; mit Material von dpa)

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