Artikel drucken
05.05.2020

Umfrage unter Neupartnern: „Partner wird, wer sichtbar ist“

Jeder zweite Associate möchte Partner werden. Wirklichkeit wird der Wunsch aber nur für ein Bruchteil der jungen Juristen. Doch welcher Faktor ist ausschlaggebend dafür, wer den Karrieresprung letztendlich schafft?

Allein 2019 ernannten die JUVE Top 50 Wirtschaftskanzleien in Deutschland 396 Partner und Counsel. Das klingt erstmal viel, allerdings beinhaltet diese Zahl auch Titel wie Salary-Partner, Counsel, Senior Counsel oder Associated Partner. Als „große Erleichterung“ und „schlichte Dankbarkeit“ beschreiben frisch gebackene Partner das Gefühl, dass sie bei der Zusage über die Aufnahme in die Partnerschaft überkam. Dabei ist die Ernennung zum Partner keine Belohnung für das Vergangene. Es ist eine Wette darauf, dass der Kandidat auch die nächsten Jahre und Jahrzehnte profitables eigenes Geschäft generieren wird. 

In einer Kurzumfrage haben uns einige der im Jahr 2019 neu ernannten Partner anonymisiert ihre wichtigsten Schritte auf dem Weg zur Partnerschaft mitgeteilt. Dabei sind sich alle einig: Das Wichtigste ist, innerhalb und außerhalb der Kanzlei sichtbar zu sein. „Ohne einen Befürworter wird niemand Partner, das ist klar“, sagt eine junge Partnerin über ihren Mentor in der Kanzlei. Ein anderer nennt es „Nasenfaktor“: Schließlich wird in der Partnerrunde persönlich darüber abgestimmt, wer ein Aufnahmekandidat ist. Ist dieser den anderen Partnern unbekannt oder kaum aufgefallen, dann heben sie im Zweifel auch nicht die Hand für ihn.

Zusatzaufgaben sind unerlässlich

Aus der Masse herauszustechen und bekannt zu werden ist schwieriger, je größer die Kanzlei ist. Wenn dann auch noch eine internationale Partnerriege über die eigene Karriere entscheidet, scheint es vielen jungen Anwälten unerreichbar, hier jemals Fuß zu fassen. Wie die jungen Partner in der Kurzumfrage zurückmelden, kann vor allem in international aufgestellten Großkanzleien ein Secondment in einem anderen Büro oder Zusatzaufgaben für die Kanzlei förderlich sein. „Man muss Sonderaufgaben übernehmen, die der Kanzlei oder der Steigerung der eigenen Bekanntheit dienen“, rät ein gerade neu ernannter Partner. Dazu zählen auch die Referendarbetreuung, die Koordination von Pitches, oder Wissensmanagement. Auch wer publiziert oder Vorträge auf internen oder externen Veranstaltungen hält, macht auf sich aufmerksam.

Oft bleibt da bei einem durchschnittlichen Wochenarbeitspensum von 53 Stunden wenig Zeit für solches Engagement. Deshalb kritisieren auch viele Teilnehmer der Associate-Umfrage der des JUVE-Karriereportals azur, dass ihr Partner ihnen keine Zeit und kein Budget für eigenes Netzwerken oder zum Veröffentlichen lässt. Trotz voller Arbeitstage noch eine zusätzliche Portion Ehrgeiz zu zeigen, ist dennoch entscheidend: „Man darf das Ziel nicht aus den Augen verlieren, gerade weil der Partner-Track sehr viel Engagement und persönliches Investment bedeutet,“ sagt einer der Umfrageteilnehmer. Zur Partnerpersönlichkeit heranwachsen, das bedeutet voller Einsatz für den Mandanten und eine Dienstleistungsmentalität entwickeln: „Im Laufe der Jahre als Associate müssen die Fähigkeiten zum Umgang mit Mandanten entwickelt und geschult werden“, berichtet ein junger Partner.

Wo gibt es denn noch echte Partnerchancen?

Besonders gut beurteilen jene Anwälte in der azur-Umfrage ihre Chancen, die in kleineren, teils mittelständisch orientierten Einheiten wie Aulinger, Alpmann Fröhlich oder BMH Bräutigam arbeiten. Eher schwarz sehen die Teilnehmer aus US-Kanzleien wie Cleary Gottlieb Steen & Hamilton, Skadden Arps Slate Meagher & Flom oder WilmerHale ihre Partnerchancen. Und auch bei Clifford Chance oder Freshfields Bruckhaus Deringer beurteilen die Associates laut azur-Umfrage ihre Partnerchancen schlechter als der Marktdurchschnitt.

Betrachtet man die allgemeine Stimmung im Markt, zeigt sich: Insgesamt sind die Teilnehmer der aktuellen azur-Umfrage nicht besonders zufrieden, was ihre Aussichten auf die Partnerschaft betrifft. Bei der Frage, was sich die Anwälte von ihrem Arbeitgeber auf dem Weg nach oben wünschen, ist die überwiegende Forderung unter den rund 4.000 Teilnehmern der Umfrage: mehr Transparenz und Kommunikation. Sie kritisieren immer wieder, dass Vorgaben für die nächste Karrierestufe auf dem Weg zur Partnerschaft klarer kommuniziert werden müssen, und wünschen sich frühzeitig in die Mandantenakquise mit eingebunden zu werden. Ein Teilnehmer fragt: „Wie soll man es denn lernen, wenn man es nie mitbekommt?“ (Anika Verfürth)

Alles rund um das Thema Karriere, Gehälter und Ausbildung lesen Sie bei azur, dem Karriereportal für junge Juristen.

  • Teilen