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16.10.2020

German Property Group: Bremen bestellt BBL-Anwalt zum Insolvenzverwalter – statt Görg

Im großen Insolvenzverfahren zur German Property Group gibt es die nächste überraschende Wendung: Das Amtsgericht Bremen teilte gestern zur Verfahrenseröffnung mit, dass Justus von Buchwaldt von der Kanzlei  BBL Brockdorff & Partner zum Insolvenzverwalter bestellt wird. Der vorläufige Insolvenzverwalter, Görg-Partner Prof. Dr. Gerrit Hölzle, „stand nicht mehr zur Verfügung“, teilte eine Gerichtssprecherin JUVE mit.

Justus von Buchwaldt

Justus von Buchwaldt

Der nun zum Insolvenzverwalter der gesamten Immobiliengruppe bestellte BBL-Partner Justus von Buchwaldt ist bereits mit der German Property-Materie vertraut: Das Amtsgericht Hannover, das mit dem Verfahren Dolphin Capital 80 (DC80) – eine der zahlreichen Tochter-Gesellschaften – befasst ist, hatte den Hamburger Insolvenzrechtler bereits als Gutachter herangezogen.

Zudem stand der Name Justus von Buchwaldt schon auf der Vorauswahlliste des Bremer Amtsgerichts, bestätigte Gerichtssprecherin Cosima Freter gegenüber JUVE. Außerdem sei die Sozietät BBL Brockdorff & Partner aufgrund ihrer Aufstellung in der Lage, dieses komplexe Verfahren mit den über 150 einzelnen Immobilien und Investitionsvehikeln und dem starken Auslandsbezug zu bewältigen. Die Restrukturierungskanzlei, die jüngst den Zugang von Christian Knittel von Brinkmann & Partner meldete, zählt an ihren 30 deutschen Standorten im Insolvenzrecht 13 Equity-Partner, 4 regionale Partner und über 30 Associates.

Insolvenzverwalter von Buchwaldt, einer der Gründungspartner von BBL, sagte zu seinen bevorstehenden Aufgaben: „Wir müssen die Buchhaltung von 200 Gesellschaften für 4 Jahre aufbereiten, die Immobilien sichern und versichern, und die Geldflüsse verstehen.“ Das würde noch einige Zeit in Anspruch nehmen, denn dazu müsse man auch analysieren, in welchen Gesellschaften die Gläubiger jeweils investiert sind. Dazu stehe er auch mit Görg-Partner Hölzle in engem Austausch: Hier wurden wertvolle Vorarbeiten zur Bewältigung der anstehenden Aufgaben gemacht, auf denen wir aufsetzen können.

Es kommt ein Gläubigerausschuss

Gleichzeit kündigte von Buchwaldt gegenüber JUVE an, dass er die Anleger – insbesondere auch die internationalen – zeitnah über die Entwicklungen informieren und „gerne aktiv durch einen Gläubigerausschuss beteiligen“ möchte. Neben den Immobilien umfasst das Portfolio, das er übernimmt, auch rund 150 teilentwickelte Projekte.

Dies ist nicht das erste Verfahren von Buchwaldt im Immobiliensektor: Er hatte in den vergangenen Jahren beispielsweise auch die insolvente Rendsburger Unternehmensgruppe Hartmann & Partner übernommen, deren Kronjuwel – die Blomenburg – heute eine Privatklinik für Burn-out-Patienten ist. Vom Amtsgericht Bremen wurde der 48-Jährige zuletzt mit der Sachwaltung des insolventen Schuhhändlers WW Johanne Meinike betraut.

Die Hansestadt hat den Hut auf

Die Pleite der milliardenschweren German Property Group, die zuvor rund um den Globus Investorengelder eingesammelt hatte, hielt die Insolvenzszene die vergangenen Monate in Atem und wird in der Aufarbeitung vermutlich Jahre in Anspruch nehmen. Schließlich wird dahinter ein Anlagebetrug im Schneeballsystem vermutet. Nach einigem Hin und Her hatte das Landgericht Bremen vergangene Woche entschieden, dass die Causa in die Zuständigkeit des Amtgerichts Bremens falle. Besonders Charles Smethurst, ehemaliger Gesellschafter der German Property Group, hatte schwere Geschütze gegen den vorläufigen Insolvenzverwalter Hölzle und sein Team aufgefahren und immer wieder betont, dass die Verlegung des Sitzes der Gesellschaft von Hannover nach Bremen aus seiner Sicht missbräuchlich gewesen sei.

Görg teilte in einer Pressemitteilung mit: „Auch wenn Görg das Verfahren gerne weiter begleitet hätte, respektiert die Kanzlei die Entscheidung des Gerichts und wird alles tun, um einen reibungslosen Übergang auf Herrn von Buchwaldt sicherzustellen.“  Die Kanzlei hoffe zudem, dass der Wechsel „die nötige Verfahrensruhe bewirkt und der jetzt gerichtlich bestellte Insolvenzverwalter von ähnlichen Attacken und persönlichen Bedrohungen verschont bleibt.“ (Sonja Behrens)

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