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30.11.2020

Wiederaufbau im Kartellrecht: Mayer Brown gewinnt Duo von Baker

Mit einem prominenten Quereinsteiger-Team macht sich Mayer Brown an den Wiederaufbau ihrer Kartellrechtspraxis. Aus dem Düsseldorfer Büro von Baker & McKenzie wechseln Christian Horstkotte (49) und Dr. Johannes Weichbrodt (42), mit ihnen kommt zum Januar ein dreiköpfiges Associate-Team. Für Baker sind die Abgänge ein Rückschlag, während Mayer Brown den Abgang ihres Praxischefs und Leiter des Brüsseler Büros Dr. Jens Schmidt mehr als kompensiert. Schmidt war zu Beginn des Jahres zu Noerr gewechselt.

Christian Horstkotte

Christian Horstkotte

Sowohl Horstkotte als auch Weichbrodt haben ihre Karriere in der renommierten Kartellrechtspraxis von Freshfields Bruckhaus Deringer begonnen. Horstkotte wechselte 2011 als Partner zu Baker. Ein Jahr zuvor hatte die Kanzlei ihre gesamte Kartellrechtspraxis verloren, als sich ein vierköpfiges Partnerteam unter dem Namen Commeo selbstständig machte. Horstkotte baute in den folgenden Jahren mit Dr. Nicolas Kredel, der fast zur gleichen Zeit von Hengeler kam, die Baker-Kartellrechtspraxis neu auf. Weichbrodt folgte Horstkotte 2015 zu Baker, im vergangenen Jahr wurde er Partner.

Mit Horstkotte und Weichbrodt wechseln die Associates Teresa Gerhold, Matthias Jannausch und Prof. Dr. Eugen Wingerter zu Mayer Brown. Für die US-Kanzlei aus Chicago ist der Zugang des Teams ein Coup, denn sie gewinnt damit wesentlich mehr, als ihr durch den Wechsel von Schmidt zu Noerr weggebrochen ist. Eine deutsche Kartellrechtspraxis gab es bei Mayer Brown nun fast ein Jahr nicht mehr. 

Auch in Brasilien wechselten Baker-Kartellrechtler zu Mayer Brown

Weichbrodt_Johannes

Johannes Weichbrodt

Horstkotte ist spezialisiert auf die Beratung zu Fusionskontrollen und Kartelluntersuchungen vor deutschen und EU-Wettbewerbsbehörden. Bei Baker war er zuletzt Leiter der deutschen Praxis. In dieser Funktion wird ihn Kredel ablösen, der bereits Leiter der EMEA-Kartellrechtspraxis von Baker ist, zu der gut 50 Partner gehören. Eines der bekanntesten Mandate Horstkottes ist die Vertretung des Brauereikonzerns Carlsberg, der mit dem Kartellamt seit Jahren über ein hohes Millionenbußgeld im Bierkartell ringt. Horstkotte wird auch bei Mayer Brown die Praxisgruppe Kartellrecht leiten. Weichbrodt hat einen Schwerpunkt in der Automobil- und Schwerindustrie sowie dem Konsumgüter- und Einzelhandelssektor. Eine Spezialität seiner Praxis ist die Compliance-Arbeit für Unternehmen in Lateinamerika. Zu den Mandanten von Horstkotte und Weichbrodt gehörten zuletzt Thyssenkrupp, Rewe und Aurubis.

Im vergangenen Jahr hatte bereits die brasilianische Partnerkanzlei von Mayer Brown, Tauil & Chequer, ein Team um den globalen Leiter Kartellrecht von Baker, Francisco Todorov, an Bord genommen. Obwohl der Abgang des Teams um Horstkotte und Weichbrodt ein Rückschlag für die deutsche Praxis ist, ist die Situation nicht vergleichbar mit dem Neuanfang nach der Commeo-Abspaltung vor zehn Jahren. Neben Equity-Partner Kredel gibt es vier Salary-Partner und vier Counsel, die sich auf die Standorte Düsseldorf, Brüssel, Berlin, Frankfurt und München verteilen. Hinzu kommen ein Litigation-Partner und mehrere Wettbewerbsökonomen, die auf Kartellschadensersatzstreitigkeiten spezialisiert sind. 

Dr. Guido Zeppenfeld, Managing-Partner der deutschen Praxis von Mayer Brown, betont, dass Kartellrecht und Compliance mit den Zugängen ein neues Gewicht erhalten: „Damit erweitern wir die kontinentaleuropäische Abdeckung in diesem Bereich signifikant und sind in der Lage, unseren Mandanten eine integrierte Beratung vor Wettbewerbsbehörden weltweit anzubieten. Die Ergänzung spiegelt wieder, wie stark die Nachfrage unserer Mandanten nach europäischer Expertise im Kartellrecht ist.“ (Marc Chmielewski, Ludger Steckelbach)

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