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18.03.2021

Erzbistum Köln: Gutachten von Gercke Wollschläger findet international Beachtung

Die Kanzlei Gercke Wollschläger hat unter großem internationalen Medieninteresse ihr Gutachten zum Umgang mit Missbrauchsvorwürfen im Erzbistum Köln vorgelegt. Als erste Konsequenz entband Kardinal Rainer Maria Woelki zwei hohe Würdenträger seines Bistums vorläufig von ihren Aufgaben: den Weihbischof Dominikus Schwaderlapp und den Offizial Günter Assenmacher.

Björn Gercke

Björn Gercke

Dem heutigen Hamburger Erzbischof Stefan Heße wirft das Gutachten elf Pflichtverletzungen im Zusammenhang mit der Aufarbeitung von Missbrauchsvorwürfen im Erzbistum Köln vor. Heße war vor seiner Berufung nach Hamburg Personalchef und Generalvikar im Erzbistum Köln.

Weihbischof Schwaderlapp teilte mit, dass er Papst Franziskus bereits seinen Amtsverzicht angeboten habe. „Ich bitte Papst Franziskus um sein Urteil“, so Schwaderlapp. „Ich kann nicht Richter in eigener Sache sein.“ Auch Heße hatte schon im November angekündigt, er wolle Rom prüfen lassen, ob die Untersuchungsergebnisse „Auswirkungen auf mein Amt als Erzbischof in Hamburg haben“. Bisher hat Heße alle Vorwürfe bestritten.

Weiterhin belastet das Gutachten den früheren Kölner Generalvikar Norbert Feldhoff. Auch er soll bei der Aufarbeitung der Missbrauchsvorwürfe Pflichten verletzt haben.

Prof. Dr. Björn Gercke und Dr. Kerstin Stirner zeichneten bei der Vorstellung ihres 800 Seiten starken Gutachtens ein düsteres Bild von den Verhältnissen im Erzbistum Köln. Die Auswertung der Akten von 1975 bis 2018 habe unter anderem ergeben, „dass sich Jahrzehnte offenbar niemand getraut hat, solche Fälle zur Anzeige zu bringen“, so Gercke. Zu ihrem Team gehörten außerdem die Associates Dr. Corinna Reckmann, Max Nosthoff-Horstmann, Dr. Andreas Grözinger und Dr. Diana Hembach sowie der of Counsel Prof. Dr. Mark Zöller. Kirchenrechtliches Know-how steuerten Prof. Dr. Dr. Helmuth Pree und Dr. Stefan Korta bei.

Carsten Brennecke

Carsten Brennecke

Ein erstes Gutachten der Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl war von Woelki unter Verschluss gehalten worden, wofür er rechtliche Bedenken anführte. Dieses Verhalten Woelkis hatte eine Vertrauenskrise im größten deutschen Bistum ausgelöst.

Versäumnisse sah Gercke nicht bei Woelki, dagegen bei dessen verstorbenem Vorgänger Joachim Meisner. Auf dessen Konto gehe ein Drittel aller festgestellten Pflichtverletzungen, mehr als 20. Weitere Pflichtverletzungen wurden bei Meisners Vorgänger Kardinal Joseph Höffner (1906-1987) festgestellt.

Der Fall hat neben der Compliance-Untersuchung von Gercke auch eine erhebliche äußerungs- und persönlichkeitsrechtliche Bedeutung, da das Erzbistum Verantwortliche namentlich nennen wollte. Hierbei beriet Dr. Carsten Brennecke aus der bekannten Presserechtskanzlei Höcker sowohl das Erzbistum als auch Kardinal Woelki selbst. Außerdem wurden Gutachten und Expertisen der Strafrechtsprofessoren Prof. Dr. Franz Streng und Prof. Dr. Matthias Jahn sowie von Gernot Lehr (Äußerungsrecht; Redeker Sellner Dahs) eingeholt.

Weil das Persönlichkeitsrecht in dem Fall eine so große Rolle spielt, setzten auch die im Gutachten genannten Würdenträger auf renommierte Experten: Nach Marktinformationen berät Prof. Dr. Jan Hegemann von Raue den Ex-Generalvikar Feldhoff, während Schwaderlapp Prof. Dr. Gero Himmelsbach von Romatka mandatiert haben soll. Prof. Dr. Roger Mann von Damm & Mann ist nach JUVE-Informationen der äußerungsrechtliche Berater des Hamburger Erzbischofs Heße.

In der von Daniela Schrader geleiteten Rechtsabteilung des Erzbistums ist der stellvertretende Leiter Dr. Arno Schröder mit dem Gutachtenthema befasst gewesen. Er wurde nach Marktinformationen unterstützt von dem Kölner Wirtschaftsanwalt Christian Steinkrüger von Steinkrüger Stingl & Partner. (Christiane Schiffer)

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