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24.03.2021

Zeitarbeit: Brillant-Gruppe geht mit Willmer Köster ins Insolvenzverfahren

Die Brillant-Gruppe hat Insolvenzanträge für ihre vier wichtigsten Gesellschaften gestellt. In über 40 Niederlassungen sind rund 2.000 Mitarbeiter betroffen. Das Amtsgericht Verden hat die Partner Dr. Christian Willmer und Dr. Hans-Joachim Berner von der Kanzlei Willmer Köster als vorläufige Insolvenzverwalter bestellt.

Christian Willmer

Christian Willmer

Alle vier Gesellschaften sitzen unter der gleichen Verdener Adresse, haben weitgehend gleiche Geschäftsführer und sind beim Amtsgericht Walsrode registriert. Der zum neuen Jahr zum Partner ernannte Berner verwaltet die Brillant Management und Beteiligung (Az. 11 IN 23/21). Namenspartner Willmer übernimmt die Verwaltung der Mondi Personalservice, Mondi Personaldienstleistungen für Industrie – Büro und Handwerk und WFD Personaldienstleistungen (Az. 11 IN 21/21, 22/21 und 20/21).

Während Brillant in der Gruppe eher die Funktion einer Holding mit internen Mitarbeitern erfüllt, ist bei Mondi und WFD hauptsächlich das extern weitervermittelte Personal beschäftigt. Von Willmer Köster beraten die beiden Gründungspartner Dr. Malte Köster und Marc Kampfenkel die vorläufigen Verwalter insolvenzrechtlich. Die Partner der Kanzlei sind in Verwaltungen anerkannt und haben sich zuletzt zunehmend in größeren Verfahren wie beim Klinikum Peine bewährt.

Rolf Leithaus

Rolf Leithaus

Im Markt wurde bekannt, dass Dr. Rolf Leithaus, Kölner Partner der Kanzlei CMS Hasche Sigle, die Brillant-Gruppe vorinsolvenzlich bis zur Antragstellung beraten hat. In dem insolvenzrechtlichen Mandat unterstützte ihn demnach die Associate Julia Menke. Der erfahrene Leithaus beriet zuletzt JUVE-Informationen zufolge etwa bei der Condor-Insolvenz den Pensionssicherungsverein (PSV) der deutschen Wirtschaft in seiner Klage gegen den Insolvenzplan.

Brillant wurde vor rund 20 Jahren gegründet, zu den Kunden zählen Unternehmen aus den Branchen Automobilbau, Logistik und Handel. Der Umsatz lag zuletzt bei etwa 70 Millionen Euro. Schon vor den Problemen durch die Corona-Pandemie hatten viele Unternehmen in der Zeitarbeitsbranche begonnen, sich aufgrund erhöhten Wettbewerbsdrucks zu restrukturieren. Auch der im Dezember insolvent gewordene Gesamthafenbetriebsverein Bremen zählt im weiteren Sinne zu dieser Branche. In Insolvenzverfahren mit Arbeitnehmerüberlassung kommt der Subsidiärhaftung für Sozialabgaben und Steuern besondere Bedeutung zu.

Zu Beginn des Jahres hatte Brillant bei der laufenden Restrukturierung seine Geschäftsführung umgebaut. Seit März ist Norbert Ruthemeyer von der Hildener Unternehmensberatung ‚Das Werk Consulting‘ Sanierungsgeschäftsführer. Parallel zu den Arbeiten im Unternehmen startet die Insolvenzverwaltung einen Investorenprozess. Hierin soll dem Vernehmen nach die Düsseldorfer Unternehmensberatung Falkensteg eingebunden werden, die beispielsweise auch den M&A-Prozess bei der Elsflether Werft beraten hatte. Dort hatte übrigens CMS die Käuferin Lürssen beraten. (Ludger Steckelbach)

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