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26.04.2021

Mittelstandsberater: Keine Zeit für Krisenstimmung

In der Summe haben die 50 umsatzstärksten Mittelstandsberater 2020 über 2,3 Milliarden Euro erwirtschaftet – trotz Corona immer noch fast so viel wie im Rekordjahr 2019. Das ist umso bemerkenswerter, da das Ende vieler Mandate rund um den Dieselskandal Spuren hinterließ: Bei rund einem Viertel der Sozietäten sank der Umsatz, ein Drittel schrumpfte auch personell.

Unter den zehn größten Mittelstandsberatern steigerten nur drei in ihrem letzten abgeschlossenen Geschäftsjahr den Umsatz pro Berufsträger. Der Blick auf die wichtigsten Veränderungen in diesen Kanzleien zeigt die unterschiedlichen Einflüsse auf das dennoch gute Geschäft des Branchenzweigs.

Das enorme Wachstum der Vorjahre ist bei Heuking Kühn Lüer Wojtek mit dem Ende der Massenverfahren im Dieselkomplex  fürs Erste vorbei. Dass die Kanzlei trotzdem kaum Einbußen hatte, lag unter anderem am starken Corporate-Geschäft und ersten großen Restrukturierungen.

Rang Kanzlei  Umsatz
(Mio. €)
Berufsträger (FTE) UBT
(T€)
1 Heuking Kühn Lüer Wojtek 189,9 (-2,5%) 403,6 (+1,0%) 470 (-3,4%)
2 Luther 187,0 (-1,7%) 412,3 (+2,8%) 453 (-4,4%)
3 Görg 149,0 (+2,1%) 267,2 (+1,4%) 558 (+0,6%)
4 Rödl & Partner 132,2 (+5,0%) 285,0 (+5,6%) 464 (-0,5%)
5 KPMG Law 120,0(+9,1%) 325,3 (+9,7%) 369 (-0,5%)
Quelle u. Erläuterungen: JUVE Rechtsmarkt 05/21; Prozentuale Veränderung in Klammern.

 

Obwohl auch bei Luther mit den Dieselprozessen ein großer Umsatztreiber wegfiel, rückte die Kanzlei abermals ein Stückchen näher an Heuking heran. Aufwärts ging es besonders in regulierten Branchen und am Schnittpunkt zum Öffentlichen Recht.

Anders als Heuking und Luther war Görg nicht in den Dieselkomplex involviert und wuchs darum in den Vorjahren langsamer, musste dafür 2020 aber auch keinen plötzlichen Einbruch kompensieren. Große Insolvenzen trugen bereits wieder kräftig zum Wachstum bei.

Unter den MDP-Kanzleien erzielt Rödl & Partner mit 446.000 Euro den höchsten UBT. Die Rechtsberatung ist entsprechend ein Zugpferd der Gesamtkanzlei. Das international weit verzweigte und inhaltlich breit aufgestellte Geschäft wächst schon seit Jahren sehr stetig.

Nach einem Riesensprung im Vorjahr legte KPMG Law trotz Dieselflaute noch einmal weit überdurchschnittlich zu, auch beim Personal. Der UBT allerdings – im Vergleich zu den anderen umsatzstärksten Mittelstandsberatern ohnehin nicht hoch – stagnierte.

Anders als ihre Dauerrivalin KPMG Law steigerte PricewaterhouseCoopers Legal nicht nur den Umsatz, sondern auch die Produktivität deutlich. Dahinter steht der laufende Ausbau des Transaktionsgeschäfts, aber auch die insgesamt breite Themenpalette der PwC-Juristen.

Am Ende der Dieselprozesswelle litt Beiten Burkhardt stärker als die anderen VW-Kanzleien. Beim Umsatz fiel die Kanzlei noch hinter ihren Stand von 2018 zurück. Auch der UBT gab stärker nach als bei den meisten Wettbewerbern. 

Für die MDP-Kanzlei Ebner Stolz Mönning Bachem zahlte sich ihre Corporate-Offensive aus, dazu kamen bereits wieder einige große Restrukturierungen. Mit dem Personalwachstum hielt der Umsatz allerdings nur annähernd Schritt.

Als einzige der umsatzstärksten zehn Kanzleien schaffte es Baker Tilly, deutliches Personalwachstum mit einer nennenswerten UBT-Steigerung zu verbinden. Den größten Teil ihres Rechtsberatungsumsatzes macht die MDP-Kanzlei weiterhin im Steuerrecht.

Dass statt GSK Stockmann nun Mazars auf dem zehnten Platz der Umsatzstatistik liegt, ist einem Sondereffekt geschuldet: Die MDP-Kanzlei machte erstmals transparente Angaben zum Umsatz ihrer Rechtsberater. Auch um diesen Effekt bereinigt fiel das Plus aber durchaus beachtlich aus. (Ludger Steckelbach)

Mehr zu den Ergebnissen der Mittelstandsberater lesen Sie im aktuellen JUVE Rechtsmarkt (05/21), der heute erscheint. Zahlen, Details und die komplette, filterbare Übersicht finden Sie ab sofort auf JUVE plus, unserem neuen interaktiven Benchmarking-Tool.

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