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25.06.2013

Kommentar: Schon gewonnen

Es kam schneller als erwartet. Die erste bedeutende chinesisch-dominierte Kanzlei schickt sich an, einen Fuß nach Europa zu setzen. King & Wood Mallesons greift nach der etablierten Londoner Adresse SJ Berwin. Denn so muss man die fortgeschrittenen Fusionsgespräche werten. SJ Berwin würde der klare Juniorpartner.

Was ist davon zu halten? Zumindest auf eines deutet viel hin: Erst einmal wird es die einzige chinesische Kanzlei sein, die bei einer anerkannten europäischen oder US-Größe in so eine Position kommt. Weil sie die einzige ist, die derzeit das Zeug dazu hat. Das hat sie schon vor einem Jahr bewiesen, als sie für die anerkannte australische Einheit Mallesons ein akzeptabler Partner war. Jetzt will die Kanzlei den nächsten Expansionsschritt deutlich schneller machen, als das eigene Management damals noch verkündete. Weil sie fast nichts zu verlieren, aber viel zu gewinnen hat.

Der Zusammenschluss mit Mallesons machte die Chinesen auch bei den Anglo-Amerikanern schnell salonfähig, die fortgeschrittenen Gespräche mit SJ Berwin untermauern das. Kommt die Fusion nicht zustande, dürfte es nicht lange dauern, bis der nächste etablierte anglo-amerikanische Partner auf Tuchfühlung geht. Kommt sie zustande, sind die Chancen auf weitere Expansion groß und das alles bei überschaubarem Risiko. Denn scheitern die Verhandlungen noch auf der Zielgeraden, hält sich der Schaden in Grenzen.

Eine finanzielle Integration mit SJ Berwin gibt es ja nicht. Ach ja ….was ist mit SJ Berwin? Sie ist die Getriebene, braucht einen Fusionspartner. Das zeigt die Vehemenz, mit der sie zuletzt erfolglos in die USA strebte, Stichwort Proskauer Rose. Nun also nach China, eventuell als Umweg Richtung USA. SJ Berwin kann mehr verlieren als nur ihren Namen. Sie wird sich anpassen müssen an die Abläufe bei King & Wood, an die sie zudem im Falle des Scheiterns eher Geschäft verliert als umgekehrt. Aber hat sie bessere Optionen? King & Wood hat einen Plan, bisher ging es stets aufwärts. Für Sj Berwin ist das Experiment vielversprechend. (René Bender)

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