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25.09.2015

Sardana-Klage in New York: Flughafen Wien wappnet sich mit Lumsden

Der Flughafen Schwechat hat im Streit mit dem früheren Flughafenshop-Betreiber Rakesh Sardana seine Anwälte in Stellung gebracht. Sardana argumentiert, der Flughafen habe ihn in den Ruin getrieben und hat deshalb vor rund zwei Wochen beim Supreme Court in New York Klage gegen den Flughafen eingereicht.

Robin Lumsden

Robin Lumsden

Sardana sowie seine Gesellschaften Saveria JFK und Saveria USA werfen dem Airport vor, ihn wirtschaftlich zugrunde gerichtet zu haben, was der Flughafen bestreitet. Der Flughafen Wien habe Lügen über ihn und seine Geschäftspraktiken verbreitet, so Sardana. Als direkte Folge der Diskreditierung sei Sardana als Betreiber von 18 Läden im Terminal 4 am New Yorker Flughafen JFK und von 45 Shops in Wien-Schwechat um Gewinne und Expansionsmöglichkeiten in zweistelliger Millionenhöhe gebracht worden, zudem habe er all seine Geschäfte in Wien verloren, heißt in einer Pressemitteilung. Deshalb fordert Sardana nun umgerechnet knapp 150 Millionen Euro Schadensersatz.

Flughafen Wien stellt 2012 Konkursantrag gegen Sardana

Vor drei Jahren war Sardana mit seinen Gesellschaften in die Insolvenz geschlittert. Die Schulden von Sardana und vier seiner Gesellschaften betrugen Presseberichten zufolge damals rund 60 Millionen Euro. Der Flughafen Wien hatte wegen säumiger Mieten einen Konkursantrag gegen ihn gestellt. Demnach soll Sardana zudem Außenstände bei der niederösterreichischen Gebietskrankenkasse, dem Finanzministerium, der Stadt Schwechat und bei mehreren Lieferanten gehabt haben. Sardana hätte im Terminal 3 ein Fünftel der Shopflächen betreiben sollen, der Ausbau war nach Darstellung des Flughafens aber nicht wie vereinbart erfolgt. Schon damals hatte Sardana erklärt, das Insolvenzverfahren sei das Ergebnis einer langjährigen Kampagne gegen ihn.

Sardana ist der Ansicht, er sei wegen seiner indischen Herkunft diskriminiert worden. Laut Klageschrift, die JUVE vorliegt, habe der damalige Flughafen-Vorstand 2004 beim Ex-Lobbyisten Peter Hochegger eine Schmutzkampagne in Auftrag gegeben mit dem Ziel, den Ruf Sardanas zu zerstören. Unterstützung sollen sich Hochegger und der Flughafen auch von dem bekannten Wiener Anwalt Dr. Gabriel Lansky (Lansky Ganzger + Partner) geholt haben, der seinerseits Privatdetektive eingeschaltet habe, um „Dreck gegen Sardana zu sammeln“, wie es wörtlich in der Klageschrift heißt.

Flughafen bestreitet Vorwürfe

Der Flughafen Wien weist „sowohl alle von Herrn Sardana erhobenen Forderungen wie auch Anschuldigungen als völlig absurd und in jeder Weise unbegründet zurück“, erklärte ein Sprecher auf APA-Anfrage. „Sollten der Flughafen Wien AG aus dieser grotesken Aktion Kosten erwachsen, wird Herr Sardana dafür belangt werden“, so der Sprecher weiter. Die Aktion stelle überdies eine Verhöhnung jener zahllosen Gläubiger dar, die bei den Insolvenzverfahren seiner Unternehmen in Österreich viele Millionen Euro verloren haben. „Gäbe es irgendeinen sachlichen Anhaltspunkt, dann hätte er wohl österreichische Gerichte bemüht.“

Lansky hat auf JUVE-Anfrage bislang nicht reagiert.

Vertreter Sardana/Saveria JFK/Saveria USA
Rich Michaelson Magaliff Moser (New York): Howard Magaliff, Robert Michaelson (Handels- und Insolvenzrecht)
Prof. Alan Dershowitz (emer. Harvard Law School)
Stacey Richman (Strafrecht; New York)

Vertreter Flughafen Wien
Lumsden and Partners (Wien): Dr. Robin Lumsden (Federführung), Dr. Wolfgang Sieh (beide Gesellschaftsrecht); Associate: Irina Tot
Clifford Chance
(New York): Robert Houck (Prozessführung)
Inhouse
(Wien): Dr. Wolfgang Köberl (Generalsekretär; Leiter Rechtsabteilung)

Hintergrund: Der Vertreter der Flughafens Wien, Robin Lumsden, ist auf die Beratung in- und ausländischer Unternehmen mit US-Bezug spezialisiert. Zudem ist er nicht nur in Wien, sondern auch in New York als Anwalt zugelassen – ein Umstand, der für das jetzige Mandat nicht unerheblich gewesen sein dürfte. Lumsden und sein Team sind seit Mai 2013 selbstständig, er und sein Partner Sieh waren zuvor als Anwälte bei Fiebinger Polak Leon & Partner beschäftigt.

Die Kanzlei setzte sich zusammen mit dem von ihr eingesetzten Kooperationspartner, dem Clifford-Partner Robert Houck, gegen vier in Wien ansässige internationale Großkanzleien durch. Darunter befand sich auch Freshfields Bruckhaus Deringer, der zunächst die besten Chancen für die Vertretung des Flughafens eingeräumt worden waren.

Als Masseverwalter der österreichischen Sardana-Holding agierte seinerzeit der anerkannte Preslmayr-Partner Dr. Matthias Schmidt. (Geertje de Sousa, Catrin Behlau, Jörn Poppelbaum)

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