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25.10.2018

Insolvenz: Tochtergesellschaft bringt Bauunternehmen Waagner-Biró ins Wanken

Eine Tochter des Stahlbauunternehmens Waagner-Biró ist insolvent. Nach ihrem Eigenantrag eröffnete das Handelsgericht Wien über die SBE Alpha das Konkursverfahren. Die Schieflage dieser Sparte bringt allerdings die ganze Gruppe in Gefahr inklusive der 1854 gegründeten Muttergesellschaft. Zum Masseverwalter bestellte das Gericht Dr. Stephan Riel.

Stephan Riel

Stephan Riel

Noch in der Woche vor dem Antrag gründete sich Waagner-Biró Stahlbau um zur SBE. Unter deren Dach befinden sich vier Auslandsgesellschaften, unter anderem für Russland und für die Vereinigten Arabischen Emirate. In beiden Ländern arbeitete die Firma an Großprojekten, die unternehmerische Probleme und letztlich die Insolvenz auslösten: die Gazpromzentrale in St. Petersburg und der Louvre Abu Dhabi.

Der Rest der Gruppe mit gut 1.400 Beschäftigten ist ebenfalls insolvenzgefährdet. Die Prognose des Vorstands fällt bescheiden aus: Es werde angestrebt, das Fortbestehen einzelner Unternehmensteile zu ermöglichen. Im Jahr 2017 erzielte die Gruppe 192 Millionen Euro Umsatz, davon 51 Millionen im betroffenen Stahlbau. Projekte mit kühner Architektur ziehen sich durch die Unternehmensgeschichte, von der Eisernen Kirche in Istanbul von 1893 bis zur neuen Kuppel des Reichstags in Berlin.

Die Schwierigkeiten in Russland kündigten sich offenbar bereits zur Hauptversammlung Ende April an. Dort wurde allerdings noch eine Dividendenzahlung beschlossen, von der als Hauptanteilseigner die Liaunig Industrieholding mit 36 Prozent sowie die Jost Beratung und Beteiligung mit 25 Prozent profitierten. Erstere gehört zur Stiftung des Kärntner Kunstsammlers und Unternehmers Herbert Liaunig, letztere wird vom Vorstandschef Thomas Jost kontrolliert.

Zum Masseverwalter ernannte das Gericht Dr. Stephan Riel, Namenspartner der Wiener Kanzlei Riel & Partner, der etwa auch den insolventen Baukonzern Alpine verwaltet. Seine Partnerin Dr. Katharina Widhalm-Budak ist Stellvertreterin in dem Verfahren (GZ: 2 S 71/18f). Ebenfalls bei dem Verfahren aktiv ist ihre Kollegin Denise Rohringer. Die Kanzlei der angesehenen Insolvenzrechtler firmiert seit September unter neuem Namen. Aus der vorhergehenden Einheit Jaksch Schoeller Riel hatte sich Dr. Alexander Schoeller nach einer Hausdurchsuchung zurückgezogen.

Schuldnervertreter ist Dr. Michael Lentsch, Partner der Kanzlei Kosch & Partner aus Wiener Neustadt. Lentsch vertrat in diesem Jahr beispielsweise Fairplane bei der Niki-Insolvenz. (Ludger Steckelbach)

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