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19.01.2011

MAN-Korruptionsaffäre: Manager setzen sich mit prominenten Straf- und Zivilanwälten zur Wehr

Der Aufsichtsrat von MAN verlangt von seinem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Hakan Samuelsson 237 Millionen Euro. Die astronomische Summe soll der Ex-Konzernchef als Schadensersatz für die Korruptionsaffäre zahlen. Auch fünf weitere ehemalige Vorstände wurden Presseberichten zufolge mit Forderungen in zum Teil dreistelliger Millionenhöhe konfrontiert.

Walther Graf
Walther Graf

Schadensersatz verlangt der Konzern unter anderem vom früheren MAN-Finanzvorstand Karlheinz Hornung und dem ehemaligen Chef der Sparte Nutzfahrzeuge, Anton Weinmann.

Die geforderten Summen sind ungewöhnlich hoch. Siemens etwa hatte sich mit ihrem Ex-Vorstandsvorsitzenden Heinrich von Pierer auf eine Zahlung von fünf Millionen Euro verständigt.

MAN hingegen will von den Ex-Vorständen nicht nur das Bußgeld in Höhe von 600.000 Euro sowie die Berater- und sonstige Folgekosten, sondern auch den von der Staatsanwaltschaft abgeschöpften Gewinn von fast 150 Millionen Euro zurückholen – also die Summe, die nach Ansicht der Ermittler aus Straftaten erlangt worden war.

Die Forderung gegen Samuelsson, gegen den, soweit bekannt, nie staatsanwaltschaftlich ermittelt wurde, wurde bereits im Sommer erhoben, diejenigen gegen die anderen Ex-Vorstände erst kurz vor Weihnachten. Klagen sollen noch nicht anhängig sein, allerdings sollen die Ex-Vorstände befristet auf die Einrede der Verjährung verzichtet haben.

Ob und inwieweit die D&O-Versicherungen der ehemaligen Vorstände, die Allianz und die Zurich Versicherung, in die Pflicht genommen werden, ist derzeit offen. (Astrid Jatzkowski)

Berater MAN
Wilmer Hale (Berlin): Dr. Roland Steinmeyer; Associates: Patrick Späth, Dr. Ines Krolop

Berater Samuelsson
Sernetz Schäfer (München): Dr. Wolf-Dieter von Gronau, Dr. Andreas Höder, Dr. Sebastian Tiller

Berater Hornung
Feigen Graf (Köln): Dr. Walther Graf
Kliemt & Vollstädt (Düsseldorf): Dr. Alexander Ulrich

Berater Weinmann
Prof. Dr. Holger Matt (Frankfurt)

Hintergrund: Der Großteil der Berater ist aus dem Markt bekannt. Wilmer Hale steht dem MAN-Aufsichtsrat bereits seit Beginn der Korruptionsaffäre zur Seite (mehr…, mehr…). Die Gesellschaftsrechtler von Gronau und Höder, die Samuelsson beraten, machten zuletzt unter anderem durch die Beratung der HRE im Zusammenhang mit dem Rettungspaket auf sich aufmerksam (mehr…). Die Kanzlei ist zwar häufiger aus Seite der Banken zu finden, wenn es um kritische Prozesse geht. Doch vertritt sie gerade in Compliance-nahen Fällen auch seit Längerem Individualpersonen, etwa auch einen Manager im Siemens-Verfahren.

Im Gegensatz zu Samuelsson setzt sein Vorstandskollege Hornung auf eine Kombination aus straf- und arbeitsrechtlicher Kompetenz. Die Kanzlei Feigen Graf ist regelmäßig auf Seiten von Vorständen zu finden, auch Kliemt & Vollstädt bringt umfangreiche Erfahrung mit derartigen Mandaten mit.

Auch Weinmann soll neben dem Strafrechtler Matt ein Zivilrechtler zur Seite stehen. Derzeit ist nicht bekannt, um wen es sich dabei handelt.

Aus dem Markt bekannt ist, dass die Allianz als D&O-Versicherer von Friedrich Graf von Westphalen und dort von dem Kölner Partner Prof. Dr. Tobias Lenz vertreten wird. Auf Seiten der Zurich Versicherung steht DLA Piper und dort der Partner Dr. Gunne Bähr sowie Senior Associate Dr. Christian Schneider. MAN selbst soll dem Vernehmen nach inzwischen ebenfalls Versicherungsrechtler mandatiert haben. Intern betreut Chefjurist Wolfgang Betz die Vorgänge, der erst im August von Kuka zu MAN stieß (mehr…)

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