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10.04.2014

Boykottaufruf: Lottoblock muss Redeker-Mandantin Fluxx entschädigen

Wegen eines Aufrufs zum Boykott von gewerblichen Lottovermittlern muss die Westdeutsche Lotterie Schadensersatz an den Wettanbieter Fluxx zahlen. Das Oberlandesgericht Düsseldorf sprach dem Anbieter von Glücksspielen eine Forderung von 11,5 Millionen Euro nebst Zinsen zu. Der Boykottaufruf war 2008 vom Bundesgerichtshof als rechtswidriger Kartellverstoß gewertet worden.

Andreas Rosenfeld

Andreas Rosenfeld

Der Deutsche Lotto- und Totoblock (DLTB) hatte die Lottogesellschaften der 16 Bundesländer, darunter Westlotto, aufgefordert, Spielaufträge gewerblicher Vermittler abzulehnen, wenn diese über eine sogenannte terrestrische Vermittlung entgegengenommen würden. Die Mybet-Tochter Fluxx, damals aktiv unter dem Namen Jaxx, hatte genau das geplant: Lotto-Tipps an Tankstellen und in Supermärkten einzusammeln und an die DLTB zu vermitteln. Der Streit zwischen den staatlichen und gewerblichen Lottoanbietern entbrannte um geschätzte fünf Milliarden Euro Jahresumsatz und die Bedeutung des Kartell- und Wettbewerbsrechts auf diesem Gebiet. 

Nachdem sich der Bundesgerichtshof dazu klar geäußert hatte, konnte Fluxx jetzt den Düsseldorfer Kartellsenat davon überzeugen, dass ihr durch den Boykott Kosten entstanden und ein Gewinn entgangen sei, den ihr die Lotto-Gesellschaften als Gesamtschuldner ersetzen müssen.

Die Urteilsbegründung liegt derzeit noch nicht vor. Eine Revision ist nicht zugelassen, doch bleibt Westlotto noch die Möglichkeit einer Nichtzulassungsbeschwerde an den Bundesgerichtshof.

Vertreter Fluxx
Redeker Sellner Dahs (Brüssel): Dr. Andreas Rosenfeld, (Kartellrecht, Federführung), Andreas Okonek (Bonn; Litigation); Associate: Dr. Simone Lünenbürger (Kartellrecht)
Inhouse (Hamburg): Claudia Wegner

Vertreter Westlotto
Haver & Mailänder (Stuttgart): Dr. Peter Mailänder; Associate: Dr. Anni Kollmann (beide Kartellrecht)

Oberlandesgericht Düsseldorf. 1. Kartellsenat
Dr. Jürgen Kühnen (Vorsitzender Richter)

Hintergrund: Beide Parteien wurden in dem Prozess durch ihre langjährigen Berater unterstützt. Sowohl Redeker als auch Haver & Mailänder haben ihre Mandanten schon im Zusammenhang mit dem Boykott-Streit vertreten. Fluxx hatte als ökonomische Sachverständige für die Schadensberechnung die Berliner Beratungsgesellschaft E.CA Economics einbezogen. Sehr renommiert ist hier etwa der Ökonom Dr. Hans Friederiszick, der auch im Umfeld der prominenten Kartellverfahren um Libor-Manipulationen und Preisabsprachen bei Frachtgeschäften eingebunden war. (Antje Neumann).

 

 

 

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