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07.12.2017

Bilanzunregelmäßigkeiten: Feigen Graf und Flick Gocke verteidigen Steinhoff-Manager

Steinhoff, das zweitgrößte Möbelunternehmen Europas und Mutterkonzern der deutschen Poco-Kette, ist nach Hinweisen auf Bilanzunregelmäßigkeiten in schwere Turbulenzen geraten. Der Vorstandschef Markus Jooste trat zurück, gegen ihn und drei weitere Beschuldigte ermittelt die Staatsanwaltschaft Oldenburg. Der Aktienkurs des im MDax notierten Konzerns brach seit gestern um deutlich mehr als die Hälfte ein.

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Bernd Groß

Zuvor hatte Steinhoff bekanntgegeben, dass der Aufsichtsrat nach neuen Hinweisen auf Bilanzunregelmäßigkeiten die für Mittwoch geplante Präsentation der Bilanz auf unbestimmte Zeit verschieben wird. Die neuen Verdachtsmomente sollen vor allem außerhalb Deutschlands aufgekommen sein. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers soll nun eine unabhängige Untersuchung durchführen.

Damit verdichten sich Hinweise auf Unregelmäßigkeiten in dem Konzern weiter. Bereits vor einigen Wochen war bekannt geworden, dass die deutschen Behörden schon seit 2015 dem Verdacht auf unrichtige Bilanzen bei Steinhoff nachgehen. Die Ermittlungen richten sich neben Jooste auch gegen den Finanzchef sowie einen ehemaligen Manager und einen Geschäftspartner des Unternehmens. Der Verdacht: Überhöhte Umsatzerlöse sollen in die Bilanzen konzernzugehöriger Gesellschaften eingeflossen und der Bilanzwert des Unternehmens dadurch eventuell zu hoch angegeben worden sein, so die Staatsanwaltschaft. Hintergrund seien Verträge, mit denen konzernzugehörige Gesellschaften immaterielle Wirtschaftsgüter beziehungsweise Gesellschaftsanteile an vermeintlich fremde, den Ermittlungen nach aber dem Konzern nahestehende Unternehmen jeweils für dreistellige Millionenbeträge veräußert haben sollen.

In dem Zusammenhang hatten die Behörden bei Durchsuchungen umfangreiche Unterlagen und Datenmaterial sichergestellt. Ein Abschluss des Verfahrens sei derzeit noch nicht absehbar. Ob die Behörden auch international ermitteln, ist bisher nicht bekannt.

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Karsten Randt

Steinhoff hat ihre Wurzeln im niedersächsischen Westerstede, aber inzwischen den Sitz in Amsterdam und die operative Zentrale im südafrikanischen Johannesburg. Das Unternehmen beschäftigt auf fünf Kontinenten mehr als 130.000 Mitarbeiter, der zuletzt angegebene Umsatz lag bei rund 13 Milliarden Euro.

Vertreter Jooste
Feigen Graf (Frankfurt): Dr. Bernd Groß

Vertreter Finanzchef
Flick Gocke Schaumburg (Bonn): Dr. Karsten Randt

Vertreter Ex-Manager
Grezesch & Bachmann (Bremen): Dr. Jochen Bachmann

Vertreter Geschäftspartner
Grub Brugger (München): Dr. Norbert Scharf

Staatsanwaltschaft Oldenburg
Frank Lohmann

Hintergrund: In dem Verfahren tummeln sich Verteidiger der jüngeren bis mittleren Generation, die derzeit zu den gefragtesten der Republik gehören. Insbesondere Bernd Groß und Norbert Scharf waren zuletzt auch in einigen sehr öffentlichkeitswirksamen Verfahren dabei: Groß, der nun mit der Arbeit für den Vorstandschef Jooste den wohl denkbar schwierigsten Part übernommen hat, ist etwa in Cum-Ex-Ermittlungsverfahren derzeit sehr aktiv und begleitet den früheren DFB-Generalsekretär Horst Schmidt in dem Ermittlungsverfahren rund um die Sommermärchen-Affäre.

Scharf wiederum war gerade erst in der vergangenen Woche in den Schlagzeilen, als sein Mandant Anton Schlecker dank des Einsatzes des Münchner Verteidigers mit einer Bewährungsstrafe recht glimpflich davon kam. (René Bender)

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