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21.09.2020

German Property Group: Ex-Geschäftsführer will Insolvenzverwalter von Görg loswerden

Der milliardenschwere Insolvenzfall der German Property Group (GPG) stockt – unter anderem, weil unklar ist, welches Gericht für das Verfahren zuständig ist. Rund 180 Objektgesellschaften gehören zu der Gruppe, die bis vor Kurzem noch Dolphin Capital hieß und in Hannover-Langenhagen tätig war. Für jede der zahlreichen Gesellschaften muss das zuständige Amtsgericht ein eigenes Verfahren eröffnen.

Gerrit Hölzle

Gerrit Hölzle

Aktuell ist für das vorläufige Verfahren das Bremer Amtsgericht zuständig. Nach JUVE-Informationen versuchen nun aber Anwälte des ehemaligen Chefs und Vordenkers der GPG, Charles Smethurst, den Gerichtsstand des Insolvenzverfahrens und den vorläufigen Insolvenzverwalter infrage zu stellen. Ende Juli war Görg-Partner Prof. Dr. Gerrit Hölzle zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden. Gegen ihn geht Smethurst nun mit Hilfe von Dr. Karsten Klotz aus der Berliner Kanzlei Gronvald vor.

Soweit bekannt wirft der GPG-Gründer Hölzle in einem Schreiben vor, sich das Verfahren erschlichen zu haben. Sein Anwalt Klotz argumentiert unter anderem, Hölzle sei mit dem Fall vorbefasst, als er noch bei Linklaters gewesen sei. Dort allerdings hatte Hölzle nie gearbeitet.

In dem Schreiben kritisiert Smethurst auch, dass die Gesellschaft sehr knapp vor dem Insolvenzantrag nach Bremen übersiedelt wurde. Falk Holtmann, der durch den Sanierungshelfer Alldatax Mitte Juli neuer Geschäftsführer der GPG geworden war, hatte einen Tag nach der Übernahme der Geschäfte die GPG nach Bremen verlegt. Das Verfahren hätte deshalb nie in Bremen eröffnet werden dürfen, weil der Abstand zwischen der Sitzverlagerung und dem Insolvenzantrag zu kurz gewesen sei, so die Argumentation der Smethurst-Seite.

Strafrechtliche Ermittlungen und weiterer Insolvenzantrag in Hannover

Gegen die früheren GPG-Verantwortlichen stehen schwere Vorwürfe im Raum: GPG soll seit Mitte der 2000er Jahre rund eine Milliarde Euro ausschließlich von ausländischen Investoren eingesammelt haben, um Immobilienprojekte mit denkmalgeschützten Objekten in Deutschland zu finanzieren. Laut Hölzle sprechen Indizien dafür, dass den Anlegern nicht wirksame Sicherheiten auch doppelt ausgestellt wurden. Bekannt ist, dass eine Gläubigerin aus Fernost über eine Berliner Anwältin Strafanzeige gegen Smethurst und zwei weitere Personen bei der Staatsanwaltschaft Hannover gestellt hat. Smethurst lässt sich gegen die Vorwürfe von den Berliner Strafrechtlern der Kanzlei Danckert Bärlein Sättele vertreten.

Zudem ist auch beim Amtsgericht Hannover ein Insolvenzantrag anhängig. Die Dolphin Capital 80 (DC80), eine Finanzierungsgesellschaft der Gesamtgruppe, hat dort durch einen englischen Anleger einen Eigenantrag gestellt. Das Gericht gibt an, es prüfe seine örtliche Zuständigkeit in dem Fall (Az. 910 IN 309/20).

Zu der Frage, ob das Amtsgericht Bremen zuständig ist, gibt es ein Gutachten des Bielefelder Rechtsprofessors Dr. Florian Jacobi, das dieser im Auftrag der insolventen GPG erstellte. Jacobi, der auch im Auftrag des Justizministeriums an der Evaluierung des Gesetzes zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) mitgewirkt hatte, bestätigt nach JUVE-Informationen die Zuständigkeit des Bremer Gerichts und damit auch die Bestellung Hölzles.

Wo liegen die Akten?

Bei der Wahl des Insolvenzgerichts komme es nach der Erfahrung zahlreicher Insolvenzrechtler auch darauf an, wo die Unterlagen liegen. Vergangene Woche berichtete das Handelsblatt, dass aktuell eine Schar EY-Berater in Hannover-Langenhagen Akten durchforsteten. Das legt nahe, dass sich die Akten zuletzt nicht in Bremen befanden. Das würde also die Position des Bremer Amtsgerichts nicht stärken.

Auf Nachfrage teilte Hözle mit, dass sich die Unterlagen der vergangenen Geschäftsjahre mittlerweile in Bremen befänden, wo das EY-Team nun an der forensischen Auswertung arbeite. Dabei handelt es sich um rund 3.000 Akten, die in der vergangenen Woche per Lkw vollständig nach Bremen transportiert wurden, um die Datensicherung nicht zu gefährden.

Der Streit um den Gerichtsstand könnte bald die Instanzengerichte beschäftigen. Dass Smethurst, der nicht Verfahrensberechtigter ist, mit der Arbeit von Hölzle sowie des Gerichts nicht einverstanden ist, hat er bereits mehr als deutlich gemacht. Den Bremer Verantwortlichen und insbesondere auch Hölzle wirft er vor, das Verfahren beerdigen und die Gläubiger schädigen zu wollen. Sollte es dem GPG-Gründer gelingen, dem Görg-Verwalter eine Gläubigerschädigung nachzuweisen, könnte er mit seinem Vorhaben erfolgreich sein. (Martin Ströder, Ludger Steckelbach)

Aktualisierung vom 24.09.2020: Zum Insolvenzantrag der Dolphin Capital 80 beim Amtsgericht Hannover (Az. 910 IN 309/20) hat das Gericht mittlerweile seine örtliche Zuständigkeit festgestellt. Beim Amtsgericht Bremen läuft seit Ende Juli parallel ebenfalls ein Verfahren über Dolphin Capital 80 (Az 531 In 2/20) mit Hölzle als vorläufigem Verwalter.

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