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12.10.2020

Sportrecht: Beachvolleyball-Duo klagt erfolgreich gegen Bornheim-Mandantin DVV

Juristischer Sieg für zwei Profisportlerinnen: Der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) muss den Beachvolleyballerinnen Kim Behrens und Cinja Tillmann umgerechnet rund 14.500 Euro Schadensersatz für die Nichtnominierung bei mehreren internationalen Turnieren zahlen. Das hat das Landgericht Frankfurt entschieden (Az. 2-06O 457/19). Rechtskräftig ist das Urteil allerdings noch nicht.

Paul Lambertz

Paul Lambertz

Tillmann und Behrens hatten den Verband wegen der Nichtnominierung für mehrere internationale Turniere und die damit verbundenen finanziellen Verluste verklagt. Die beiden Klägerinnen bilden seit Anfang 2019 ein Beachvolleyballteam und hatten sich die nötigen Punkte für einen Start auf internationaler Ebene erkämpft. Bei der diesjährigen Europameisterschaft in Lettland belegte das Duo den zweiten Platz. Der DVV führt Tillmann und Behrens trotz dieser sportlichen Qualifikation nicht als National-, sondern als Kaderteam.

Die Beachvolleyball-Nationalteams des DVV bestehen aus Karla Borger und Julia Sude, Laura Ludwig und Margareta Kozuch, Sandra Ittlinger und Chantal Laboureur sowie Vicotira Bieneck und Isabel Schneider. Der DVV sicherte den vier Teams ein Startrecht bei insgesamt sieben internationalen Turnieren zu – unabhängig von ihrer Weltranglistenposition. Bei ihnen sah der Verband das größere sportliche Potenzial als bei Behrens und Tillmann.

Internationale Turniere sind für Profisportlerinnen wie Behrens und Tillmann jedoch eine wichtige Einkommensquelle: Die beiden Klägerinnen selbst sprechen von mehr als 25.000 Euro an Start- und Preisgeld, die ihnen durch die Nichtteilnahme an den Turnieren entgangen sind. 

Das Landgericht Frankfurt sah es als erwiesen an, dass den beiden Einnahmen von mindestens 17.000 Dollar entgangen sind. Weiter stellte das Gericht fest, dass der beklagte Verband den beiden Volleyballerinnen Schadensersatz schulde, „weil er sie ohne sachlich gerechtfertigten Grund anders behandelt habe als die übrigen Nationalteams.“ Der Verband habe eine Monopolstellung. Daher sei er verpflichtet, „jeden für Wettkämpfe zu normieren, der die Voraussetzungen für die Leistungsgewährung erfüllt.”

Ob der DVV gegen das Urteil Berufung einlegt, darüber will der Verband entscheiden, sobald die schriftliche Urteilsbegründung vorliegt.

Michael Lehner

Michael Lehner

Vertreter Tillmann/Behrens 
Dr. Paul Lambertz (Düsseldorf)

Vertreter DVV
Bornheim und Partner (Heidelberg): Dr. Michael Lehner

Landgericht Frankfurt, 6. Zivilkammer
Richard Kästner (Vorsitzender Richter)

Hintergrund: Die beiden am Verfahren beteiligten Anwälte sind alte Bekannte: Lambertz absolvierte sein Referendariat bei Bornheim-Partner Lehner.

Der Gesellschafts- und Prozessrechtler Lambertz leitet mittlerweile die deutsche Schadensabteilung des australischen Versicherers QBE Insurance. Über seine eigene Kanzlei betreut der Anwalt nebenberuflich Sportler, Vereine und deren Sponsoren. Lambertz kam ins Mandat, nachdem sich zuvor der Vangard-Arbeitsrechtler Sebastian Juli vorgerichtlich damit befasst hatte. 

Lehner ist eine bekannte Größe im Sportrecht: Er vertrat unter anderem 2013 den als Dopingsünder überführten Radprofi Stefan Schumacher vor dem Landgericht Stuttgart und erwirkte für ihn einen Freispruch. 2015 gewann er mit dem Dreispringer Charles Friedek vor dem Bundesgerichtshof gegen den Deutschen Olympischen Sportbund: Friedek hatte gegen seine Nichtnominierung für die Olympischen Spiele 2008 in Peking geklagt und Recht bekommen. 

In der Regel befasst sich das Deutsche Sportschiedsgericht mit Fällen mit Sportbezug. Dass Profiathleten gegen einen Verband klagen, ist bislang selten. Einer der bekanntesten Fälle ist der von Claudia Pechstein: Die Eisschnellläuferin scheiterte im Juni 2016 vor dem BGH mit einer millionenschweren Schadensersatzklage gegen den Eisschnelllauf-Weltverband ISU. (Annika Janßen; mit Material von dpa)

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