Artikel drucken
20.04.2021

Saison gerettet: Condor setzt sich mit US-Kanzlei Cooley vorerst gegen Lufthansa durch

Die Lufthansa hält nach Medieninformationen nicht mehr an der Kündigung von Zubringerflügen für Fernreisen von Condor fest. Damit reagiert die Airline unter anderem auf das Bundeskartellamt, das zur Kündigung des Vertrags zuletzt deutliche Worte fand. Für das Geschäftsmodell von Condor sind das gute Nachrichten, Lufthansa hingegen steckt tief im Restrukturierungsdilemma.

Alexander Israel

Alexander Israel

Indem Lufthansa die Kündigung des Vertrags vom vergangenen November aussetzt, kommt die Fluggesellschaft einstweiligen Maßnahmen des Bundeskartellamts zuvor. Dieses war von Condor eingeschaltet worden und sah nach einer vorläufigen Prüfung in der Kündigung einen Missbrauch von Marktmacht. Medienberichten zufolge hatte auch die EU-Kommission zuvor die Vertragskündigung kritisiert. Die Lufthansa verstoße gegen Subventionsauflagen, die eine „aggressive, durch staatliche Beihilfe finanzierte Geschäftsexpansion“ verböten, gab Wettbewerbskommissarin Margarete Vestager an.

Die Kündigung sei Teil der laufenden Konzernumstrukturierung bei Lufthansa, heißt es aus informierten Kreisen. In der Konzernzentrale wird davon ausgegangen, dass das Geschäft mit den Geschäftsflügen auch nach der Pandemie lange schwierig bleibt. Mit dem neuen Betrieb „Eurowings Discover“, in dem die touristischen Fernflüge gebündelt werden sollen, konkurriert die Airline mit Condor. Auch wenn Lufthansa die Vertragskündigung aussetzt, hält sie sie für rechtlich möglich. Noch in diesem Jahr muss das Bundeskartellamt im Hauptsacheverfahren darüber entscheiden.

Vor Corona war das Geschäft der Airlines im deutschen Mart klar verteilt. Marktführerin Lufthansa sah im Premiumsegment Berufsflieger ihre Nische, Condor und auch Tui übernahmen die Ferientransporte auch zu entlegenen Destinationen. Um die von Frankfurt startenden Fernflieger voll zu bekommen, profitierte Condor von dem Zubringerabkommen mit der Lufthansa. Sie beförderte Urlaubswillige nach Frankfurt und übernahm dabei gar die Haftung für Verspätungen. Die Kündigung des Zubringervertrags hätte für Condor weitreichende Konsequenzen, nicht zuletzt was die Buchbarkeit ihres Angebots angeht.

Die bereits durch die Thomas Cook-Pleite in Not geratene Airline wird, wie die Lufthansa, aktuell von Corona-Hilfspaketen über Wasser gehalten. Auch gegen die Lufthansa-Hilfen klagt Condor beim Gericht der Europäischen Union in Luxemburg (Az. T-87-21).

Vertreter Condor Flugdienst
Cooley (Brüssel): Alexander Israel (Federführung); Associates: Jan Lang, Georgina Dietrich, Matteo Negro (alle Kartell- und Beihilferecht) – aus dem Markt bekannt

Vertreter Lufthansa Group
Hengeler Mueller (Brüssel): Dr. Jörg Niemeyer (Kartell- und Beihilferecht) – aus dem Markt bekannt

Bundeskartellamt, 9. Beschlussabteilung
Birgit Krüger (Leitung)

Hintergrund: Beim Bundeskartellamt ist nach JUVE-Informationen die Beschlussabteilung 9 mit einem großen Team für den Fall zuständig. Seit 2019 leitet Krüger die Abteilung, zu deren Zuständigkeitsbereichen Touristik und Gastgewerbe, Verkehr und Post damit noch der Bereich Finanzdienstleistungen hinzugekommen ist. Außerdem befasst sie sich mit digitalen Vertriebsplattformen für Anwendungssoftware.

Cooley-Partner Israel berät Condor bereits seit einiger Zeit im Kartellrecht. Bis Anfang 2019 war er Teil des Noerr-Teams, das die Condor-Mutter Thomas Cook bei diversen Transaktionen und Umstrukturierungen begleitete. Im Zuge der Air Berlin-Insolvenz beriet das Team zum Kaufinteresse Condors an Teilen von Air Berlin. Während der Suche nach einem Investor für die durch die Thomas Cook-Insolvenz betroffene Condor, eröffnete Israel das Brüsseler Büro der US-Kanzlei Cooley. Den Kontakt nahm er mit in seine neue Einheit, wo er neben der Beschwerde beim Bundeskartellamt auch das beihilferechtliche Vorgehen in Brüssel koordiniert. Zum Team gehören nach Gerichtsinformationen noch die Associates Jan Lang und Matteo Negro.

Für die Lufthansa ist nach JUVE-Informationen Hengeler-Partner Niemeyer sowohl für die kartellrechtliche als auch die beihilferechtliche Verteidigung gegen Condor im Mandat. Der Brüsseler Beihilfe- und Kartellrechtler gehört zu dem großen Team der Kanzlei, das den Luftfahrtkonzern umfassend seit Ende 2019 zu seiner Umstrukturierung berät. (Martin Ströder; mit Material von dpa)

  • Teilen