Neu in Österreich

Accenture wird mit Baker und Barnert zum IT-Dienstleister für Banken

Die Volksbanken-Gruppe, mehrere Institute aus dem Hypo-Sektor und weitere Privatbanken bekommen voraussichtlich einen neuen IT-Dienstleister. In einem für Österreich erstmaligen Schritt ist geplant, dass sie in Zukunft IT-Services von Accenture beziehen. Dazu verkaufen die Banken ihre Tochter Allgemeines Rechenzentrum (ARZ) an das globale Beratungsunternehmen.

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Michael Barnert

Mit der Transaktion und dem anstehenden Abschluss der Auslagerungsverträge baut Accenture sein Plattform-as-a-Service-Geschäft für Banken aus. Dieses basiert auf Cloud-Diensten und reicht von Kernbankfunktionen über Onlinebanking bis hin zu regulatorischen Dienstleistungen für Bankkunden in ganz Europa.

Das ARZ befand sich bislang mehrheitlich im Besitz der Volksbanken-Gruppe und der Hypobanken-Sparte sowie weiterer Privatbanken. Der Rechenzentrumsbetreiber unterhält Standorte in Wien und Innsbruck und beschäftigt rund 600 Mitarbeiter. Diese werden zu Accenture wechseln, für den Standort Innsbruck ist ein Fortbestand zugesichert.

Mehrere Zukäufe

Das ARZ ist die jüngste Akquisition von Accenture im Bankensektor. Im vergangenen Jahr erwarb das Unternehmen bereits Exton Consulting. Das französische Beratungsunternehmen ist für Kunden aus dem Finanzdienstleistungssektor in ganz Europa in der Entwicklung von Bankstrategien tätig. Zudem investierte Accenture Ventures in Imburse, eine cloudbasierte Payments-as-a-Service-Unternehmensplattform, die den Zugang von Unternehmen auf der ganzen Welt zum globalen Zahlungsverkehrssystem vereinfacht.

Accenture startet mit dem Kauf von ARZ einen dritten österreichischen Standort in Innsbruck. Foto: Joko / picture alliance / imageBROKER

Innsbruck als dritter Standort

Accenture ist darauf spezialisiert, Unternehmen in über 40 Branchen zu Digitalisierung, Cloud- und Sicherheitslösungen zu beraten. Die Gesellschaft ist in New York an der Börse notiert und beschäftigt knapp 700.000 Mitarbeiter in 120 Ländern. Der Umsatz belief sich im Geschäftsjahr 2021 auf rund 50,5 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 47,1 Milliarden Euro). In Österreich kommt neben Wien und Linz mit dem ARZ-Erwerb als dritter Standort Innsbruck hinzu. Insgesamt wird das Unternehmen dann in Österreich rund 2.000 Mitarbeiter beschäftigen.

Gerhard Hermann

Berater Accenture
Inhouse Recht: Marco Lechner (Legal Director DACH; Kronberg im Taunus), Mathias Brandauer (Head of Legal Österreich; Wien) – aus dem Markt bekannt
Barnert Egermann Illigasch (Wien): Dr. Michael Barnert (Corporate/M&A), Alexander Illigasch (Bank- und Bankaufsichtsrecht), Dr. Isabella Hartung (Kartellrecht); Associate: Christina Seitner (Corporate/M&A, IT-Outsourcing; Rechtsanwaltsanwärterin)
Baker McKenzie (Wien): Dr. Gerhard Hermann, Claudia Fochtmann-Tischler (beide Federführung), Dr. Peter Wand (Frankfurt; alle Corporate/M&A), Dr. Philipp Maier (Arbeitsrecht), Dr. Lukas Feiler (IP-/IT-Recht), Dr. Robert Wippel (Bank-/Finanzrecht), Dr. Wolfgang Eigner (Immobilienrecht), Andreas Traugott (Kartellrecht); Associates: Ladislav Bulajcsik, Denise Tayler (Frankfurt), Teresa Stüttler, Mariella Neidhart, Klara Kastner (letztere drei Rechtsanwaltsanwärterinnen; alle Corporate/M&A), Victoria Fink (Arbeitsrecht), Martina Grama, Alexander Hofmann, Michaela Petsche, Silvia Grohmann (Rechtsanwaltsanwärterin), Susanne Milne, Tobias Born, Anna-Lena Bußer (letztere drei Frankfurt; letztere sieben IP-/IT-Recht;), Balint Ozsvar (Bank-/Finanzrecht; Rechtsanwaltsanwärter), Filip Peric (Immobilienrecht), Katerina Schenkova, Nina Lenhard (beide Kartellrecht), Daniel Larcher, Abanoub Abd El Malak (Rechtsanwaltsanwärter; letztere beide Vertragsrecht)
Ernst & Young (Wien): Andreas Sauer, Klaus Pfleger (beide International Tax and Transaction Services), Stefan Reinisch (Business Tax Advisory), Miriam Hofer (Indirect Tax); Associates: Sonja Niederlechner (Indirect Tax), Petra Ullisch (Business Tax Advisory)

Sascha Hödl

Berater ARZ
Schönherr (Wien): Dr. Sascha Hödl (Corporate/M&A), Dr. Hanno Wollmann (Beihilferecht), Volker Weiss (Kartellrecht); Associates: Joseph Moser, Stefan Dietrich (beide Corporate/M&A; beide Rechtsanwaltsanwärter)
Ernst & Young (Wien): Robert Hufnagel, Valentin Berger (beide M&A Advisory), René R. Quin, Renweljeet Saran (beide Valuation, Modeling & Economics), Ingrid Rattinger (Indirect Tax), Markus Stefaner, Christian Massoner (beide International Tax and Transactions); Associates: Alwin Saraswat (M&A Advisory)

Berater Banken
Dorda (Wien): Dr. Axel Anderl (Federführung), Nino Tlapak (beide IT-Recht), Dr. Andreas Zahradnik (Bankaufsichtsrecht); Associates: Alexandra Ciarnau (IT-Recht), Katrin Repic (Rechtsanwaltsanwärterin; Bankaufsichtsrecht)

Berater Hypo-Sektor und private Banken
E+H (Wien): Josef Schmidt (Federführung), Dr. Philipp Schrader; Associate: Alina Holzer (alle Corporate/M&A, Bankrecht; letztere Rechtsanwaltsanwärterin)

Thomas Seeber

Berater Volksbanken-Gruppe
Kunz Wallentin (Wien): Dr. Thomas Seeber; Associate: Martin Fink – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Die Struktur der Transaktion ist ungewöhnlich, weil das seit eineinhalb Jahren laufende Vorhaben einen Asset Deal zum Verkauf des ARZ-Rechenzentrums mit neuen Kundenverträgen für die Banken verbindet, die in Zukunft IT-Dienstleistungen von Accenture beziehen sollen. Der ausstehende Abschluss dieser Auslagerungsvereinbarungen ist zugleich eine Bedingung für das Closing des Verkaufs des Rechenzentrums.

Dieser Struktur ist auch geschuldet, dass für die verschiedenen Beteiligten eine ganze Schar an rechtlichen Beratern tätig ist. Accenture koordinierte den Einstieg in IT-Dienstleistungen für österreichische Banken über ein Inhouse-Team um Lechner und Brandauer. Nach JUVE-Informationen war für das Beratungshaus von Beginn an die Kanzlei Baker McKenzie tätig, die immer wieder für Accenture arbeitet. Mit dem Jahreswechsel kam dann Barnert Egermann Illigasch zusätzlich ins Mandat, zunächst vor allem für den Teil der Kundenverträge. Die Mandatierung weitete sich jedoch wohl aus zu einer stärker koordinierenden Rolle in der gesamten Transaktion.

Banken in Doppelrolle

Den Banken aus der Volksbanken-Gruppe und dem Hpyo-Sektor kam eine doppelte Rolle zu als Eigentümerinnen der ARZ und als Kunden der IT-Dienste. Für den Asset-Deal war Schönherr die federführende Kanzlei, die bei Transaktionen im Finanzsektor zu den marktprägenden Einheiten gehört und an der Neustrukturierung des Volksbanken-Sektors neben Binder Grösswang maßgeblich beteiligt war, zuletzt etwa der Beratung zum Verkauf der VB-Leasing International.

Axel Anderl

Für die neuen Kundenverträge mandatierten die Banken gemeinsam Dordas hoch angesehenen IT-Rechtler Anderl, der über Empfehlungen von mehreren Seiten ins Mandat kam. Bei ihm laufen die Fäden in diesen Verhandlungen zusammen. Weil es sich um eine Auslagerung im Finanzsektor handelt, die zusätzlich grenzüberschreitende Elemente hat, waren die Aufsichtsrechtler um Zahradnik ebenfalls mit der Angelegenheit befasst.

Josef Schmidt

E+H-Partner Schmidt berät in dem Vorhaben verschiedene Institute, zu denen teils Kontakte aus früheren Mandaten bestehen. Darunter sind eine Bank aus der Grawe-Gruppe, die Hypo Vorarlberg, die Hypo Tirol, die Hypo Niederösterreich und die Anadi Bank.

Für das Land Tirol verhandelten Beamte der Landesregierung bezüglich der Arbeitsplatzsicherung am ARZ-Standort Innsbruck. Die steuerlichen Belange bearbeitete auf beiden Seiten je ein Team von Ernst & Young.

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