Interview

bpv Hügel legt Büros zusammen

bpv Hügel schließt ein besonderes Kapitel und schlägt ein gänzlich neues auf: Die Kanzlei führt ihre Teams aus dem Wiener und dem Mödlinger Büro an einem gemeinsamen neuen Standort in Wien zusammen. Nicht mehr in der Donau City, sondern im ersten Bezirk. Die Co-Managing-Partner Dr. Christoph Nauer und Dr. Florian Neumayr erläutern die Hintergründe und Konsequenzen. 

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Das neue Büro wird in der Schreyvogelgasse in Wien Platz finden. Foto: Andreas Buchberger

JUVE: Herr Nauer, Herr Neumayr, wie kam es zu der Entscheidung, die beiden Standorte in Wien zusammenzulegen?

Dr. Florian Neumayr: Ein entscheidender Faktor war sicherlich, dass sich uns die Gelegenheit geboten hat, dieses Vorhaben umzusetzen. Zum einen läuft der bisher bestehende Mietvertrag des Wiener Büros aus und zugleich konnten wir eine entsprechende Immobilie in zentraler Lage finden, die die Kanzlei gänzlich für sich alleine nutzen kann. Ein ganzes bpv Hügel-Haus. Eine solche Gelegenheit hätte sich uns ansonsten vielleicht erst wieder in zehn Jahren geboten, weshalb wir die Gelegenheit am Schopf gepackt haben.

Dr. Christoph Nauer: Die Teams in Wien und Mödling haben immer schon sehr eng zusammengearbeitet. Während der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, dass zudem remotes Arbeiten zusätzliche Möglichkeiten eröffnet, einen gemeinsamen Austausch vor Ort aber letztendlich nicht zur Gänze ersetzen kann. Ohne das gemeinsame Arbeiten vor Ort bleiben Gespräche zu einem gewissen Teil auf der Strecke, sowohl fachliche als auch zwischenmenschliche. Ein solchen Ort haben wir jetzt.

Christoph Nauer

JUVE: Wo wird das zukünftige Büro in Wien sein?

Nauer: In der Schreyvogelgasse. Derzeit wird das Haus noch renoviert und an unsere Bedürfnisse angepasst. Es ist sehr gut an den öffentlichen Personennahverkehr angebunden, was vor dem Hintergrund unserer Bestrebung nach mehr Nachhaltigkeit auch wichtig war. Wir haben uns auch bewusst für einen neuen Standort entschieden, damit für beide Teams ein neues Umfeld geschaffen wird und nicht nur das eine in das bisherige Umfeld des anderen zieht.

Neumayr: Hinzu kommt die Nähe zur Universität und dem Juridicum, was den Standort auch für Nachwuchstalente attraktiver macht. Das war bei unserem Büro im Ares-Tower bisher nicht unbedingt so. Ein Büro im ersten Bezirk ist bei den jungen Juristinnen und Juristen schon sehr gefragt. Und in der Schreyvogelgasse spielt im Übrigen auch Arthur Schnitzlers Traumnovelle.

JUVE: Ab wann wollen Sie den Betrieb im neuen Büro aufnehmen?

Neumayr: Geplant ist der 1. Jänner 2023. Natürlich ist es wegen der Umbaumaßnahmen und der aktuellen Lieferschwierigkeiten bei manchen Materialien nicht sicher, ob es zu diesem Termin wirklich klappt. Wir rechnen damit, spätestens im 2. Quartal unser neues Büro beziehen zu können.

JUVE: Gab es auf dem Weg zu dieser Entscheidung viele Diskussionen?

Nauer: Also, da haben wir uns schon über kleinere Dinge mitunter länger unterhalten. Wir waren uns aber alle recht schnell darüber einig, dass wir diesen Schritt gehen wollen. Diskussionen gab es über andere Themen wie die Immobilie an sich. Hier wurden verschiedene in Betracht gezogen, letztendlich haben wir uns für den Standort in der Schreyvogelgasse entschieden, da wir hier ein gesamtes Haus für uns allein haben.

Florian Neumayr

JUVE: Gab es auch ökonomische Überlegungen, die bei der Entscheidung eine Rolle spielten?

Neumayr: Größere Einsparungen ergeben sich aus dieser Zusammenlegung zunächst einmal nicht. Wir sind schon bisher sehr kosteneffizient unterwegs. Zwar sparen wir die Miete für zwei unterschiedliche Büros, demgegenüber stehen aber andere Kosten, die sich aus der Zusammenlegung ergeben, wie zum Beispiel die für die Übersiedlung selbst und den Ausbau. Natürlich war es dennoch für alle wichtig, dass es durch den Umzug am Ende nicht wesentlich teurer wird.

Nauer: In erster Linie ging es uns darum, dass in Zukunft die beiden Teams aus Mödling und Wien gemeinsam an einem Ort arbeiten können und nicht um Einsparpotenzial.

JUVE: Werden am neuen Wiener Standort weiterhin zwei getrennte Verrechnungskreise bestehen bleiben, wie sie in den beiden Büros bisher vorherrschten?

Nauer: Verrechnungskreise ist ein nicht ganz passendes Wort in diesem Zusammenhang. Eine differenzierte Gewinnverteilung, wie sie bei uns historisch gewachsen ist, wird auch nach der Zusammenlegung der Büros bestehen bleiben. Durch die Kostenintegration wird das aber weiter relativiert.

JUVE: Wer wird die Leitung des neuen Standortes übernehmen?

Nauer: Einen klassischen Standortleiter im Sinne eines Alleinverantwortlichen wird es nicht geben. Die Verantwortlichkeit werden sich die am Standort vertretenen Co-Managing-Partner, also Florian und ich, teilen.

JUVE: Neue Arbeitsplatzkonzepte und mobiles Arbeiten sind derzeit in aller Munde. Wird sich dies auch im neuen Büro bemerkbar machen?

Neumayr: Grundsätzlich kann jeder Mitarbeiter – nicht nur die Anwälte – , ein bis zwei Mal in der Woche im Homeoffice arbeiten, wenn sie oder er das möchte. Das Büro soll jedoch das Zentrum der Arbeit und des Austauschs unter den Kollegen sein. Jeder Anwalt und jeder Konzipient wird auch weiterhin ein eigenes Büro haben, dazu haben wir uns bewusst entschlossen.

JUVE: Warum?

Neumayr: Für das konzentrierte Arbeiten halten wir eigene Büros und vor allem auch einen eigenen Schreibtisch für unerlässlich. Dies gibt den Kollegen die Möglichkeit, sich entsprechend zurückzuziehen. Der Austausch zwischen den Kollegen und damit auch die kreative Ideenentwicklung darf jedoch nicht auf der Strecke bleiben und wird von uns auch gefördert.

JUVE: Wie zum Beispiel?

Nauer: Im neuen Büro wird es beispielsweise eigens für den Austausch geschaffene Kreativzonen geben. So stehen andere Bereiche für den Gedankenaustausch zur Verfügung als zum Beispiel die Teeküche, wo solche Gespräche in der Vergangenheit oftmals stattgefunden haben.

JUVE: Was wird aus dem Badener Büro der Kanzlei?

Neumayr: Unser Büro in Baden wird weiterhin als eigenständiger Standort in Niederösterreich bestehen bleiben.

JUVE: Hätte es sich nicht angeboten, das Team aus diesem Büro ebenfalls mit nach Wien zu holen?

Neumayr: Es war eine bewusste Entscheidung, dass das Büro in Baden als eigenständiger Standort in Niederösterreich bleibt. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen liegt dies an einem Schwerpunkt dieses Büros, der Beratung zu Restrukturierungen und Insolvenzen. Für die Kollegen ist es daher wichtig, im Gerichtssprengel zu sein. Zudem sind wir bekanntlich in Niederösterreich stark verankert und bleiben es besonders mit dem Badener Standort auch.

Das Gespräch führte Claudia Otto.

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