Im Gespräch

„Gute Investments in unsere Zukunft“

Nicholas Aquilina und Alexander Stücklberger schildern im Interview, welche strategischen Maßnahmen bei Brandl Talos auf der Agenda stehen. Vor gut über einem Jahr hatte sich der Gründungspartner Dr. Ernst Brandl aus der Riege der Gesellschafter zurückgezogen.

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JUVE: Was bedeutete der Rückzug von Dr. Ernst Brandl aus der Partnerschaft für die Kanzlei?

Nicholas Aquilina

Nicholas Aquilina: Wenn man ins Banking-Team geht, ist es viel leiser. Denn Ernst Brandls Stimme ist sehr kräftig, und jetzt ist er seltener in der Kanzlei vor Ort. Aber ohne Scherz: Inhaltlich bringt er sich weiter ein in seiner neuen Rolle als of Counsel. Raphael Toman leitet das Banking-Team sehr erfolgreich, hat neue Mandantinnen gewinnen können und erweitert unsere Expertise im Krypto-Bereich.

Alexander Stücklberger: Interne Führungsaufgaben nimmt Ernst Brandl nicht mehr wahr. Kanzleiweite Themen haben wir deshalb auf mehrere Schultern verteilt.

Worin sahen Sie vergangenes Jahr Gefahren, aber vielleicht auch Chancen?

Aquilina: Ich würde nicht von Gefahren sprechen, sondern vielleicht Fragezeichen. Raphael Toman hat den Bereich aber sehr gut etabliert und weiter verstärkt, insofern sind aus den Fragezeichen Rufzeichen geworden.

Stücklberger: Ich weiß genau, wann mich Ernst Brandls Nachricht erreichte – direkt vor der Anwaltsprüfung. Er hat vor über 20 Jahren die Kanzlei gegründet, weil er sich als junger Anwalt von eigenwilligen Senior-Partnern eingeschränkt gefühlt hat. Die Konsequenz, jetzt selbst jungen Talenten Platz zu geben, hat mich sehr beeindruckt.

Was haben Sie inzwischen verändert in der Kanzlei?

Aquilina: Kanzleiweite Entscheidungen fällen die Partner gemeinsam. Wir haben ein ‚Executive Committee‘. Gemeinsam mit Thomas Talos kümmere ich mich um operative Themen wie Accounting, Marketing und Public Relations, Personal und IT-Themen. Wir haben unsere Stabsstellen massiv aufgewertet und gestärkt. Dies war auch notwendig, weil unsere Kanzlei in den letzten Jahren deutlich gewachsen ist und weiter wachsen wird. Dadurch können wir Projekte viel schneller umsetzen. Etwa den neuen Markenauftritt, der jetzt schon gut ein Jahr zurückliegt und unseren Weg von einer gründerfokussierten Boutique hin zur Marke Brandl Talos auch nach außen trägt.

Was steht für die kommenden Monate an?

Aquilina: Wir arbeiten gerade an flexibleren und individuellen Arbeitsmodellen. Da geht es um Chancengleichheit, Diversität, mobiles Arbeiten, Karenzmodelle sowie einen Papamonat für Anwältinnen und Anwälte. Das möchten wir noch im Sommer umsetzen. Unseren bestehenden Fokus auf Ausbildung möchten wir weiter verstärken.

Alexander Stücklberger

Stücklberger: Es geht darum, dass jeder gerne in die Kanzlei kommt und sich als Mensch wertgeschätzt fühlt. Das ist in unserer DNA verankert. Außerdem werden wir die interne Digitalisierung vorantreiben und noch mehr Legal Tech Tools als bisher auch extern anbieten. Wir sind auch dabei, mehrere Bereiche auszubauen – allen voran die Bereiche Litigation und Real Estate.

Damit gehen Sie auch erhebliche Ausgaben ein …

Aquilina: Das sind gute Investments in unsere Zukunft. Wir haben uns für diese Investitionen entschieden, um das Wachstum der Kanzlei zu fördern, und sehen uns als moderne Kanzlei, die mit den besten Talenten neue Wege geht. Wir schaffen Chancen für junge Juristinnen und Juristen und erreichen damit eine gute Profitabilität.

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