Kehrtwende

KWR-Gründer Karasek geht nicht zu Wolf Theiss und kündigt Wachstum an

Dr. Georg Karasek, einer der Gründer von KWR Karasek Wietrzyk, wechselt anders als geplant nicht zu Wolf Theiss. Das hat der 59-jährige Top-Baurechtsanwalt mitgeteilt und damit für eine faustdicke Überraschung gesorgt. Gleichzeitig skizzierte er gegenüber JUVE konkrete Wachstumspläne seiner neuen, alten Kanzlei.

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Georg Karasek
Georg Karasek

Vor nicht einmal einem Monat hatte es noch geheißen, Karasek wolle zusammen mit seinem Partnerkollegen Wolfgang Müller und dem gesamten Immobilienrechtsteam zu Wolf Theiss stoßen. Damit wäre am Markt eine Immobilien- und Baurechtspraxis der Extraklasse entstanden (mehr…). Nun sieht alles ganz anders aus.

Karasek sagte, nach seiner Kündigung habe sich KWR zu einer von ihm lange erhofften strategischen Neuausrichtung entschlossen. Vor allem die Auslandsaktivitäten sollen nun wesentlich gestärkt werden. So hat sich KWR dem internationalen Kanzleinetzwerk Pangea Net angeschlossen. Zudem solle die Kooperation mit der deutschen Großkanzlei Luther erheblich ausgeweitet werden. Neben dem Gesellschafts- und Arbeitsrecht werde die Zusammenarbeit auf das Baurecht ausgedehnt. „Das war für mein Bleiben ausschlaggebend. So kann ich meine Auslandsklienten besser servicieren“, so Karasek.

Auch die Türkei als Auslandsmarkt hat Karasek noch nicht abgeschrieben. Zwar wurde die offizielle Kooperation mit Köksal Avukatlik Ortakligi vor ein paar Monaten beendet (mehr…), auf bilateraler Ebene arbeite er jedoch weiter mit Köksal zusammen.

Neuanfang bei KWR

Insgesamt sieht Karasek seine Kanzlei nun wieder obenauf. Diese wolle nach schwierigen Monaten wieder angreifen. „Wir haben uns auf einer Kanzleiklausur am vergangenen Wochenende auf verschiedene Maßnahmen geeinigt“, sagte Karasek. „Wir werden für alle juristischen Fachgebiete neue Mitarbeiter suchen, um in absehbarer Zeit wieder zu den zehn größten Kanzleien Österreichs zu zählen.“

Außerdem wolle man den Full-Service-Ansatz nicht nur bewahren, sondern ausbauen. Hinzu kommen sollen demnach Arbeits- und Insolvenzrecht. Momentan steht KWR noch auf vier Säulen: Gesellschaftsrecht (inklusive Steuern und Kartellrecht), Baurecht, Prozess- und Strafrecht sowie Öffentliches Recht (inklusive Energie- und Vergaberecht).

Derzeit zählt KWR rund 35 Juristen, darunter sind sechs Partner. Zum Ende des Geschäftsjahres am 30. Juni 2012 kam die Kanzlei auf einen Jahresumsatz von 8,6 Millionen Euro.

Stephan Größ (li.), Wolfgang Müller
Stephan Größ (li.), Wolfgang Müller

Marktbeobachter gehen davon aus, dass Karasek seine bisherige Kanzlei mit der Entscheidung vor dem kompletten Auseinanderbrechen bewahrt hat. Dort herrscht seit Monaten erhebliche Unruhe, die bereits zum Ausscheiden einer Reihe von Anwälten geführt hat. So kehrten kürzlich der Strafrechtler und Gründungspartner Dr. Otto Dietrich (mehr…) KWR ebenso den Rücken wie der Leiter der Immobilientransaktionspraxis, Dr. Stephan Größ (mehr…). Weitere Abgänge stehen nach JUVE-Informationen trotz Karaseks Entscheidung bevor.

Das trübt Karaseks Freude indes nicht. „KWR ist mir immer eine Herzensangelegenheit gewesen. Jetzt herrscht eine Aufbruchstimmung wie zur Gründung der Kanzlei vor acht Jahren.“ Seinerzeit hatten sich Karasek und wesentliche weitere Partner von der damals noch als CMS Strommer Reich-Rohrwig Karasek Hainz firmierenden Wettbewerberin abgespalten.

Müller allein zu Wolf Theiss

Zu den Abgängern hatte auch Wolfgang Müller gehört. Müller wird spätestens zum Oktober alleine oder mit seinem Team von KWR zu Wolf Theiss wechseln.

„Gemeinsam mit der Expertise von Wolfgang Müller und seinem Team werden wir unsere Kompetenz im Bereich Real Estate international noch stärker verankern“, sagte Peter Oberlechner, Leiter des Immobilienbereichs von Wolf Theiss. „Unser starkes internationales Netz und unsere Präsenz in Zentral- und Südosteuropa macht es möglich, Bauunternehmen bei ihren Aktivitäten in diesen Ländern auch entsprechend fundiert zu begleiten.“ (Jörn Poppelbaum)

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