Konkrete Pläne

Ernst & Young will in die Rechtsberatung einsteigen

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  • JUVE

Als erste der Big-4-Wirtschaftsprüfungsgesellschaften hat Ernst & Young konkrete Pläne für den Aufbau eigener juristischer Beratung hierzulande.

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Cornelius Grossmann
Cornelius Grossmann

 „Ja, wir wollen nach Österreich“, sagt Cornelius Grossmann von Ernst & Young Law in Berlin. „Österreich ist ein sehr interessanter Markt, allerdings sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht alle Entscheidungsprozesse abgeschlossen. Einen konkreten Starttermin gibt es noch nicht.“ Der Managing-Partner Law bei EY zeichnet für den Aufbau des Rechtsberatungsbereichs in ganz EMEIA (Europe, Middle East, India & Africa) verantwortlich.  EY Law vergrößert laufend ihr internationales Netzwerk. Zuletzt kam im März 2012 Ungarn hinzu. Zum Startteam in Budapest gehörten zunächst Juristen von EY selbst.

Marktinformationen zufolge gibt es für die künftige EY Law-Kanzlei in Wien bereits Gespräche mit Juristen aus mindestens zwei anderen Wiener Anwaltsgesellschaften. Bereits vor einigen Wochen war in der Zeitschrift ,Format‘ über eine Verbindung zu Dr. Helen Pelzmann, Partnerin bei KWR Karasek Wietrzyk, spekuliert worden. JUVE gegenüber bestätigte KWR-Namenspartner Dr. Georg Karasek, dass die Gesellschaftsrechtler Pelzmann und Salary-Partner Dr. Stephan Hofmann sowie Rechtsanwaltsanwärter Dr. Thomas Anderl, der einen Fokus auf Bau- und Immobilienrecht hat, die Kanzlei verlassen werden. Jedoch seien noch viele technische und administrative Fragen offen. Auch der Zeitpunkt stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

Bernhard Gröhs
Bernhard Gröhs

Aufmerksame Beobachter

Die anderen Big 4 hegen dagegen derzeit keine konkreten Pläne. Jedoch beobachten sie zum Beispiel aufmerksam, dass Anwaltskanzleien den Bereich Steuerrecht zunehmend stärken. „Wir sehen das in einigen Fällen durchaus als Konkurrenz, denken aber nicht, dass wir reagieren müssen“, sagt Bernhard Gröhs, Country Managing Partner Österreich von Deloitte. Anders als es die globale Strategie von Deloitte vorsieht (mehr…), sei in Österreich nicht geplant, den Bereich Legal Services zu pushen, sagte Gröhs. Während Deloitte eine lose Kooperation mit Brauneis Klauser Prändl pflegt, decken KPMG und PwC beziehungsweise deren deutsche Rechtsanwaltsgesellschaften den Bedarf an Rechtsberatung in Österreich bisher mit vielen verschiedenen Kanzleien vor Ort ab.

„Wir arbeiten fallweise, abhängig vom fachlichen Schwerpunkten in einem Projekt, mit mehreren Kanzleien in Österreich zusammen. Durch die weiter voranschreitende Globalisierung der Märkte, gilt auch für uns, immer den Blick über den Tellerrand zu werfen. Dabei richten wir unser Augenmerk selbstverständlich gerade auf unsere Nachbarn in Österreich“, sagte Dr. Manfred Kessler, Managing Partner von KPMG Law in Deutschland, zur Österreich-Strategie. Ähnlich sieht es bei PwC Legal aus, die beispielsweise keine Gespräch mit österreichischen Kanzleien führt oder gar ein Zulassungsverfahren bei der Kammer angemeldet hätte.

Kulturwandel

Noch vor weniger als zehn Jahren glaubten die großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, ihre Anwaltssparten einstampfen zu müssen. Hintergrund waren die Folgen der sogenannten Enron-Affäre. Der Energieriese hatte 2001 seine Bilanz kräftig aufgebläht und tausenden Anlegern und namhaften Großbanken Schäden im Milliarden-Bereich beschert. Mittendrin: der Wirtschaftsprüfungsgigant Arthur Andersen, durch ein Geflecht von Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsaufträgen tief in die Affäre verstrickt. Als eine Konsequenz stand plötzlich das Modell multidisziplinärer Partnerschaften weltweit infrage.

Doch in Deutschland beschlossen KPMG, PwC und Ernst & Young vor rund fünf Jahren, dass Juristen wieder wesentlicher Teil der Beratung werden sollen und gründeten neue Anwaltsgesellschaften. Mit den von allen, auch von Deloitte-Partnerin Raupach & Wollert-Elmendorff, angebotenen Kernleistungen Gesellschaftsrecht, M&A und Arbeitsrecht sind sie vor allem für mittelständische, häufig familiengeführte Unternehmen gut aufgestellten. Die Big-4-Kanzleien sehen dementsprechend die Beratung in der Unternehmens- und Vermögensnachfolge als zentral an.

Von anderen wirtschaftsberatenden Sozietäten unterscheidet sie, dass sie über wesentlich mehr Standorte verfügen. Auch in Österreich verfügen die Big-4-WP-Gesellschaften schon jetzt über eine vergleichsweise hohe Präsenz im gesamten Bundesgebiet.

Erstmals erschienen in der Ausgabe September/Oktober 2012 des JUVE Magazins für Wirtschaftskanzleien in Österreich

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