Künstliche Welten

Microsoft investiert mit bpv Hügel in Grazer KI-Schmiede

Das Grazer Start-Up Blackshark.ai hat in einer Finanzierungsrunde 20 Millionen US-Dollar eingesammelt. Hauptinvestoren bei dem Spezialunternehmen für geografische Informationen sind die Venture Fonds M12 und Point72 Ventures von Microsoft. Die Idee der Gründer: die Ausgestaltung kollektiver virtueller Räume.

Teilen Sie unseren Beitrag
Elke Napokoj

Blackshark ist eine noch junge Abspaltung des 2007 gegründeten Spieleentwicklers Bongfish und beschäftigt bereits mehr als 100 Mitarbeiter. Mit einer auf künstlicher Intelligenz und Cloud-Einsatz basierten Lösung erstellt das Unternehmen eine maschinenlesbare und durchsuchbare 3D-Karte, die die gesamte Infrastruktur der Erdoberfläche abbildet. Microsoft hatte bereits 2020 bei seinem Spiel „Flight Simulator“ auf die KI-Technologie des Start-ups zurückgegriffen. Die Grazer entwickelten einen Großteil der Städtegrafiken für den neuen Flugsimulator. Neben dieser 3D-Virtualisierung der Welt für Microsoft arbeitete das Unternehmen bereits mit dem US-Entwickler Nvidia an selbstfahrenden Autos.

Die beiden Gründer Michael Putz und Brad Young wollen die millionenschwere Kapitalrunde nutzen, um neben dem Entwicklungsstandort Graz das Vertriebsteam in den USA weiter auszubauen. Mitgründer Thomas Richter-Trummer schied allerdings aus dem Unternehmen aus.

Die Idee der Gründer: kollektive virtuelle Räume zu gestalten und Geodaten durch neue Technologien breit verfügbar zu machen. „Unsere Plattform kann Petabytes an Satellitendaten nahezu in Echtzeit verarbeiten und präzise semantische Informationen wie Gebäudegrundrisse und -höhen, Landnutzung, Gewässer oder Infrastrukturanlagen wie Straßen oder Bahngleise extrahieren“, so CEO Putz in einer Aussendung. Das könne man nicht nur in Videospielen, sondern in Bereichen wie der nachrichtendienstlichen, raumbezogenen Aufklärung, der humanitären Hilfe, der Simulation von autonomem Fahren und Fliegen, der Planung effizienter, technologiebasierter Stadtstrukturen, der Überwachung der Abholzung und bei Versicherern einsetzen.

Wendelin Ettmayer

Spezialisierte Tech-Fonds

Die Finanzierungsrunde führen Microsofts zwei Venture-Fonds M12 und Point72 Ventures an. Sie schließen sich einem Konsortium mit dem bestehenden Investor Markus Wagner an, dem Gründer von i5invest. Außerdem werden Brian McClendon, Mitbegründer von Google Earth, Dirk Hoke, ehemals CEO von Airbus Defense & Space, und Qasar Younis, CEO des Silicon-Valley-Unternehmens Applied Intuition, Mitglieder des Beratergremiums des Unternehmens. M12 investiert seit 2016 in das Wachstum von Start-ups, in der Regel zwischen Serie A und D. Der globale Risikokapitalfonds Point72 Ventures ist auf Investitionen in Deep-Tech-Start-ups wie Blackshark spezialisiert und unterstützt Unternehmen von der Gründung bis zum Börsegang.

Berater Microsoft M12/Point72 Ventures
bpv Hügel (Wien): Dr. Elke Napokoj (Federführung), Dr. Michaela Pelinka (beide Corporate/M&A), Dr. Sonja Dürager (IP/IT); Associates: Walter Niedermüller (Arbeitsrecht), Daniel Grimmer (Corporate/M&A, Investitionskontrolle; Rechtsanwaltsanwärter)

Berater Microsoft M12
Orrick Herrington & Sutcliffe (München): Dr. Jörg Ritter (Corporate/M&A, Venture Capital)

Juliane Messner

Berater Blackshark.ai
Buchberger Ettmayer (Wien): Dr. Wendelin Ettmayer; Associates: Pablo Essenther (beide Federführung; beide Corporate/M&A), Dr. Stefan Niederstrasser (Öffentliches Wirtschaftsrecht, Investitionskontrolle)
Geistwert Kletzer Messner Mosing Schnider Schultes (Wien): Juliane Messner (Federführung), Constantin Kletzer, Rainer Schultes, Dr. Max Mosing, Alexander Schnider (alle IP/IT)

Hintergrund: Orrick vertritt Microsoft sowie seine Venture Fonds immer wieder bei Investitionen – sowohl mit den deutschen als auch den US-Büros. Dieses Mandat kam über den Münchener Orrick-Partner Ritter zustande, mit dem bpv Hügel in grenzüberschreitenden Transaktionen regelmäßig zusammenarbeitet. bpv Hügel-Partnerin Napokoj bringt viel Erfahrung mit in der Beratung internationaler Kapitalgeber bei ihren Investionen in österreichische Start-ups, so leitete sie auch in dieser Transaktion ein interdisziplinäres bpv-Team.

Auch Wendelin Ettmayer berät regelmäßig in Finanzierungsrunden, so etwa beim Einstieg von EnBW New Ventures bei Holo-Light. Auf Seiten von Blackshark.ai arbeitete sein Team in enger Abstimmung mit Geistwert zusammen. Während die mit KPMG Law kooperierende Kanzlei Buchberger Ettmayer die Gesellschaft vertrat und unter anderem zur Kapitalerhöhung beriet, stand die Wiener IP-Boutique Geistwert an der Seite der beiden Gründer. Da die IP-Rechte ein Haupt-Asset der Transaktion waren, beteiligten sich alle fünf Geistwert-Partner mit ihren jeweiligen Spezialisierungen, um Gründer- und Investoreninteressen zusammenzubringen. Blackshark setzte bereits bei der Abspaltung von Bongfish auf das Know-how der IP-Experten.

Artikel teilen

Lesen sie mehr zum Thema