Biotech

Sanofi kauft Wiener Impfstoff-Schmiede

Der Pharmakonzern Sanofi hat in Österreich investiert: Mit Origimm gehört nun ein erfolgversprechender Kandidat für den ersten Akne-Impfstoff zum Konzern.

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Roman Perner

Verkäufer sind Gründerin und Geschäftsführerin Sanja Selak sowie die Atlan Privatstiftung, die 2016 als Mehrheitsgesellschafterin in das 2014 gegründete Unternehmen eingestiegen war. Das Biotechnologieunternehmen mit Sitz in Wien ist auf Hautkrankheiten spezialisiert. Ihr wichtigstes Mittel befindet sich noch in der Testphase: Es handelt sich um eine impfstoffbasierte Immuntherapie gegen Akne. Damit ergänzt Origimm die von Sanofi gebildete Forschungsplattform für mRNA-Impfstoffe. 

Impfstoffgeschäft rückt in den Fokus

Sanofi entstand 2004 durch die Fusion von Sanofi-Synthélabo und Aventis. Mit einem Umsatz von gut 36 Milliarden Euro im Jahr 2020 ist Sanofi am Umsatz gemessen einer der größten Pharmakonzerne der Welt. Die Franzosen beschäftigen mehr als 100.000 Mitarbeiter in 100 Ländern weltweit. Nach der Abkehr von der Diabetesforschung gehört das Impfstoffgeschäft bei Sanofi zu den wichtigsten Stützpfeilern. Das Unternehmen will demnach mit Impfstoffen zwischen 2018 und 2025 den Umsatz im Schnitt jährlich im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich ankurbeln und bis Ende des Jahrzehnts die Impfstoffverkäufe mehr als verdoppeln. Schwerpunkt sind dabei Impfstoffe gegen Grippe, Meningitis sowie Polio- und Boosterimpfungen. Der Konzern rechnet damit, bis 2025 zehn Impfstoffe in klinische Studien überführen zu können, sechs davon mRNA-Impfstoffe.

Philipp Kinsky

Berater Sanofi
Schönherr (Wien): Dr. Roman Perner (Co-Federführung; Corporate/M&A), Dr. Michael Woller (IP/IT), Dr. Christoph Haid (Kartellrecht), Stefanie Aichhorn-Wöss (Corporate/M&A), Teresa Waidmann (Arbeitsrecht); Associates: Michael Marschall (Co-Federführung; Corporate/M&A), Alexander Pabst (IP/IT),  Daniel Komarek (Arbeitsrecht), Daniel Neuwirth-Riedl (Corporate/M&A; letztere drei Rechtsanwaltsanwärter), Marco Thorbauer (Steuerrecht)

Berater Verkäufer
Squire Patton Boggs (Frankfurt): Dr. Rüdiger Herrmann, Jochen Eimer (beide Life Sciences) 

Berater Origimm
Herbst Kinsky (Wien): Dr. Philipp Kinsky (Federführung), Associates: Carl Walderdorff, Philipp Herold, Dr. Georg Durstberger (alle Corporate/M&A; letztere beiden Rechtsanwaltsanwärter)

Franz Mittendorfer

Berater Atlan Privatstiftung
SCWP Schindhelm (Linz): Dr. Franz Mittendorfer, Sebastian Hütter (beide Corporate/M&A)

Berater Sanja Selak
Binder Grösswang (Wien): Dr. Thomas Schirmer (Co-Federführung; Corporate/M&A), Dr. Ivo Rungg, Dr. Hellmut Buchroithner (beide IP/IT), Clemens Willvonseder (Steuerrecht), Dr. Johannes Barbist (Öffentliches Recht); Associates: Mona Holzgruber (Co-Federführung; Corporate/M&A), Dr. Regina Kröll (Öffentliches Recht)

Thomas Schirmer

Hintergrund: Schönherr berät den französischen Pharmakonzern Sanofi bereits länger in Lizensierungsfragen. Hier ist vor allem der Gesundheits- und Lebensmittelrechtler Dr. Andreas Natterer gefragt. Aktuell berät die Kanzlei das Unternehmen zudem in einem europaweiten Umgründungsverfahren. In der aktuellen Transaktion waren für Perner und sein Team neben den übernahmerechtlichen vor allem IP-Fragen wichtig. Es ist nicht der erste französisch-österreichische Pharmadeal, den die Kanzlei in diesem Jahr begleitet: Im Sommer stand Schönherr-Partner Dr. Christian Herbst Cerba Healthcare bei der Übernahme des Wiener „Alles gurgelt“-Labors von Lifebrain zur Seite.

Dabei konfrontierte die Verkäuferseite Schönherr mit einer regelrechten Armada von Kanzleien. Die beiden Frankfurter Pharmatransaktionsexperten Herrmann und Eimer waren erst Anfang 2021 von McDermott Will & Emery zu Squire Patton Boggs gewechselt. Sie kümmerten sich für Origimm und ihre Gesellschafter übergeordnet als Transaction Counsel um die Verträge.

Zudem zogen alle Verkäufer noch eigene Berater hinzu. 

Copyright Teaserbild: Adobe Stock: Tino Neitz

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