Offshore-Betrug

Schönherr-Mandantin verklagt SCWP Schindhelm und einen Partner

Die Kanzlei SCWP Schindhelm und ihr Partner G. sind Vorwürfen aus dessen früherer Rolle bei einem mutmaßlich betrügerischen Investmentvehikel ausgesetzt, dem Pinnacle Global Partners Fund I (PGPF). Der Fonds mit Sitz auf den Cayman-Inseln ist seit Januar 2019 in Liquidation, diese beantragten zwei seiner Gläubiger.

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Einer der Kreditgeber, Perlen Holdings, geht derzeit in Österreich gegen die Kanzlei und ihren Partner G. vor. Dessen Einvernahme am Handelsgericht Wien Anfang November drehte sich unter anderem um die Rolle, die er als einer von zwei ‚Directors‘ bei PGPF innehatte. Hinter Perlen steht ein russische Investor. Dieser versucht, einen Betrag von 3,5 Millionen US-Dollar (umgerechnet rund 3 Millionen Euro) geltend zu machen (Gz. 64 Cg 13/20v).

Der Wiener Anwalt gab bei der Einvernahme an, dass er von Frühjahr 2015 bis Oktober 2018 als Non-Executive Director für den Fonds tätig war. Umstritten ist unter anderem, wie die Rolle des auf Immobilien- und M&A-Transaktionen spezialisierten Juristen wirklich aussah und in welchem Maß sie über die eines nicht geschäftsführenden Direktors hinausging. Etwa weil G. Geld auf einem Konto in der Schweiz bewegte, das PGPF zuzurechnen ist. G. gab im Verfahren in Wien an, 2018 seinen Rücktritt erklärt zu haben, unter anderem weil die anwaltliche Zusammenarbeit mit PGPF immer schwieriger wurde.

18,5 Millionen Dollar an Fonds verliehen

Aus einem Statusbericht an den US-Bankruptcy Court in New York vom Juni 2019 ergibt sich, dass auch eine weitere Gesellschaft, Nerthington, Außenstände aus Geschäften mit PGPF hat. Diese ist ebenfalls dem russischen Investor zuzurechnen. Wie PGPF sind Perlen und Nerthington Offshore-Gesellschaften, letztere haben ihren Sitz auf den Britischen Jungferninseln (BVI). Insgesamt liehen Perlen und Nerthington dem Fonds in den Jahren 2016 und 2017 rund 18,5 Millionen US-Dollar (umgerechnet rund 16 Millionen Euro), unter anderem für den Kauf von Immobilien in Kanada und von Wertpapieren in Hongkong. Allerdings bezahlte der Fonds keine Zinsen, auch ein Vergleich über die ausstehenden Summen scheiterte. Daraufhin stellten die beiden Gläubiger in Grand Cayman den Antrag, den Fonds abzuwickeln.

Das zuständige Gericht dort setzte Anfang 2019 Liquidatoren für PGPF ein. Diese versuchen unter anderem über ein Chapter-15-Verfahren in den USA, Geldflüsse zu verfolgen und Vermögenswerte zu sichern. Auch in Hongkong, Brasilien, den britischen Karibikinseln Turks & Caicos sowie in Liechtenstein gehen sie Hinweisen nach. In Vaduz laufen in der Angelegenheit auch strafrechtliche Ermittlungen.

Finanzberater verlor vorübergehend seine Lizenz

Hinter Pinnacle und dem abzuwickelnden Fonds stehen nach den US-Dokumenten indirekt Sam Halim und Jay Chapler. Letzterer war bis 2017 in den USA als ‚Financial Adviser‘ zugelassen, verlor seine Lizenz aber vorübergehend wegen Verstößen gegen Regeln der US-amerikanischen ‚Financial Industry Regulatory Authority‘ (FINRA), als er von 2010 bis 2016 für die New Yorker Firma Silver Leaf tätig war. In diese Vorwürfe wegen falsch abgewickelter Provisionszahlungen war auch Halim verwickelt.

Christoph Lindinger

Verfahren vor dem Handelsgericht Wien (Gz. 64 Cg 13/20v)

Vertreter Perlen
Schönherr (Wien): Dr. Christoph Lindinger, Markus Piuk; Associate: Bojana Vareskic (alle Konfliktlösung)

Vertreter SCWP Schindhelm und G.
Haslinger Nagele (Linz): Dr. Dietmar Lux, Dr. Florian Blumberger (beide Konfliktlösung)

Handelsgericht Wien
Eva Poech-Frauendorfer (Richterin)

Liquidation von Pinnacle Global Partners Fund I (Gz. FSD 231 of 2018, Grand Court of the Cayman Islands)

Liquidatoren
FTI Consulting (Grand Cayman): Andrew Morrison, David Griffin, John Batchelor (Hongkong)

Berater Liquidatoren
Holland & Knight (New York): Warren Gluck, Richard Bixter (Chicago; beide Insolvenzrecht/Konfliktlösung); Associate: Elliot Magruder (Konfliktlösung)

Grand Court, Grand Cayman
Raj Parker (Richter)

Hintergrund: Alle Berater sind aus dem Wiener Verfahren sowie öffentlich zugänglichen US-Dokumenten bekannt, darunter dem Statusbericht an das New Yorker Gericht vom Juni 2019.

Ungewohnt ist, mit welcher Vehemenz die Klägerin gegen SCWP und deren Partner vorgeht, während ursprüngliche, US-amerikanische Verantwortliche des Vehikels bislang wenig juristischen Gegenwind spüren dürften. Ein Grund dafür liegt in den weit höheren Kosten dafür, die Ansprüche in Nordamerika zu verfolgen. Zudem treten die klagenden Gesellschaften für die Kosten der Liquidatoren auf den Cayman-Inseln ein, weil PGPF über keinerlei Vermögenswerte verfügte. Letztlich zielt das Verfahren also auf die Haftpflichtversicherung von SCWP, der Erstbeklagten in dem Prozess. Für einen anstehenden Verhandlungstermin im Jänner ist die Einvernahme eines weiteren Kanzleipartners als Geschäftsführer der GmbH vorgesehen.

SCWP Schindhelm und G. mandatierten in der Auseinandersetzung mit den Kreditgebern des Fonds den renommierten Linzer Bank- und Prozessrechtler Lux von Haslinger Nagele. Die oberösterreichische Kanzlei vertraut also ihrem Hauptwettbewerber vor Ort.

Auf der Gegenseite ist seit Oktober 2018 Schönherr beauftragt. Dort ist ein Team um den früheren Managing-Partner Lindinger zuständig. Die Kanzlei machte sich im November 2019 auf, stärker am oberösterreichischen Markt Fuß zu fassen und gründete damals einen Standort in Linz. Inzwischen leitet diesen der frühere Managing-Partner von Haslinger Nagele, Dr. Michael Magerl.

Zweifel an Geschäftsgebaren bereits 2018

Das Chapter-15-Verfahren nach US-Insolvenzrecht über das Vermögen ausländischer Schuldner läuft vor dem US-Bankruptcy Court, Southern District of New York, in New York City (Gz. 19-11573-lgb). Aus den Dokumenten geht hervor, dass die multidisziplinäre Einheit Maples Group Ende 2018 die Arbeit für den Pinnacle-Fonds einstellte, weil sie Zweifel am Geschäftsgebaren von Pinnacle und deren Verantwortlichen hegte. Maples unterhält weltweit 16 Standorte, darunter in Bermuda, BVI, Dubai, London, Luxemburg und New York.

Der für die Liquidation zuständige Richter am Grand Court, Parker, gehört zugleich Matrix Chambers an, einem Zusammenschluss von rund 90 Prozess- und Schiedsspezialisten mit Standorten in London, Brüssel und Genf. Parker war von 1986 bis 2016 bei Freshfields und stand zur Zeit der Finanzkrise Ende der 2000er Jahre als Partner und Co-Leiter an der Spitze der internationalen Praxisgruppe für Konfliktlösung in der Finanzbranche. Seine Teilzeitposition in Grand Cayman trat er im Frühjahr 2017 an, seine Amtszeit läuft bis Herbst 2030.

Auf den Cayman-Inseln ist in den US-Gerichtsdokumenten vom Sommer 2019 als Berater von Perlen und Nerthington Jayson Wood von der Kanzlei Harneys genannt. Als Berater von Sam Halim sind dort der New Yorker Freshfields-Anwalt Michael Levitt und der Reed-Smith-Partner Peter Teare aus London erwähnt.

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