Familienzwist

Swarovski sucht mit Torggler und Beira Weg aus Gesellschafterstreit

Beim Tiroler Kristallkonzern Swarovski hat der seit vielen Monaten schwelende Streit der verschiedenen Gesellschaftergruppen einen Wechsel auf der Führungsebene ausgelöst: Ende September gaben CEO Robert Buchbauer und Finanzchef Mathias Margreiter ihre Positionen auf. Beide gehören zum Kreis der Eigentümerfamilie.

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Vorgesehen ist nun, bei dem 1895 gegründeten Konzern die Führungsriege erstmals mit Managern zu besetzen, die nicht aus dem Kreis der Familie kommen; die Suche läuft bereits. Für die Übergangszeit leitet der erfahrene Swarovski-Manager Michele Molon das Unternehmen, das Finanzressort übernimmt Frederik Westring.

Reinhard Kautz

Auch in den Verwaltungsrat des Unternehmens sollen zwei bis vier Mitglieder einziehen, die nicht der Swarovski-Familie angehören. Aktuell bleiben Buchbauer und Margreiter als Familienmitglieder weiter in diesem Gremium.

Der bislang familiengeführte Tiroler Kristallkonzern kommt seit über einem Jahr nicht zur Ruhe gekommen: Im März 2020 kündigte Markus Langes-Swarovski nach 18 Jahren seinen Rückzug aus der operativen Geschäftsführung an. An seiner Stelle übernahmen Buchberger und Margreiter das Ruder.

Doch Buchbauers Restrukturierungskurs stieß innerhalb der Familie auf Widerstand. Eine Eigentümergruppe wandte sich unter anderem dagegen, dass das Unternehmen bis Ende 2021 rund 1.800 Arbeitsplätze am Hauptsitz in Wattens streicht. Auch der Schließung von mehr als 30 der insgesamt 102 Shops in Österreich lehnte sie ab; weltweit sollten rund 750 Geschäfte wegfallen. Die Corona-Krise verschärfte die wirtschaftliche Lage weiter, der Umsatz erreichte 2020 noch rund 2,5 Milliarden Euro, grob ein Drittel weniger als im Vorjahr.

Etwas weniger in der Öffentlichkeit stehen die Auseinandersetzungen zwischen einer Gesellschaftergruppe um den früheren Manager Markus Langes-Swarovski und einem Eigentümerkreis mit einem Anteil von knapp 20 Prozent, zu dem unter anderem Nadja und Helmut Swarovski gehören.

Um die zukünftige Gesellschafts- und Gesellschafterstruktur führen die Beteiligten diverse Verfahren vor Schiedsgerichten und staatlichen Instanzen. So setzte etwa das Landesgericht Innsbruck im Februar 2021 Plänen ein vorläufiges Ende, denen 80 Prozent der Gesellschafter zugestimmt hatten. Denn aufgrund geltender Gesellschafterverträge und Familiensatzungen bei Swarovski sei für derart weitreichende Eingriffe Einstimmigkeit beziehungsweise eine Zustimmung von mindestens 95 Prozent nötig.

Berater Swarovski-Gesellschaften
Torggler (Wien): Dr. Reinhard Kautz (Corporate) – aus dem Markt bekannt

Michael Barnert

Berater Eigentümerkreis um Nadja Swarovski
Barnert Egermann Illigasch (Wien): Dr. Michael Barnert (Corporate) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Den Gesellschafterkreis um Nadja und Helmut Swarovski berät und vertritt in den Auseinandersetzungen der Namenspartner Barnert von der Wiener Kanzlei Barnert Egermann Illigasch. Auf der Gegenseite ist die Kanzlei Torggler tätig, die für das familiengeführte Unternehmen seit langem in gesellschaftsrechtlichen Angelegenheiten tätig ist. An den Verfahren arbeitet Partner Kautz.

Für einzelne Beteiligte – Mitglieder der Familie sowie Teilgesellschaften – sind etliche weitere Berater mandatiert, etwa für die D. Swarovski KG; bei ihr ist das Stammwerk in Wattens verankert. Hinzu kommen Schweizer Anwälte, die für dortige Belange zuständig sind.

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