Für Prüfung eines Arbeitsvertrags

Manager wehrt sich gegen 55.000-Euro-Honorar

Autor/en
  • JUVE

Eine Güteverhandlung in einem Streit um ein Anwaltshonorar ist vor dem Münchner Landgericht gescheitert. Dabei ging es um ein Honorar von mehr als 55.000 Euro für die Prüfung eines Arbeitsvertrags. Der ungewöhnliche Fall wird aller Voraussicht nach auch die örtliche Anwaltskammer beschäftigen.

Teilen Sie unseren Beitrag

Geklagt hatte ein Manager eines Ingenieurdienstleisters. Ihm hatte der Münchner Arbeitsrechtler B. mehr als 55.000 Euro Honorar für die Prüfung eines Arbeitsvertrags in Rechnung gestellt. Der Manager, ein Italiener, war zum Geschäftsführer des Unternehmens berufen worden. Für die Prüfung des Vertrags war ein Stundensatz von 290 Euro vereinbart.

Dies hatte B. in den vorderen Teil der Vergütungsvereinbarung geschrieben. Er formulierte jedoch weiter hinten noch einen zusätzlichen Teil, nach dem der Manager mindestens die doppelte Gebühr bezahlen sollte. Errechnet wurde dies einem Bericht der ‚Süddeutschen Zeitung‘ zufolge auf der Basis von drei Jahreseinkommen – rund 1,5 Millionen Euro plus den Wert eines Maserati als Dienstwagen. Von der Gesamtrechnung habe B. dann schon rund 5.200 Euro Rabatt abgezogen. Der Manager wirft dem Anwalt vor, umgerechnet mehr als 5.500 Euro pro Stunde zu verlangen.

In der Rechnung forderte B. dann noch einmal mehr, es sollte noch eine Einigungsgebühr hinzukommen. Voraussetzung für eine solch deutlich erhöhte Forderung wäre ein besonders komplexer Vertrag und eine daraus notwendige außergewöhnlich arbeitsaufwendige Prüfung. Nach Ansicht des Managers ist dies im vorliegenden Fall nicht gegeben. Daher weigert er sich, das Honorar in voller Höhe zu begleichen. Bislang zahlte er 6.000 Euro.

Die Vorsitzende Richterin schlug als Kompromisslösung die Zahlung von 15.000 Euro an B. vor, was dieser jedoch ablehnte. Abseits des Kompromissvorschlags will die Richterin den Fall der Anwaltskammer vorlegen. Diese soll neben der Höhe des geforderten Honorars auch den Aufbau der Vergütungsvereinbarung näher beleuchten.

Der Fortgang des Prozesses ist derzeit noch unklar. Bis zum 17. November hat B. Zeit für eine schriftliche Stellungnahme. Auf JUVE-Nachfrage wollte er sich nicht äußern. Grund dafür sei die Verschwiegenheitspflicht aus dem Mandatsverhältnis mit dem Manager.

Vertreter Manager
Norman Synek (München)

Landgericht München, 17. Zivilkammer
Susanne Neupert (Vorsitzende Richterin)

Hintergrund: B., der in eigener Kanzlei arbeitet, vertritt seine Interessen in der Angelegenheit selbst. Der Manager kannte B. bereits aus einem früheren Mandat, so die ‚Süddeutsche Zeitung‘. Auch sein Vorgänger habe sich bei Vertragsbeendigung von ihm beraten lassen.

Der Münchner Anwalt Synek ist spezialisiert auf Fragen rund um das Haftungsrecht von Freiberuflern. Dabei liegt sein klarer Fokus auf der Beratung von Mandanten, die sich von Anwälten, Notaren und Ärzten geschädigt fühlen. Ein weitere Schwerpunkt seiner Arbeit ist das Presse- und Medienrecht. Einige Aufmerksamkeit erhielt er in der jüngeren Vergangenheit durch die Vertretung des Schauspielers Elmar Wepper, der sich seit Längerem mit dem Comedian Atze Schröder streitet.

Interessantes Detail am Rande: Sollte sich B. auch in einem möglichen Prozess selber vertreten und gewinnen, könnte er sich dort die eigene Beratung in Rechnung stellen und möglicherweise erstattet bekommen. (René Bender)

Artikel teilen