Käsekonzern

Kartellamt knöpft sich Clifford-Mandantin Savencia vor

Der französische Molkereikonzern Savencia verkauft infolge eines kartellrechtlichen Entflechtungsverfahrens seine 24-Prozent-Beteiligung an der deutschen Bio-Molkerei Andechser. Hintergrund: Savencia hat zwischen 2011 und 2013 die Andechser-Konkurrentin Söbbeke komplett übernommen. Das Kartellamt wirft Savencia vor, bei der damaligen Fusionskontrolle falsche Angaben zu den Marktverhältnissen gemacht zu haben – und drohte den Unternehmen mit Rückabwicklung der Fusion. Um dies abzuwenden, verkaufte Savencia nun seine Anteile an der Söbbeke-Konkurrentin Andechser.

Teilen Sie unseren Beitrag
Rinne_Alexander
Rinne_Alexander

Zu Savencia, die bis April unter dem Namen Bongrain firmierte, gehören konventionell hergestellte Käsemarken wie Bresso, Fol Epi, Géramont und Saint Albray. Um auch im wachsenden Markt für Bioprodukte Fuß zu fassen, beteiligte sich Bongrain 1999 mit knapp 25 Prozent an der Andechser Molkerei Scheitz, einem Familienunternehmen. Diese dominiert mit ihrer Konkurrentin Söbbeke aus dem Münsterland den deutschen Markt für Bio-Joghurt, Bio-Fruchtquark und Bio-Drinks. Beide Molkereien erzielen laut Kartellamt gemeinsame Marktanteile von deutlich mehr als 50 Prozent.

Joachim Schütze
Joachim Schütze

Als nun der Bongrain-Konzern zusätzlich zu seiner Andechser-Beteiligung 2013 Söbbeke komplett übernahm, gehörte damit indirekt Andechsers Hauptkonkurrentin Söbbeke plötzlich zu den Gesellschaftern des eigenen Unternehmens.

Das Bundeskartellamt hatte den Deal zwar genehmigt, war dabei nach eigenen Angaben aber von falschen Voraussetzungen ausgegangen. So hätten die Beteiligten falsche Umsätze für die relevanten Produkte mitgeteilt. Auf dieser Basis habe das Kartellamt die Marktverhältnisse falsch eingeschätzt und auf ein Hauptprüfverfahren verzichtet. Bongrain habe zudem unvollständige Angaben zu ihren Einflussmöglichkeiten auf die Andechser-Molkerei gemacht.

Savencia kam der amtlichen Anordnung, den Zusammenschluss mit Söbbeke aufzulösen, zuvor, indem sie ihre Andechser-Anteile verkaufte. Somit befindet sich Andechser nun wieder zu 100 Prozent in Besitz der Familie Scheitz.

Berater/Vertreter Andechser und Familie Scheitz
Milbank Tweed Hadley & McCloy (München): Dr. Alexander Rinne; Associate: Dr. Tatjana Mühlbach (beide Kartellrecht)
Gütt Olk Feldhaus (München): Dr. Sebastian Olk (Federführung); Associate: Dr. Daniel Holzmann (beide Corporate/M&A)

Berater/Vertreter Bongrain/Savencia 
Inhouse Recht (Paris): Thierry Favier (General Cousel), Claude Guillon-Yème
SKW Schwarz (München): Dr. Michael Brauch (Federführung), Eva Bonacker (beide Corporate/M&A)
Clifford Chance (Düsseldorf): Dr. Joachim Schütze (Kartellrecht) – aus dem Markt bekannt

Bundeskartellamt, 2. Beschlussabteilung
Birgit Krueger (Vorsitzende)

Hintergrund: Gütt Olk Feldhaus, die Andechser beim Rückkauf der Savencia-Beteiligung begleitete, berät die Molkerei und deren Haupteigner bereits seit mehreren Jahren. Die Familie Scheitz hegte dem Vernehmen nach schon länger den Wunsch, die seit 1999 von Bongrain/Savencia gehaltene Beteiligung zurückzukaufen. Deren vom Amt im Nachhinein als problematisch eingestufter Einstieg bei der Konkurrentin Söbbeke bot nun den Anlass für den Rückkauf.

Milbank-Partner Rinne, den Andechser zuvor für die Vertretung gegenüber dem Kartellamt hinzugezogen hatte, ist ein alter Bekannter des Scheitz-Beraters Sebastian Olk: Bevor dieser 2011 seine eigene Kanzlei gründete, arbeiteten beide im Münchner Milbank-Büro zusammen. Wichtiger als diese Verbindung dürfte für Rinnes erstmalige Mandatierung durch Andechser aber sein, dass er über exzellente Branchenkenntnisse in der Milchwirtschaft verfügt. Zu seinen Mandantinnen gehören unter anderem Großmolkereien wie Theo Müller, FrieslandCampina und DMK Deutsches Milchkontor.

Der Savencia-Konzern setzte sowohl im Entflechtungsverfahren als auch beim Verkauf der Anteile an Andechser auf Berater, die das Unternehmen bereits aus früheren Mandaten kennen. Clifford hatte Bongrain/Savencia beim Kauf von Söbbeke umfassend beraten und übernahm nun die Vertretung gegenüber dem Kartellamt. SKW-Anwalt Brauch berät Bongrain/Savencia schon seit mehr als zehn Jahren im Hinblick auf die nun verkaufte Beteiligung an Andechser.

Artikel teilen