Münchener Allianz Arena

Closed Shop der Strafverteidiger

Als das Unheil in Gestalt von Polizei, Staatsanwaltschaft und Durchsuchungsbeschluss nahte, saß der FC Bayern München auf gepackten Koffern. Das Ziel von Gepäck, Funktionären und Spielern: Die spanische Hauptstadt, Achtelfinale der UEFA Champions League gegen Real Madrid. Das Ziel der Ermittler: Beschlagnahme von Beweismaterial wegen des Verdachts der Untreue, Bestechung und Steuervergehen beim Bau der Münchner Allianz Arena. Die Bayern AG reagierte so flott, wie es sich für einen Rekordmeister geziemt: Obwohl den Funktionären nichts vorgeworfen wurde, saß im Bayern-Jet gen Spanien der Münchner Strafverteidiger Werner Leitner (Eckstein & Leitner), um die Situation spontan mit der Vereinsführung besprechen zu können.

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Im Mittelpunkt des Spektakels stehen jedoch andere, nämlich Vater und Sohn: Karl-Heinz Wildmoser (jun.), mittlerweile geschasster Geschäftsführer der Bauherrin Allianz Arena München Stadion GmbH – ein Jointventure von 1860 und der FC Bayern AG –, und sein Vater Karl-Heinz Wildmoser (sen.), inzwischen Ex-Präsident von 1860 München. Während der Junior noch in Stadelheim in U-Haft einsitzt, ist der Senior wieder aus der Haft entlassen. Der Haftbefehl ist jedoch nicht aufgehoben.

Den Wildmosers wird vorgeworfen, dafür gesorgt zu haben, dass die als Generalunternehmerin des Stadionbaus tätige Alpine, deutsche Tochter eines österreichischen Unternehmens, bei der Auftragsvergabe bevorzugt wurde – gegen Schmiergeldzahlung. Der österreichische Alpine-Chef Dietmar Aluta-Oltyan gesteht zwar ein, 1,4 Millionen Euro als „Arrangement Fee“ gezahlt zu haben.

Allerdings, so Aluta-Oltyan, nicht an Wildmosers, sondern an den Inhaber einer Münchner Consulting-Firma, Stefan Dung. Dung, ein Schulfreund von Wildmoser jun., ist ebenfalls in Haft. Denn nach Ansicht der Ermittler flossen nicht nur 1,4 Millionen Euro, sondern die doppelte Summe für die Weitergabe von Informationen, die letztlich Alpine Deutschland den Bauauftrag verschafften. Das Geld sei vom Konto des Strohmanns Dung an die Dresdener Wildmoser-Firma WHI weitergeleitet worden.

Herbe Vorwürfe. Und die richtige Zeit für Strafrechtler, den Weg auf den Fußballplatz zu finden. Anders allerdings als die Münchner Bayern auf dem internationalen Rasen, formiert sich daheim eine sehr regional, zum Teil familiär geprägte juristische Abwehrmannschaft. Denn für Vater und Sohn Wildmoser erhoben sich von der Ersatzbank Vater und Sohn Ufer (Bossi Ufer Prof. Ziegert, München).

Für Alpine-Geschäftsführer Dietmar Aluta-Oltyan traten in Österreich zwar der Linzer Strafverteidiger Horst Koch und der renommierte deutsche Baurechtsspezialist Prof. Wolfgang Heiermann aus Frankfurt an. Im bayrischen Strafraum dagegen setzt Alpine auf Heimvorteil: Für Aluta-Oltyan und einen weiteren Verantwortlichen traten die Münchner Dr. Eckhart Müller und Martin Amelung an. Schließlich lief für Dung Dr. Stephan Beukelmann aus der Münchner Kanzlei Lohberger & Leipold auf.

Damit ist die Münchner Verteidigerriege einmal mehr gemeinsam in Lohn und Brot. Es ist, als liefe um München eine unsichtbare Mauer, beklagen nicht-bayerische Strafrechtler immer wieder. Die Stadt sei – wie auch in anderen Rechtsgebieten – ein „closed shop“ in seiner ausgeprägtesten Form. „Die Münchner schmoren im eigenen Saft“, bestätigt ein Münchner Anwalt – ohne allzu großes Bedauern.

Nichtsdestotrotz: Mit einer gewissen Skepsis wird insbesondere das Engagement der Bossi-Kanzlei betrachtet. Ufer sen. vertritt Wildmoser sen., Ufer jun. ist Mitvertreter von Wildmoser jun. Beobachter des Verfahrens finden diese durchaus problematisch. Immerhin werde der Senior unter Umständen zu Lasten des Juniors entlastet und in der Kanzlei müssten, falls die Situation kippt, ebenfalls Mitglieder derselben Familie gegeneinander antreten.

Das sehen die Wildmoser-Verteidiger anders: Sehr schnell sei klar gewesen, dass Vater Wildmoser nichts gewusst habe und sein Sohn die Sache eingestielt hatte. Die Beweiskette für die Zahlungsflüsse soll ziemlich lückenlos sein, der Dresdner Helfer ist geständig, keine Gefahr also für den Ufer-Haussegen.

Abgesehen von strafrechtlichen Finessen hat die Stadionaffäre natürlich noch andere (rechtliche) Konsequenzen. So ist zu hören, dass die deutsche Alpine die Sorge umtreibt, in Vergabeverfahren nicht mehr berücksichtigt zu werden. Zwar scheint sich die Staatsanwaltschaft derzeit auf die österreichische Mutter zu konzentrieren, aber Alpine Deutschland hat sich trotzdem bau- und vergaberechtlich fit gemacht. Wenig überraschend: mit den Münchnern Horsch Oberhauser.

Zivilrechtlich werden die Gesellschafter der Stadion-GmbH, 1860 und Bayern München, ebenfalls direkt aus der bayrischen Hauptstadt beraten: Für 1860 tritt Guido Kambli (Prof. Mayer, Kambli & Partner) auf. Wen die Bayern mandatiert haben, ist unklar: Soweit in München zu hören, unterhält Freshfields Bruckhaus Deringer blendende Beziehungen zur Bayern-Führung. Ob sie auch in diesem Fall dabei ist, wurde nicht bestätigt.

Während die Geschäftsführung der Stadion GmbH selbst den anwaltlichen Angriff noch formiert, stürmen die Bayern jedenfalls schon nach vorn: Man wolle gegen Wildmoser jun. und Alpine klagen. Wo? Natürlich in München.

Vertreter Karl-Heinz Wildmoser jun.

@ Bossi Ufer Prof. Dr. Ziegert (München): Prof. Dr. Ulrich Ziegert, Dr. Florian Ufer

Vertreter Karl-Heinz Wildmoser sen.

@ Bossi Ufer Prof. Dr. Ziegert (München): Steffen Ufer

Vertreter Stefan Dung

@ Lohberger & Leipold (München): Dr. Stephan Beukelmann

Vertreter Dietmar Aluta-Oltyan, weiterer Beschuldigter, Alpine Mayreder-Konzern (in Deutschland, Österreich)

@Dr. Müller, Heyng, Gussmann (München): Dr. Eckhart Müller

Amelung & Partner (München): Martin Amelung

@Horst Koch (Linz)

Heiermann Franke Knipp (Frankfurt): Prof. Wolfgang Heiermann

Berater Geschäftsführer Alpine Deutschland (Tochter der Alpine Austria)

@Horsch Oberhauser Rechtsanwälte (München): Rainer Horsch

Berater FC Bayern München

@ Eckstein & Leitner (München): Werner Leitner

Berater 1860 München

Prof. Mayer, Kambli & Partner (München): Guido Kambli

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