Oetker

Schiedsgericht kommt Lösung in Dauerfehde näher

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  • JUVE

Ein Ende des Dauer-Schiedsverfahrens zwischen den zerstrittenen Familienstämmen des Oetker-Konzerns ist seit der vergangenen Woche näher gerückt. Die Position der jüngeren Kinder des verstorbenen Patriarchen Rudolf-August Oetker wird durch eine Veränderung im Beirat des Konzerns gestärkt.

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Mailänder_Peter
Mailänder_Peter

Aus ihren Reihen rückt Dr. Alfred Oetker zum Stellvertretenden Vorsitzenden auf. JUVE-Recherchen zufolge bleiben aber weiterhin Punkte offen, unter anderem, wie die siebenstelligen Kosten des Schiedsverfahrens aufgeteilt werden. Jahrelang hatte ein hochkarätig besetztes Schiedsgericht versucht, im Machtkampf zwischen den Oetker-Familienstämmen eine Lösung zu finden. Hintergrund ist ein Konflikt unter den acht Kindern des 2007 verstorbenen Rudolf-August Oetker. Die drei Kinder aus dritter Ehe stehen dabei fünf Kindern aus den beiden ersten Ehen gegenüber.

Krieger_Gerd
Krieger_Gerd

Für Verstimmungen hatten Personalien nach dem Tod des Patriarchen gesorgt: August Oetker (70), ältester Sohn aus zweiter Ehe, wollte die Geschicke des Unternehmens länger als geplant führen. Die drei jüngeren Kinder legten dagegen ein Veto ein. Aus ihren Reihen sollte Alfred (47) der nächste Chef des Unternehmens werden. Dagegen nominierten die Kinder aus zweiter Ehe aus ihren Reihen Richard (64) und setzten ihn als Konzernchef durch. Der Zwist eskalierte, ein Schiedsgericht versuchte seither die Wogen zu glätten. An der jetzigen Lösung im Beirat hatte das Schiedsgericht lange gearbeitet.

Beirat als Schlüsselgremium

Dem Beirat kommt im Oetker-Konzern eine besondere Stellung zu. Das Kontrollorgan entscheidet über die Besetzung von Führungsposten, hält sich aus dem operativen Geschäft aber größtenteils heraus. Besetzt ist das Gremium mit drei Mitgliedern der Familienstämme sowie vier externen Kontrolleuren. Unter diesen wurde im vergangenen Sommer ein Posten neu besetzt. An die Stelle von Ulrich Lehner, der als der einflussreichste unter den vier Externen galt und planmäßig ausschied, rückte Hans-Otto Schrader, Vorstandschef des Handelskonzerns Otto. Neben ihm gehören Lufthansa-Chef Carsten Spohr sowie die Manager Christoph Grolman und Andreas Jacobs dem Beirat an. Dem externen Quartett dürfte auch eine maßgebliche Rolle beim Aufstieg Alfred Oetkers zum Stellvertretenden Vorsitzenden zugekommen sein, so JUVE-Recherchen. Vorsitzender des Beirats ist August Oetker.

Wer 2017 Nachfolger Richard Oetkers in der operativen Konzernleitung wird, wenn dieser in Ruhestand geht, ist aber weiter offen. Im Raum steht seit längerer Zeit, dass erstmals in der Firmengeschichte ein familienfremder Manager den Konzern lenkt. Mit den derzeitigen Strukturen indes ist dies nicht ohne Weiteres möglich.

Vertreter Kinder aus ersten beiden Oetker-Ehen
Hengeler Mueller (Düsseldorf): Prof. Dr. Gerd Krieger, Dr. Dirk Busch – aus dem Markt bekannt

Vertreter Kinder aus dritter Oetker-Ehe
Haver & Mailänder (Stuttgart): Prof. Dr. Peter Mailänder, Dr. Timo Alte

Schiedsgericht
Karlmann Geiß (Vorsitz), Klaus Hopt, Peter Hommelhoff

Hintergrund: Karlmann Geiß ist Ex-Präsident des Bundesgerichtshofs. Er führte diesen zwischen 1996 und 2000. Unterstützt wird er von zwei renommierten langjährigen Juraprofessoren. Bis zu seiner Emeritierung 2008 war Hopt viele Jahre lang Direktor am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht in Hamburg. Hommelhoff war bis zum Ende seiner Laufbahn 2007 Rektor der Universität in Heidelberg.

Hengeler-Partner Krieger gilt als einer der angesehensten deutschen Gesellschaftsrechtler und ist auch auf Auseinandersetzungen in Gesellschafterkreisen spezialisiert. Auch Mailänder gilt als Experte für schwierige Fälle. Beide Kanzleien wollten auf Nachfrage keinen Kommentar abgeben. (René Bender)

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