Urteil mit Sprengkraft

Befristeten Verträgen für Profisportler droht das Aus

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  • JUVE

Der Fußball-Bundesligist 1. FSV Mainz 05 hat den Arbeitsvertrag seines früheren Torwarts Heinz Müller zu Unrecht befristet. Dies hat das Arbeitsgericht Mainz entschieden. Das Urteil könnte Signalwirkung für befristete Arbeitsverträge im Profisport haben.

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Müller wehrt sich gegen sein Vertragsende 2014. Der Torhüter hatte sich dem Verein 2009 für eine Vertragslaufzeit von drei Jahren angeschlossen. 2012 verlängerten beide Seiten um weitere zwei Jahre. Ab der Winterpause 2013/14 sortierte der damalige Trainer Thomas Tuchel den Stammkeeper aber aus. Müller klagte vor dem Arbeitsgericht Mainz und argumentierte, dass sein Arbeitsvertrag entgegen der Befristung weiter fortbestehen würde. Außerdem klagte er auf Prämiennachzahlung. Mainz 05 dagegen stellte sich auf den Standpunkt, dass der Verein angesichts der ungewissen Leistungsfähigkeit eines damals 34-jährigen Spielers keinen unbefristeten Vertrag geschlossen habe. Schließlich seien befristete Verträge in nahezu allen Profisportarten Standard.

Das Arbeitsgericht Mainz sieht eine grundsätzlich befristete Anstellung von Fußballprofis dagegen als nicht rechtens an. Eine Befristung sei nur nach Maßgabe des Paragraf 14 des Teilzeit- und Befristungsgesetzes (TzBfG) möglich, so das Gericht in einer Erklärung. „Die Eigenart der Arbeitsleistung als Profifußballspieler rechtfertigt danach als solche nicht eine Befristung des Vertrags“, heißt es in der Mitteilung. Das Urteil selbst ist bisher weder veröffentlicht noch beiden Parteien zugegangen.

Sichtweise des Gerichts bewegt Sportbranche
Das Gesetz sieht eine Befristung nur in bestimmten Fällen vor. Falls kein Sachgrund vorliegt, ist eine Vertragslaufzeit von zwei Jahren möglich, mit maximal drei Verlängerungen. Folglich kommt nach dem Gesetzeswortlaut, an dem sich die Kammer orientiert, eine Befristung ohne Sachgrund nicht mehr in Betracht. Auch die ungewisse Leistungsfähigkeit sei kein Sachgrund. Damit könnte Müller weiterhin für den Verein auflaufen. Den Antrag auf Prämiennachzahlung wies das Gericht laut Medienberichten dagegen zurück.

Weil eine Urteilsbegründung nicht vorliegt, zeigen sich beide Parteien noch zurückhaltend mit einer rechtlichen Einordnung. Gleichwohl könnte das Urteil einige Sprengkraft für geltende Profiverträge haben, die Personalplanungen in deutschen Proficlubs könnten künftig weit schwerer werden. Mainz 05 will die schriftlichen Urteilsgründe abwarten und dann Berufung beim Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz einlegen.

Vertreter Heinz Müller
Horst Kletke (Frankfurt)

Vertreter 1. FSV Mainz 05
Strutz & Erben (Mainz): Harald Strutz

Arbeitsgericht Mainz, 3, Kammer
Ruth Lippa (Vorsitzende Richterin)

Hintergrund: Der Frankfurter Arbeitsrechtler Horst Kletke hat sich in den vergangenen Jahren eine gute Reputation bei Vereinen, Profisportlern und Trainern erarbeitet. So betreute er den 1. FC Kaiserslautern bei dessen Kündigungsstreit mit dem Ex-Trainer Franco Foda sowie den ehemaligen Schalke-Profi Albert Streit im Clinch mit seinem Ex-Club. Viel beachtet wurde zuletzt seine Arbeit für den Trainer Mirko Slomka im Streit mit dessen früheren Arbeitgeber Hamburger Sport Verein. In dem richtungweisenden Schlichtungsverfahren ging es um Freistellungsklauseln in Trainerverträgen, die nahezu jeder Profiverein verwendet.

Auf der Gegenseite agierte Harald Strutz gleich in drei Funktionen: Als Anwalt, langjähriger Präsident von Mainz 05 und Ligavorstand des Deutschen Fußball Bundes (DFB). Denn auf den Ausgang des Mainzer Verfahrens schaut die Branche und die Deutsche Fußball Liga (DFL) mit einem gewissen Eigeninteresse. Entsprechend Gewicht wird sein Wort in dem Verfahren haben, das möglicherweise bis zum Bundesarbeitsgericht gehen wird. Dass Strutz seit Jahrzehnten in eigener Sozietät in Mainz tätig ist, wird angesichts seiner prominenten Ämter schnell übersehen.

Zwischenzeitlich hat Strutz in Presseberichten angekündigt, die Interessen des Vereins in der nächsten Instanz nicht mehr zu vertreten. Der Club-Präsident will sich nun eng mit der DLF und deren Rechtsexperten abstimmen. Der Ligaverband hat seine Inhouse-Abteilung in Frankfurt angesiedelt. Bei Verfahren setzt die DFL jedoch häufig auf den Nachmann-Partner Dr. Thomas Summerer, der bis 2010 Chefjustiziar des Verbands war.

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