Wegen Missmanagement

AWO Wiesbaden geht mit Eckert und Brinkmann in die Insolvenz

Der krisengeschüttelte Kreisverband Wiesbaden der Arbeiterwohlfahrt geht in die Insolvenz. Das zuständige Amtsgericht bestellte Dr. Jan Markus Plathner von Brinkmann & Partner zum vorläufigen Sachwalter. Die Entscheidung, den Eigenantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit zu stellen, fiel aufgrund des jahrelangen Missmanagements in den Kreisverbänden, deren ehemalige Führung mittlerweile im Zentrum staatsanwaltlicher Ermittlungen steht.

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Rainer Eckert
Rainer Eckert

Seit Juli ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue. Anfang Dezember durchsuchte sie die Privatwohnungen fünf Beschuldigter, darunter auch die ehemaligen Geschäftsführer der Kreisverbände Frankfurt und Wiesbaden, Hannelore und Jürgen Richter. Beide haben sich bis vor wenigen Wochen von den Wiesbadener Strafrechtlern Prof. Dr. Alfred Dierlamm und Katharina Dierlamm von der Wiesbadener Kanzlei Dierlamm vertreten lassen, die mittlerweile das Mandat beendet haben.

Insbesondere seine Mandantin steht im Verdacht, sich seit mindestens Januar 2015 umfangreich bereichert zu haben. Im Raum stehen überhöhte Gehälter, Hannelore und Jürgen Richter verdienten rund 300.000 Euro jährlich, luxuriöse Dienstwagen sowie zu Unrecht bezogene Leistungen für den Betrieb von Flüchtlingsheimen.

Kein Selbstläufer

Angesichts der Vorgeschichte war es kein Selbstläufer, das Amtsgericht für eine Eigen- statt einer Fremdverwaltung zu gewinnen. Die Staatsanwaltschaft hatte schon deutlich vor dem Insolvenzantrag begonnen, Unterlagen der AWO Wiesbaden zu beschlagnahmen. Zuständige Oberstaatsanwältin für den Gesamtkomplex ist Nadja Niesen in Frankfurt.

Mit der Insolvenz will der Kreisverband Wiesbaden nun die vergangenen Jahre hinter sich lassen. Dabei hilft der neuen Geschäftsführung der AWO Wiesbaden die Hannoveraner Insolvenzrechtsboutique Eckert. Die Führung des Mandats liegt beim Wiesbadener Standortpartner Dr. Eike Happe und dem Namenspartner Dr. Rainer Eckert. Mit im Team sind die Partner Dorit Schwamberger, Michael Schütte und Dr. Mark Boddenberg. In die neue Geschäftsführung ist unter anderen Karsten Kienitz eingetreten, der bis Ende November als Rechtsanwalt bei KPMG Law beschäftigt war. Er möchte sich nicht nur während der Restrukturierung als CRO, sondern dauerhaft bei der Neuausrichtung der AWO engagieren.

Jan Plathner
Jan Plathner

Ein Team von Eckert beriet in diesem Jahr in der Region bereits erfolgreich die Eigenverwaltung der Kreisklinik Groß-Gerau. In das aktuelle Mandat wurde sie kurz vor der Antragstellung geholt, weil sich Illiquidität abzeichnete. Plathner hat dieses Jahr unter anderem die Verwaltung der Großinsolvenz beim hessischen Autozulieferer Veritas übernommen. Nach Informationen Beteiligter haben sich das Amtsgericht und der Gläubigerausschuss auf seine Berufung verständigt.

Prozesse der neuen Geschäftsführung

Jens-Wilhelm Oberwinter
Jens-Wilhelm Oberwinter

Beide Restrukturierer können sich bereits auf Vorarbeiten eines Frankfurter Greenfort-Teams stützen. Der in Sanierungsfällen erfahrene Arbeitsrechtspartner Dr. Jens-Wilhelm Oberwinter wurde von der im Januar angetretenen neuen Geschäftsführung für die Aufräumarbeiten im Kreisverband mandatiert. Unterstützt wird er dabei nach Marktinformationen von den Arbeitsrechtlern Dr. Annika Nielsen und Dr. André Fischels sowie den Prozessspezialisten Dr. Daniel Röder und Dr. Felix Ries.

Beide AWO-Verbände stecken derzeit noch in zahlreichen arbeitsrechtlichen Verfahren gegen mutmaßliche Beteiligte an dem Skandal. Einige Kündigungsklagen wurden bereits in Güteterminen beigelegt.

Die Klage des früheren Geschäftsführers der Frankfurter AWO, Jürgen Richter, gegen die Kündigung scheiterte im Oktober vor dem Arbeitsgericht Frankfurt. Dr. Norbert Pflüger, Namenspartner der gleichnamigen Arbeitsrechtsboutique, vertrat dort die AWO Frankfurt. Vor dem Arbeitsgericht Wiesbaden vertritt Jens-Wilhelm Oberwinter den dortigen Verein gegen seine ehemalige Geschäftsführerin Hannelore Richter. Auf der Gegenseite war jeweils der Wiesbadener Einzelanwalt Bernhard Lorenz aktiv. Strafrechtlich lässt sich Jürgen Richter mittlerweile von Dr. Anouschka Velke aus Frankfurt beraten. Hannelore Richter lässt sich diesbezüglich nach Angaben Verfahrensbeteiligter von dem Strafrechtler Dr. Sören Gemmerich aus der Wiesbadener Kanzlei Paule und Partner beraten.

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