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03.02.2014

Ungewöhnliches Investment: KKR engagiert sich mit Taylor Wessing bei Hertha BSC

Die Private-Equity-Gesellschaft Kohlberg Kravis Roberts (KKR) ist mit rund 60 Millionen Euro bei Hertha BSC eingestiegen. Die US-Amerikaner erwarben knapp zehn Prozent der Anteile an der ausgegliederten Profiabteilung des Berliner Clubs, außerdem sind sie künftig mit einem Sitz im Hertha-Aufsichtsrat vertreten. Es handelt sich hierbei um den aktuell einzigen Bundesligaclub, an dem ein Finanzinvestor beteiligt ist.

Frank Koch

Das Investment von KKR ist auf mindestens sieben Jahre angelegt und als sogenannte Mezzanine-Finanzierung strukturiert, einer Mischform aus Eigen- und Fremdkapitalzufuhr. Zudem hat KKR das Recht ihre Beteiligung auf 33 Prozent aufzustocken. Die von der DFL festgelegte maximal mögliche Beteiligung eines Investors an einem Bundesligaclub liegt bei 49 Prozent.

Hertha BSC will mit dem Geld zunächst den Großteil seiner Schulden in Höhe von knapp 37 Millionen Euro zurückzahlen. Außerdem will der Verein Marketing-, TV- und Catering-Rechte zurückkaufen. Schon länger hatte der klamme Hauptstadtclub nach einem langfristigen Geldgeber gesucht und die Schweizer Investmentfirma IM 1872 einbezogen, die auf die Sportbranche spezialisiert und neben KKR an der strategischen Partnerschaft mit Hertha BSC beteiligt ist.

Das Engagement bei einem Fußballclub ist Neuland für KKR. Der Investor ist in Deutschland beispielsweise als Anteilseigner des Gabelstaplerherstellers Kion und der Werkstattkette ATU aktiv. Beim Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 sind die US-Amerikaner jüngst ausgestiegen.

In der Fußball-Bundesliga wird der Einstieg von KKR mit großem Interesse verfolgt. Bislang haben überwiegend Unternehmen in Bundesligaclubs investiert, die gleichzeitig auch Sponsor des Vereins sind, so etwa Adidas und Audi beim FC Bayern. Darüber hinaus ist der SAP-Mitgründer Dietmar Hopp seit Langem als Mäzen der TSG 1899 Hoffenheim aktiv.

Berater KKR/IM1872
Taylor Wessing (Hamburg): Dr. Frank Koch (Corporate/Sportrecht), Marc-Oliver Kurth (Corporate/M&A; Berlin; beide Federführung), Dr. Marco Hartmann-Rüppel (Competition), Dr. Jan Riebeling (Corporate), Dr. Holger Schrewe (Corporate/Sportrecht); Associates: Dr. Martin Knaup, Dr. Angela Menges, Dr. Norman Röchert, Sebastian Klabunde, Dr. Lea Siering (alle Corporate/M&A; alle Berlin)

Berater Hertha BSC
Noerr (Berlin): Prof. Dr. Christian Pleister (Corporate; Berlin/Frankfurt), Dr. Dirk Lentfer (Commercial/Immobilienrecht; beide Federführung), Dr. Kathrin Westermann (Regulatory & Governmental Affairs), Dr. Stephan Schulz (Corporate; Frankfurt), Peter Stauber (Regulatory & Governmental Affairs); Associates: Dr. Jan Funcke (Commercial/Immobilienrecht), Dr. Roland Kühne (Corporate), Hanno Schaper (Regulatory & Governmental Affairs), Alexander Wulff (Corporate)
Inhouse Recht (Berlin): Thomas Herrich (Mitglied der Geschäftsleitung/Prokurist)

Hintergrund: Taylor Wessing kam über Kontakte ihres Hamburger Corporate-Partners Koch in das Mandat an der Seite von KKR und IM 1872. Koch hat beste Kontakte in die Sportbranche und zu Stefan Füg, einem der maßgeblichen Köpfe hinter der Schweizer Investmentfirma IM 1872.

So beriet er Füg bereits, als dieser noch für den weltgrößten Sportvermarkter IMG tätig war und dort unter anderem das Management von Sportlern wie dem Tennisprofi Tommy Haas verantwortete. 2009 wechselte Füg zum Schweizer Sportvermarkter Kentaro, aktuell leitet er dort die weltweiten Sponsoringaktivitäten.

Dass Hertha BSC in der Transaktion Noerr vertraut, war recht nahe liegend. Die Kanzlei begleitete schon 2004 und 2010 jeweils die Emission einer Fan-Anleihe. Zustande gekommen war die Mandatsbeziehung vor mehr als einem Jahrzehnt durch Kontakte des Berliner Partners Pleister in die Führungsetage des Vereins. Bis zum vergangenen Jahr gehörte er auch dem Wirtschaftsrat des Vereins an. Noerr-Anwalt Lentfer, der in der Transaktion zusammen mit Pleister die Federführung innehatte, begleitet zudem als Notar die Mitgliederversammlung des Clubs.

Herrich von Hertha BSC ist Jurist und im Verein unter anderem verantwortlich für die Bereiche Recht und Personal. (René Bender)