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15.10.2015

Erneute Rettung: DMH übernimmt Strauss mit Grub Brugger

Rettung für die Einzelhandelskette Strauss Innovation: Insolvenzverwalter Horst Piepenburg verkauft Teile des Geschäfts an die Deutsche Mittelstandsholding (DMH). Zwei Drittel der Filialen sowie der Onlineshop sollen weitergeführt werden. Für die Logistiksparte bedeutet der Verkauf allerdings das Aus.

Hans Schenk

Hans Schenk

Der rechtliche Betriebsübergang soll Anfang November stattfinden. DMH wird demnach rund zwei Drittel der aktuell 77 Filialen, den Onlineshop, sowie Teile der Verwaltung in Langenfeld weiterführen. Die Übernahme bedeutet jedoch den Verlust von mehreren Hundert Arbeitsplätzen, vor allem in der Verwaltung und der Logistik: Die Strauss Logistik GmbH ist nicht Bestandteil des Deals und wird abgewickelt. DMH will künftig mit einem neuen Logistikdienstleister zusammenarbeiten. Mehr als die Hälfte der zuletzt rund 1.100 Arbeitsplätze sollen erhalten werden.

Für die Frankfurter DMH, die in kleine und mittelgroße Unternehmen investiert, ist es der bislang größte Deal. Die Holding hat Erfahrung im Erwerb von insolventen Unternehmen, zudem ist mit Dieter Schindel ein Co-Investor mit besten Kontakten im Textilbereich involviert: Schindel, früherer Kik-Manager und ehemaliger Woolworth-Geschäftsführer, soll gemeinsam mit seinem Sohn Alexander seine Erfahrungen aus dem Einzelhandel einbringen.

Matthias Kampshoff

Matthias Kampshoff

Die Einzelhandelskette Strauss ist seit Jahren in den Händen von Investoren: 2008 stieg EQT ein, zu gleichen Teilen hielt damals noch die Familie Geringhoff 30 Prozent. 2011 übernahm Sun European Partner das Ruder, Familie Geringhoff verkaufte der Investmentgesellschaft ebenfalls ihren Anteil. Anfang 2014 beantragte Strauss ein Schutzschirmverfahren, um die drohende Insolvenz abzuwehren. Einige Monate später schien die Rettung durch die Übernahme durch das Family Office Mühleck gesichert. Doch die geplante Neuausrichtung hin zu einem höherwertigen Sortiment wollte nicht gelingen. Strauss stellte den zweiten Insolvenzantrag innerhalb von 18 Monaten. Seitdem kümmerte sich Piepenburg um die Rettung der angeschlagenen Kaufhauskette.

Berater Deutsche Mittelstandsholding
Grub Brugger & Partner (Frankfurt): Dr. Hans Schenk (Insolvenzrecht), Ursula Thein (Arbeitsrecht; Stuttgart); Associates: Philipp Nuber (Insolvenzrecht), Björn Bertram (Arbeitsrecht; Stuttgart)

Insolvenzverwaltung Strauss Innovation
Piepenburg Gerling (Düsseldorf): Horst Piepenburg (Insolvenzverwalter)

Berater Insolvenzverwalter
McDermott Will & Emery (Düsseldorf): Dr. Matthias Kampshoff (Federführung; Insolvenzrecht), Dr. Marc Oberhardt; Associates: Ulrike Witt (beide Insolvenzrecht); Thomas Beisken, Dr. Anja Zelfel (beide Immobilienrecht)

Hintergrund: Grub Brugger, die auf verschiedenen Seiten für Krisenunternehmen, Insolvenzverwalter und Gläubiger tätig sind, haben DMH nicht zum ersten Mal beraten. Sie begleiteten im vergangenen Jahr, als Strauss erstmals Insolvenz anmeldete, ebenfalls einen Übernahmeversuch, bei dem schließlich Mühleck zum Zuge kam. Grub Brugger-Partner Schenk war zudem für den Investor beim Kauf von Erhardt Sport 2013 tätig. Neben dem Verkaufsprozess, den Schenk betreute, stellte Grub Brugger auch die arbeitsrechtliche Beratung durch Partnerin Thein.

McDermott ist seit dem Schutzschirmverfahren für die Geschäftsführung der Strauss Innovation im Mandat und beriet nun den Insolvenzverwalter: Piepenburg gehört zu den profiliertesten Verwaltern hierzulande, der für zahlreiche Unternehmen wie die IVG-Gruppe oder Babcock Borsig tätig war. (Eva Lienemann)