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EVN verkauft mit Freshfields und Beira Kraftwerksbeteiligung

Der niederösterreichische Energieversorger EVN hat seine Anteile am deutschen Kohlekraftwerksprojekt ‚Walsum 10‘ verkauft. Der bisherige Mitgesellschafter Steag hat die EVN-Anteile in Höhe von 49 Prozent übernommen und ist nun damit der alleinige Anteilseigner. Über den Kaufpreis und weitere Einzelheiten der Transaktion vereinbarten die beteiligten Parteien Stillschweigen.

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Nikita Tkatchenko
Nikita Tkatchenko

Mit dem Verkauf der Kraftwerksanteile beenden die beiden Unternehmen auch den bisher bestehenden Vertrag, über den EVN Strom aus dem Kraftwerk bezog. Das Kraftwerk, das nun Steag alleine betreibt, steht in Duisburg-Walsum auf dem Gelände der ehemaligen, gleichnamigen Zeche. 

2006 begannen die Arbeiten zum Bau des Kraftwerksblocks 10, der im Zentrum der Transaktion stand. Zum Bau dieses weiteren Kohleofens hatten EVN und der kommunale Energieversorger Steag 2005 eine Projektgesellschaft gegründet, die der Auftraggeber für den Bau war. Der Bau des neuen Blocks war seinerzeit eine der größten Kraftwerksneubauten in Europa. Es war geplant, diesen im Jahr 2010 fertigzustellen und in Betrieb zu nehmen. Aufgrund diverser Probleme konnte er jedoch erst im Dezember 2013 seinen Betrieb aufnehmen und Strom in das Netz einspeisen. 

Mit dem für den Bau verantwortlichen Generalunternehmer kam es zudem zum Streit darüber, wer die Mehrkosten tragen sollte, die den Auftraggebern durch die verspätete Fertigstellung entstanden. Vertragspartner der beiden Energieunternehmen und verantwortlich für den Bau war das Walsum-10-Konsortium, hinter dem der japanische Hitachi-Konzern und seine Tochter Hitachi Power Europe stehen.

Willibald Plesser
Willibald Plesser

Ende 2013 reichte die Projektgesellschaft eine Klage nach der Schiedsordnung der internationalen Handelskammer in Paris (ICC) ein. Laut Presseberichten forderte die Projektgesellschaft mehr als 600 Millionen Euro Schadensersatz, Hitachi stellte daraufhin Gegenforderungen. Am Ende des Verfahrens im Jahr 2016 bekamen Steag und EVN im Schiedsverfahren Ansprüche in Höhe von rund 200 Millionen Euro zuerkannt. Insgesamt wurde der Streitwert auf 1,2 Milliarden Euro beziffert. Bereits 2015 kam es zu einem zweiten Schiedsgerichtsverfahren, das die beiden Unternehmen gegen Hitachi führten. Dieses kam allerdings nicht zu einem Abschluss, da sich die Beteiligten über die Streitpunkte untereinander einigen konnten. Sie räumten in diesem Zuge auch noch verbliebene Streitpunkte aus dem ersten Schiedsverfahren aus. 

Berater Steag: 
Orrick (Düsseldorf): Dr. Nikita Tkatchenko (Federführung), Dr. Wilhelm Nolting-Hauff, Dr. Oliver Duys (alle M&A/Private Equity), Dr. Lars Mesenbrink (Kartell-/Wettbewerbsrecht), Dr. Stefan Schultes-Schnitzlein, Nils Kürten; Associates: Carsten Engelings (alle Steuerrecht), Julius Schradin (Kartell-/Wettbewerbsrecht), Dr. Carolin Ostendorf , Johannes Niegemann (beide M&A/Private Equity)
Inhouse (Essen): Nina Hollender (Leiterin Recht), Markus Zwinger
E+H Eisenberger Herzog (Wien): Dr. Jochen Anweiler (Kartellrecht) – aus dem Markt bekannt

Alexander Illigasch
Alexander Illigasch

Berater EVN
Freshfields Bruckhaus Deringer (Wien): Dr. Willibald Plesser (Corporate/M&A; Federführung), Dr. Friedrich Jergitsch (Bank- und Finanzrecht/Restrukturierung), Dr. Maria Dreher, Dr. Katrin Gaßner (Düsseldorf; beide Kartell-/Außenwirtschaftsrecht), Dr. Marvin Knapp (Restrukturierung; Hamburg), Dr. David Beutel (Steuerrecht; München), Dr. Jan-Philip Wilde (Restrukturierung; Hamburg), Dr. Stefan Tüngler (Wettbewerbsrecht; Düsseldorf); Associates: Dr. Max Alles (München), Dr. Daniel Lungenschmid (beide Corporate/M&A), Dr. Katharina Kubik, Dr. Mario Züger, Maximilian Trappmann (München; alle Steuerrecht)
Barnert Egermann Illigasch (Wien): Alexander Illigasch; Associate: Manuel Gerber (beide Finanzierung)

Hintergund: Auf Käuferseite stand Steag eine bereits bewährte Beraterin zur Seite. Erneut vertraute das Unternehmen einem Team von Orrick, wenn es um eine Transaktion geht. Schon seit mehreren Jahren besteht zwischen der Kanzlei und Steag eine Mandatsbeziehung. Für Orrick ist es in diesem Jahr die zweite Transaktion, die sie für Steag koordiniert. Im März beriet bereits einmal ein Team unter Co-Federführung des Düsseldorfer Partners Tkatchenko das Unternehmen, als dieses seine Tochtergesellschaft Steag Power Minerals an EP Power Europe verkaufte.

Während Orrick die deutschrechtlichen Aspekte der Transaktion abdeckte, holte sich das Unternehmen nach Marktinformationen für die Beratung in Österreich den Kartellrechtler Anweiler in das Boot. Er übernahm die Anmeldung der Transaktion bei den Behörden. 

Für den Energieversorger EVN kam einmal mehr ein Team von Freshfields Bruckhaus Deringer um den Wiener Corporate-Partner Plesser zum Zuge, bestehend aus österreichischen und deutschen Anwälten. Bereits seit mehreren Jahren ist Freshfields immer wieder für EVN im Einsatz, insbesondere wenn es um kapitalmarkt- und gesellschaftsrechtliche Themen geht. Sie hatte EVN bereits 2005 zur Gründung der gemeinsamen Projektgesellschaft mit Steag begleitet. Freshfields wurde auch von EVN mandatiert, als diese sich gemeinsam mit Wien Energie Anteile am Innkraftwerk übernahm.

Wenn es um Fragen zur Auflösung der noch bestehenden Finanzierungsverträge ging, setzte EVN auf Barnert Egermann Illigasch (Beira). Hier war Namenspartner Illigasch für das Mandat verantwortlich. Beira steht dem Energieversorger häufiger zur Seite, wenn es um Fragen zu Finanzierungen geht. Aber auch bei gesellschaftsrechtlichen Projekten und arbeitsrechtlichen Themen mandatiert EVN regelmäßig die Kanzlei. Wie auch Freshfields stand Beira dem Konsortium zur Seite, das sich 2011 am Innkraftwerk beteiligte.

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