Auf nach China

Herbst Kinsky berät AMS bei Joint Venture mit Wise Road Capital

Der Sensorhersteller AMS richtet sein Geschäft mit Umwelt-, Durchfluss- und Drucksensorlösungen stärker auf den chinesischen Markt aus. Dafür baut der börsenotierte Konzern ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Private-Equity-Haus Wise Road Capital aus Peking auf. Behördliche Genehmigungen für das auf umgerechnet 108 Millionen Euro bewertete Joint Venture stehen noch aus.

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Philip Dubsky
Philip Dubsky

AMS bringt in das Joint Venture drei Bereiche seines aktuellen Geschäfts ein: Im Segment Umweltsensorlösungen handelt es sich um Geräte, mit denen sich die Luftqualität, die relative Luftfeuchtigkeit und die Temperatur bestimmen lassen. Sie kommen unter anderem in der Autoindustrie und in der Ausrüstung moderner Gebäude zum Einsatz. Ebenfalls zum Paket gehört die Durchflusssensorik auf der Basis von Ultraschall, die Versorgungsunternehmen in Verbrauchszählern nutzen, sowie die Entwicklung von Drucksensoren.

Von AMS gehen Mitarbeiter, Kunden und die Sensorprodukte und -lösungen inklusive des zugehörigen geistigen Eigentums auf das gemeinsame Unternehmen über. Dieses wird seinen operativen Sitz in den Niederlanden haben, der chinesische Firmensitz soll in Suzhou entstehen. Geschäftsführer wird Stefan Raible, der bereits die Sparte Umweltsensorik führte und 2014 im Zuge des Erwerbs von Applied Sensors vom schwedischen Private-Equity-Fonds Verdane Capital IV und einigen Aktionären bei AMS einstieg.

Europäische Firmen im Visier

Wise Road kommt die Rolle zu, das Joint Venture in China zu begleiten und den Ausbau des Geschäfts in China mit seiner Marktkenntnis zu Kunden und Vertriebswegen voranzutreiben. Der Investor konzentriert sich auf europäische und nordamerikanische Firmen in den Branchen Halbleiter, Telekommunikation, Storage Servers, Big Data und Internet of Things. Die Investitionssumme kann bis zu zehn Milliarden US-Dollar betragen.

Hinter dem Private-Equity-Haus stehen Investmentmanager und Branchenexperten mit chinesischem und US-amerikanischem Hintergrund. 2017 hatte Wise Road zusammen mit einer Tochter des staatseigenen Beteiligungshauses Jianguang Asset Management (JAC Capital) für 2,75 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 2,44 Milliarden Euro) das Geschäft mit Standardhalbleitern von NXP gekauft.

Franz Fazekas
Franz Fazekas

AMS meldete für 2018 einen Umsatz von rund 1,63 Milliarden US-Dollar (1,45 Milliarden Euro), das operative Ergebnis lag bei 14,7 Millionen Dollar (13,1 Millionen Euro). Insgesamt beschäftigt das Unternehmen derzeit ungefähr 9.000 Mitarbeiter.

Berater AMS
Herbst Kinsky (Wien): Dr. Philip Dubsky (Federführung); Associates: Alina Regal, Rosa Rünzler (alle Corporate/M&A; letztere Rechtsanwaltsanwärterin)
Inhouse Recht (Unterpremstätten): Franz Fazekas (VP & General Counsel), Minou Weerts (Head of IP), Martin Pecher (Deputy General Counsel; IP), Christiane Gans (Senior Legal Counsel), Lukas Pinegger (Legal Counsel; beide Corporate)
Rutgers Posch Visée Endedijk (Amsterdam): Lennaert Posch (M&A), Inge de Laat (Arbeitsrecht)
WongPartnership: Miao Miao (Corporate/M&A, chinesisches Recht; Schanghai), Wei Tan, Milton Toon (beide Corporate/M&A; beide Singapur)
Inhouse Steuern (Unterpremstätten): Alfred Gigerl (Steuern)
PricewaterhouseCoopers (Wien): Peter Perktold (Federführung; Steuern), Marianna Dozsa (Transfer Pricing), Matthias Kornberger (Corporate Tax)
Beiten Burkhardt (München): Dr. Markus Ley (Gesellschaftsrecht), Dr. Daniel Hund (Arbeitsrecht, beide Federführung), Christina Kamppeter (Arbeitsrecht), Christian Werkmeister (IP); Associates: Elisabeth Miesen, Dr. Olga Morasch, Verena Holzbauer (alle Arbeitsrecht)

Johanna Höltl
Johanna Höltl

Berater Wise Road Capital
DLA Piper: Stewart Wang (Federführung; Schanghai), Dr. Johanna Höltl (Wien; beide Corporate), Sabine Fehringer (Wien; Intellectual Property & Technology); Associates: Frank Chen (Schanghai), Valerie Kramer (Wien; beide Corporate)
Inhouse Recht (Peking): Xuan Sun – aus dem Markt bekannt
KPMG – keine Nennungen

Hintergrund: Die rechtliche und steuerliche Struktur für das Gemeinschaftsunternehmen entwickelten die Inhouse-Teams bei AMS um General Counsel Franz Fazekas und Director Tax Alfred Gigerl in enger Zusammenarbeit mit den externen Beratern. Die Rechtsabteilung zählt derzeit sieben Juristen, ein weiterer personeller Ausbau ist geplant. Im Herbst war Martin Pecher von Andritz zu dem Sensorentwickler und -hersteller gewechselt und ist inzwischen Fazekas‘ Stellvertreter. In der Transaktion ist er für IP-Fragen verantwortlich. Von Wolf Theiss kam zum Jahreswechsel Lukas Pinegger.

Die Federführung auf anwaltlicher Seite hatte Herbst Kinsky-Partner Dubsky. Er berät den Technologiekonzern aus der Steiermark schon seit Jahren regelmäßig bei Transaktionen, darunter im Herbst 2016 beim Erwerb des Mikrooptik-Spezialisten Heptagon aus Singapur. Im Zuge dieses Kaufs entstanden die ersten Kontakte zu der Kanzlei WongPartnership, deren Partner Miao Miao in Schanghai nun für chinesische Rechtsfragen zuständig ist. Neben dem Hauptsitz in Singapur und den chinesischen Büros in Schanghai und Peking hat die Kanzlei auch Standorte in Indonesien, Malaysia, Myanmar, den Philippinen, Abu Dhabi und Dubai.

Für die arbeitsrechtliche Umsetzung des Joint Ventures in Deutschland, wo die meisten Mitarbeiter beschäftigt sind, holte Fazekas ein Team von Beiten Burkhardt an Bord. Federführend war hier der junge Münchener Partner Dr. Daniel Hund.

In den Niederlanden entschied sich AMS nach einem Pitch für die Berater von Rutgers Posch. Deren Arbeitsrechtspartnerin Inge de Laat ist zugleich Managing-Partnerin der Einheit, die Lennaert Posch zusammen mit Kollegen 2013 als Ausgründung der angesehenen Kanzlei Stibbe aus der Taufe hob.

Der Joint-Venture-Partner Wise Road mandatierte DLA Piper über ihren Partner Stewart Wang in Schanghai. Neben deren Anwälten in China und Österreich waren in der Due Diligence und der weiterhin laufenden Fusionskontrolle auch die Büros in Holland, Italien und Deutschland einbezogen.

In der Steuerberatung vertraute AMS einem PwC-Team um Matthias Kornberger und Peter Perktold. Aufseiten von Wise Road war ein großes KMPG-Team mit einem regionalen Schwerpunkt in China tätig.

Aktualisiert am 6.02.2020

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