Casinos-Bieter-Streit

Novomatic und AGH einigen sich mit Grohs Hofer und Dorda

Die bislang zerstrittenen Bieter um die Mehrheit beim teilstaatlichen Glücksspielkonzern Casinos Austria (Casag) wollen nun gemeinsame Sache machen: Der größte österreichische Glücksspielanbieter Novomatic und das Konsortium Austrian Gaming Holding (AGH) um die tschechischen Lotterie- und Sportwettenfirmen Sazka und Emma haben sich auf die Gründung eines Joint Ventures geeinigt. Dieses käme nach dem jetzigen Stand auf 51 Prozent der Anteile an der Casag.

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Elisabeth Stern
Elisabeth Stern

Zugleich sollen die Rechtsstreits zwischen der AGH und anderen Casag-Anteilseignern beigelegt werden.

In einem Verfahren wollte die AGH verhindern, dass Novomatic die bislang von der MTB Privatstiftung gehaltenen Casag-Anteile übernimmt. In anderen Verfahren richtete sie sich gegen den Verkauf der mittelbaren Casag-Beteiligung des Mehl- und Mühlenunternehmens Leipnik-Lundenburger sowie des Versicherers Uniqa an Novomatic. Leipnik-Lundenburger und Uniqa haben ihre Anteile an der Casag jeweils in der Beteiligungsgesellschaft Medial Beteiligungs GmbH gebündelt (siehe Grafik).

Um die Übertragungen an Novomatic zu stoppen, war die AGH in den vergangenen Monaten vor das Handelsgericht Wien gezogen, um Vorkaufsrechte für die Anteile an der Medial sowie an der MTB Privatstiftung geltend zu machen.

Im Ergebnis bedeutet das Ende der Gerichtsverfahren, dass die AGH auf den eigenen Zukauf weiterer Anteile verzichtet. Damit bringt die AGH lediglich ihren Casag-Anteil von elf Prozent in das neue Joint Venture ein. Diesen hatte sie im vergangenen Herbst von der Donau Versicherung erworben und ist in der Came Holding gebündelt, die ebenfalls ein Teil der Medial Beteiligungsgesellschaft ist.

Auf der anderen Seite wird der Anteil von Novomatic an Casag rund 40 Prozent betragen: Der niederösterreichische Glücksspielkonzern kann nun – vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen – die erworbenen Casag-Beteiligungen von MTB sowie von Leipnik-Lundenburger und der Uniqa, die jeweils 29,63 Prozent an der Medial Beteiligungsgesellschaft halten, in das gemeinsame Vehikel einbringen.

Beteiligungsstruktur der Casinos Austria AG

Zweitgrößte Anteilseignerin mit über 33 Prozent an den Casinos ist nach der Medial Beteiligungsgesellschaft die staatliche Industriebeteiligungsholding ÖBIB. Diese könnte nun ebenfalls Anteile abgeben. Drittgrößter Casag-Eigner ist noch die MTB Privatstiftung mit ihren knapp 17 Prozent, gefolgt vom Bankhaus Schellhammer & Schattera, das auf rund 5,3 Prozent der Anteile kommt. Der Rest von Casag befindet sich im Streubesitz.

Bis zur Umsetzung der Pläne werden allerdings noch Monate vergehen. So befindet sich der derzeitige Erwerbsvorgang an den Casag-Anteilen seit Anfang Februar in einer vertieften Prüfung durch die Bundeswettbewerbsbehörde. Diese sogenannte Phase-2-Prüfung wird ihren Abschluss frühestens im Juli finden. Erst danach wird dann der Zusammenschluss von Novomatic und der AGH in dem Joint Venture beantragt werden. Hinzu kommen noch diverse Genehmigungs- und Mitteilungserfordernisse in ausländischen Märkten, in denen die Casinos Austria vertreten sind.

Berater Novomatic
Grohs Hofer (Wien): Dr. Elisabeth Stern, Dr. Stefan Fida (beide M&A/Gesellschaftsrecht) – aus dem Markt bekannt
Binder Grösswang (Wien): Dr. Raoul Hoffer, Christine Dietz (beide Kartellrecht) – aus dem Markt bekannt

Berater Austrian Gaming Holding (AGH):
Dorda Brugger Jordis (Wien): Dr. Jürgen Kittel (Federführung/M&A), Dr. Stephan Polster (Kartellrecht)

Berater Medial
Wolf Theiss (Wien): Dr. Markus Heidinger (Bank- und Kapitalmarktrecht)

Berater ÖBIB
CHSH Cerha Hempel Spiegelfeld Hlawati (Wien): Dr. Edith Hlawati

Berater Maria Theresia Bablik Privatstiftung (MTB)
Prunbauer & Romig (Wien): Dr. Leonhard Romig

Berater Schellhammer & Schattera
Eisenberger & Herzog (Wien): Dr. Peter Winkler

Berater Uniqa
Schönherr (Wien): Dr. Peter Feyl (Bank- und Kapitalmarktrecht) – aus dem Markt bekannt

Berater Leipnik-Lundenburger
nicht bekannt

Berater Casinos Austria
Fellner Wratzfeld & Partner (Wien): Dr. Markus Fellner, Dr. Lukas Flener (beide Corporate/M&A)

Hintergrund: Dem jetzigen Ergebnis ist ein kompliziertes Geschacher um Vorkaufsrechte vorausgegangen, das auf der außerordentlichen Hauptversammlung der Casag am 5. Oktober 2015 seinen Ausfluss fand. Die Hauptversammlung hat satzungsgemäß über die Übertragung von Casag-Aktien zu bestimmen. Dies führte dazu, dass sich die HV-Vertreter mehrheitlich jeweils für die Verkäufe von Aktienpaketen an Novomatic aussprachen und somit gegen die von AGH behaupteten Vorkaufsrechte richteten.

Zur Absicherung dieses Stimmverhaltens hatte sich überdies der viertgrößte Casag-Anteilseigner, das Bankhaus Schellhammer & Schattera, auf die Seite von Novomatic geschlagen und sich bereit erklärt, dann von ihrem Vorkaufsrecht bezüglich der Anteile der MTB Privatstiftung Gebrauch zu machen, wenn das Vorkaufsrecht der von den Tschechen beherrschten Came Holding als wirksam erachtet worden wäre.

Zudem hatte die Hauptversammlung der Übertragung eines kleinen Casag-Anteils der LFW Privatstiftung – vertreten von dem Wiener Anwalt Dr. Benedikt Wallner – an die MTB Privatstiftung zugestimmt.

Die Berater der verschiedenen Aktionäre stellen einen Querschnitt durch die Szene der Wiener Wirtschaftsanwälte dar. Zum größeren Teil waren und sind hier Großkanzleien beteiligt. So wurde die im Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht sehr angesehene Kanzlei Dorda Brugger Jordis von der neu gegründeten AGH eigens für den Bieterkampf geholt. Andere Großkanzleien wie Wolf Theiss, CHSH oder Schönherr stehen ihren Klienten dagegen schon lange zur Seite.

Dies mag auch einer der Gründe dafür gewesen sein, dass die eher kleine Kanzlei Grohs Hofer hier in eine prominente Rolle als Novomatic-Beraterin gekommen ist. Denn der Glücksspielkonzern setzt wie Uniqa traditionell auf Schönherr, die sich hier jedoch als Käufer und Verkäufer gegenüberstanden. Grohs Hofer ihrerseits verfügt über Erfahrung bei komplizierten Syndikatsverträgen, was ihr den Weg zur Novomatic geebnet haben dürfte. (Jörn Poppelbaum)

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