Chance genutzt

Russmedia greift mit Herbst Kinsky bei Shpock-Betreiberin zu

Die Investmenttochter des Vorarlberger Medienhauses Russmedia kauft den Onlineflohmarkt Shpock. Die Verkäuferin Adevinta muss sich von der App beziehungsweise dem dahinter stehenden Betreiber Finderly trennen, um selbst die Ebay Classifieds Group übernehmen zu können. Dies hatte die britische Kartellbehörde CMA zu einer der Auflagen gemacht. 

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Florian Steinhart
Florian Steinhart

Adevinta setzte sich im Sommer 2020 in einem Bieterverfahren um eCG durch, der Kaufpreis lag bei rund acht Milliarden Euro. Im Gegenzug hält Ebay seither rund ein Drittel an der Gruppe, größter Anteilseigner ist weiter der ehemalige Mutterkonzern Schibsted. Die Wiener Bundeswettbewerbsbehörde gab die Transaktion zwischen Ebay und Adevinta Mitte Juni frei, deckelte unter anderem aber die Beteiligung des US-Konzerns an Adevinta für 18 Monate bei 33 Prozent.

International ist Adevinta einer der größten Betreiber von Kleinanzeigenportalen. Das Unternehmen entstand im Frühjahr 2019 durch einen Börsengang aus dem skandinavischen Verlagshaus heraus. Der Umsatz von Adevinta lag 2020 bei rund 727 Millionen Euro, die Zahl der Mitarbeiter bei 4.700. 

Shpock ist als Onlineflohmarkt in Österreich, Deutschland und Großbritannien präsent. Nach einer Restrukturierung 2018 meldete das Unternehmen Anfang 2019 rund 100 Mitarbeiter, die zum Großteil in Wien angesiedelt seien.

Russmedia Equity Partners ist der Investmentarm des Vorarlberger Medienhauses. Das Unternehmen aus Schaan in Liechtenstein betreibt Onlinemarktplätze, Aggregatoren und SaaS-Lösungen und hat als Investor über zwanzig Jahre Erfahrung mit digitalen Geschäftsmodellen. Aktuell gehören zu Russmedia Equity Partners 19 digitale Plattformunternehmen in sechs Ländern Europas, darunter das deutsche Kleinanzeigenportal Quoka.de, das ungarische Jobportal CVOnline.hu und das Kleinanzeigenportal Publi24.ro in Rumänien.

Das Medienhaus Russmedia selbst bringt zwei Tageszeitungen, darunter die Vorarlberger Nachrichten, sowie sechs Wochenzeitungen heraus und betreibt zudem rund vierzig Onlineportale. Das Unternehmen entstand aus einem Bregenzer Buchverlag heraus, hat heute seinen Sitz in Schwarzach und beschäftigt rund 1.000 Mitarbeiter an 16 europäischen Standorten.

Berater Russmedia
Herbst Kinsky (Wien): Dr. Florian Steinhart (M&A/Venture Capital; Federführung); Associates: Carl Walderdorff, Dr. Magdalena Wagner (beide M&A/Venture Capital), Dr. Christoph Ludvik (Arbeitsrecht), Dr. Beatrice Blümel (IP; letztere drei Rechtsanwaltsanwärter)
DWF: Jonathan Branton (Leeds), Dimitris Sinaniotis (London; beide Kartellrecht)

Alexander Popp
Alexander Popp

Berater Adevinta
Schönherr (Wien): Alexander Popp (Federführung; Corporate/M&A), Miriam Simsa (Finance), Dr. Thomas Kulnigg (Technology & Digitalisation), Dr. Franz Urlesberger (Kartellrecht), Gregor Petric; Associates: Michael Stimakovits (beide Corporate/M&A), Johannes Frank (Kartellrecht), Marco Thorbauer (Steuerrecht), Philipp Kalser (Finance; Rechtsanwaltsanwärter)
Cleary Gottlieb Steen & Hamilton: Francisco Enrique González‑Díaz (Brüssel), Paul Gilbert (London), Dr. Romina Polley; Associates: Wanjie Lin, Jan Przerwa (beide Brüssel), Chloe Hassard, Lanto Sheridan (beide London), Julian Sanner (Köln; alle Kartellrecht)
Inhouse Recht: Nick Conway (Head of M&A Legal; Sydney) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Die Auflagen der britischen Kartellbehörde CMA bestimmten die Dynamik im Bieterverfahren um Finderly mit, unter anderem wegen einzuhaltender Fristen und inhaltlicher Vorgaben. Diese sollen sicherstellen, dass der Käufer über die Mittel und das Know-how verfügt, Shpock erfolgreich fortzuführen.

Russmedia Equity Partners mandatiert Herbst Kinsky-Partner Steinhart regelmäßig bei M&A-Transaktionen. Dessen Kanzlei beriet Finderly und deren Gründer bereits bei den ersten Schritten des Start-ups 2011 und bis zum Verkauf einer Mehrheit von 91 Prozent an die Vorgängerin von Adevinta 2015. 

Für die kartellrechtlichen Belange in Großbritannien zog Russmedia Branton und Sinaniotis von DWF hinzu. Die britische Kanzlei ist seit 2016 in Deutschland vertreten, seit 2019 ist sie börsenotiert. Ihr Umsatz wuchs im 1. Halbjahr 2020/21 um 15 Prozent, er betrug in den sechs Monaten bis zum 10. Dezember 2020 knapp 168 Millionen britische Pfund (umgerechnet 195,5 Millionen Euro). Davon entfielen 28,2 Millionen Pfund auf die drei wichtigsten Auslandsmärkte Australien, Spanien und Polen.

Schönherr-Partner Popp war bereits in früheren Transaktionen für Schibsted und Adevinta tätig, sowohl in Österreich als auch in Zentral- und Osteuropa. Die Zusammenarbeit mit Cleary ergab sich aus der übergeordneten Transaktion, denn die US-Kanzlei beriet Adevinta und Schibsted in der Angelegenheit kartellrechtlich und war deshalb mit den Auflagen der CMA bestens vertraut. In dieser Haupttransaktion waren unter anderem für M&A und Gesellschaftsrecht Skadden Arps Slate Meagher & Flom und die norwegische Kanzlei Bahr zuständig. Ebay mandatierte ihrerseits Wachtell Lipton Rosen & Katz sowie für Kartellrecht Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan.

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