Chinesischer Vorstoß

FACC strebt mit Skadden und Wolf Theiss an die Wiener Börse

Der oberösterreichische Flugzeugzulieferer FACC will noch heuer an die Börse gehen. Das gab das Unternehmen, das sich seit 2009 mehrheitlich in der Hand des chinesischen Staatsunternehmens Aviation Corporation of China (AVIC) befindet, heute bekannt.

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Stephan Hutter
Stephan Hutter

Nach Marktinformationen plant damit erstmals ein vollständig von China gehaltenes europäisches Unternehmen einen Börsengang in Europa. Bislang kamen aus China stammende Unternehmen vor allem nach Frankfurt, um Zugang zu den europäischen Kapitalmärkten zu bekommen.

Die FACC AG beabsichtigt, Aktien aus dem Bestand des derzeitigen Eigentümers, der FACC International Company Limited, die wiederum eine Tochtergesellschaft von AVIC ist, sowie neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung in Höhe von 150 Millionen Euro zu platzieren. Die Aktien werden an Kleinanleger sowie institutionelle Investoren in Österreich und weltweit im Zuge einer Privatplatzierung ausgegeben.

Für den IPO ändert FACC seine Unternehmensstrukturen. Die derzeit operativ tätige FACC AG wird danach zur börsennotierten Holding und das operative Geschäft auf die FACC Operations GmbH übertragen. Das Unternehmen plant, die Einnahmen der Kapitalerhöhung zu nutzen, um unter anderem zukünftiges Wachstum zu finanzieren, sich auf neue Flugzeugprogramme zu fokussieren sowie ausgewählte Unternehmenszukäufe zu tätigen. Der Börsengang soll noch 2014, unter Berücksichtigung des aktuellen Marktumfeldes, erfolgen.

FACC entwickelt und produziert Faserverbundkomponenten und -systeme für Strukturbauteile an Rumpf und Tragflächen, Triebwerkskomponenten und Passagierkabinen für zivile Verkehrsflugzeuge, Business-Jets und Hubschrauber. Das Unternehmen mit Sitz in Ried im Innkreis beschäftigt weltweit rund 3.000 Mitarbeiter und setzte zuletzt 547 Millionen Euro um.

AVIC erwarb den Flugzeugzulieferer 2009 unter anderem von dem österreichischen Industriellen Hannes Androsch.

Den jetzigen Börsengang begleiten die amerikanischen Investmentbanken JP Morgan und Morgan Stanley als Joint Global Coordinators und Joint Bookrunners. Erste Bank und UBS wurden als Co-Bookrunners mandatiert.

Berater FACC
Skadden Arps Slate Meagher & Flom (Frankfurt): Dr. Stephan Hutter (Federführung), Dr. Katja Kaulamo (beide Kapitalmarktrecht), Dr. Johannes Frey (Steuerrecht); Associates: Dr. Michael Steiner, Katherine Miller, Percy Lorenz, David Quartner (London; alle Kapitalmarktrecht)
Wolf Theiss (Wien): Dr. Richard Wolf; Associate; Dr. Petra Heindl (beide Kapitalmarktrecht)

Berater AVIC/FACC International
Binder Grösswang (Wien): Dr. Florian Khol (Kapitalmarktrecht)

Berater Banken
Freshfields Bruckhaus Deringer: Rick van Aerssen (Frankfurt), Dr. Stephan Pachinger (Wien; beide Kapitalmarktrecht)

Hintergrund: Alle Berater sind aus dem Markt bekannt.

Der in der gesamten Transaktion federführende Skadden-Partner Stephan Hutter kennt FACC bereits seit vielen Jahren. Seine vormalige Kanzlei Shearman & Sterling beriet die chinesische Aircraft Industry Group unter anderem auch beim Einstieg bei FACC 2009 als International Counsel. Hutter ist Österreicher, arbeitete aber die längste Zeit seines bisherigen Anwaltslebens in Deutschland. Er ist von jeher unter anderem auf Transaktionen in Österreich fokussiert. Zuletzt beriet er etwa den Versicherer Uniqa bei seiner 750 Millionen Euro schweren Kapitalerhöhung.

Florian Khol
Florian Khol

Ebenfalls für die Chinesen aktiv war 2009 auch Binder Grösswang-Partner Florian Khol, der den Erwerb von Androsch steuerte. Der Industrielle vertraute seinerzeit auf seinen ständigen Berater, den anerkannten Gesellschaftsrechtler Dr. Georg Riedl, der mittlerweile mit dem Ex-Schönherr-Partner Dr. Stephan Frotz in einer gemeinsamen Kanzlei tätig ist.

Mit Freshfields berät eine der im deutschen und österreichischen Kapitalmarktrecht führenden Kanzleien die Banken. (Jörn Poppelbaum)

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