Finanzmarkt

White & Case berät Lufthansa bei Kapitalerhöhung

Die Lufthansa will die Rückzahlung der Staatshilfen noch mit der jetzigen Bundesregierung unter Dach und Fach bringen. Dafür muss der in der Corona-Krise schwer gebeutelte Konzern Milliarden auftreiben und startet eine Kapitalerhöhung.

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Thilo Diehl
Thilo Diehl

Der Bruttoemissionserlös soll 2,14 Milliarden Euro betragen. Der Bezugspreis liege bei 3,58 Euro je neuer Aktie. Die neuen Papiere sollen den Aktionären voraussichtlich vom 22. September bis 5. Oktober im Bezugsverhältnis 1:1 angeboten werden. Die Kapitalerhöhung wird von einem Konsortium aus 14 Banken begleitet. Federführend dabei sind JPMorgan, BofA Securities, die Deutsche Bank und Goldman Sachs. Darüber hinaus hat Blackrock einen Vertrag über insgesamt 300 Millionen Euro abgeschlossen und sich darin verpflichtet, seine Bezugsrechte in vollem Umfang auszuüben.

Die Lufthansa will den Nettoerlös zur Rückzahlung der Stillen Einlage I des deutschen Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) in Höhe von 1,5 Milliarden Euro verwenden. Zudem sei beabsichtigt, die Stille Einlage II in Höhe von 1 Milliarde Euro bis Jahresende vollständig zurückzuzahlen und den nicht in Anspruch genommenen Teil der Stillen Einlage I ebenfalls bis dahin zu kündigen.

Einen Kredit der Staatsbank KfW von einer Milliarde Euro hat die Lufthansa bereits zurückgezahlt. Der WSF hat sich verpflichtet, seine Kapitalbeteiligung bis Oktober 2023 zu verkaufen, falls er an der Kapitalerhöhung teilnimmt. Gegenwärtig hält der Fonds rund 16 Prozent am Grundkapital.

Rick van Aerssen
Rick van Aerssen

Insgesamt hat die Lufthansa damit Staatshilfen in Höhe von 4 Milliarden Euro in Anspruch genommen. Das Geld stammt von Deutschland sowie den Nachbarstaaten Belgien, Österreich und Schweiz.

Die Rückzahlung aller Staatshilfen gilt auch als Voraussetzung für weitere Fusionen und Übernahmen unter Europas Fluggesellschaften. So lange die Unternehmen der Branche staatlich gestützt werden, sind ihnen Zusammenschlüsse untersagt.

Berater Lufthansa
Inhouse Recht (Frankfurt): Dr. Stephan Zilles (Leiter Recht & Compliance), Stephan Parrandier (Leiter Kapitalmarktrecht), Christian Raepple (Leiter Beihilferecht), Annabelle Sachs (Kapitalmarktrecht), Caroline Mirow (Gesellschaftsrecht)
White & Case (Frankfurt): Thilo Diehl, Rebecca Emory, Karsten Wöckener, Gernot Wagner, Dr. Cristina Freudenberger, Dr. Peter Becker (alle Kapitalmarktrecht), Dr. Alexander Kiefner, Dr. Lutz Krämer (beide Corporate), Dr. Bodo Bender (Steuerrecht), Hendrik Röger (Arbeitsrecht), Prof. Dr. Norbert Wimmer, Kathrin Ahting, Christoph Arhold (alle Regulierung; alle drei Berlin), Josef Große Honebrink, Alexander Born (beide Steuerrecht); Associates: Dr. Lukas Hackmann, Florian Fraunhofer, Dr. Heinrich Nemeczek, Daniel Gillenkirch, Philipp Kronenbitter (alle Kapitalmarktrecht), Dr. Benedikt Happ, Patrick Schoelles (beide M&A/Corporate), Christian Crohn (Regulierung; Berlin)
Hengeler Mueller: Dr. Wolfgang Groß (Kapitalmarktrecht; Frankfurt), Dr. Georg Seyfarth (Gesellschaftsrecht; Düsseldorf), Dr. Hans-Jörg Niemeyer (Beihilferecht; Brüssel); Associates: Dr. Henrik Gildehaus (Kapitalmarktrecht; Frankfurt), Dr. Anja Linnertz (Gesellschaftsrecht; Düsseldorf), Dr. Lukas Ritzenhoff, Joachim Hannes Burger (beide Beihilferecht; beide Brüssel)

Berater Banken
Freshfields Bruckhaus Deringer (Frankfurt): Rick van Aerssen, Simone Bono (London); Associate: Nikolaus Bunting (alle Kapitalmarktrecht)

Michael Schlitt
Michael Schlitt

Berater WSF/Finanzagentur
Hogan Lovells (Frankfurt): Prof. Dr. Michael Schlitt (Kapitalmarktrecht), Dr. Tim Brandi (Corporate)
Inhouse Recht Finanzagentur (Frankfurt): Bernd Giersberg (Chefsyndikus), Dr. Florian Hassner (Legal Counsel)

Hintergrund: Die Berater sind aus dem Markt bekannt.

White & Case und Hengeler Mueller waren bereits in die Rettungsaktion des Konzerns eingebunden, außerdem hatte sich die Lufthansa vor einigen Monaten unter anderem über eine Anleihe Fremdkapital besorgt. Damit tilgte sie den KfW-Kredit, ebenfalls beraten von White & Case-Partner Wöckener. Ein Team von Hengeler Mueller um den Kapitalmarktpartner Dr. Hendrik Haag beriet damals die Banken.

Wolfgang Groß
Wolfgang Groß

Bei der aktuellen Maßnahme stand anders als beim Fremdkapital zuvor das Eigenkapital auf der Tagesordnung. Dementsprechend waren bei White & Case die Partner Diehl sowie für den US-rechtlichen Teil Emory besonders gefragt. Die Kanzlei hat mit internationalen Teams in den vergangenen beiden Jahren unter anderem auch die Airlines Air France, KLM, Finnair und Aeroflot bei ihren Finanzierungen beraten. Hengeler-Partner Groß beriet zu den WSF-Mitteln.

Auch Hogan Lovells und ihre Partner Brandi und Schlitt waren bereits 2020 für die Finanzagentur, die den WSF verwaltet, in die Rettungsaktion eingebunden, gemeinsam mit den Juristen der Finanzagentur um Chefsyndikus Giersberg und den Leiter der Rechtsabteilung Martin Schmitz-Manseck. Unter Brandis und Schlitts Beratung hatte der WSF in den letzten Wochen bereits einen Teil seiner Lufthansa-Aktien verkauft.

Den Konsortialkredit des Bankenkonsortiums um die Deutsche Bank verhandelte bei der Rettung ebenfalls Freshfields, damals mit einem Team um den Finanzierungsexperten Dr. Frank Laudenklos. Aktuell soll das Team um van Aerssen die Bankenseite mit seinem Know-how im Eigenkapitalmarktrecht beraten haben.

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