Biosimilars

Fresenius Kabi kauft mit Linklaters für 500 Millionen in Spanien zu

Der an der Börse unter Druck stehende Bad Homburger Dax-Konzern Fresenius stärkt sein Geschäft mit Generika und Infusionstherapien: Für 495 Millionen Euro übernimmt die Flüssigmedizintochter Fresenius Kabi eine Beteiligung von 55 Prozent an dem spanischen Biotechunternehmen mAbxience.

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Ralph Wollburg

Zum Kaufpreis hinzu kommen Meilensteinzahlungen, die an das Erreichen kommerzieller und operativer Ziele geknüpft sind. Die Übernahmevereinbarung beinhaltet auch eine Option auf die restlichen 45 Prozent. Durch den Zukauf expandiert Fresenius Kabi im derzeit stark wachsenden Biotechmarkt.

mAbxience ist auf die Herstellung von Nachahmerprodukten von biologischen Arzneimitteln, sogenannte Biosimilars, spezialisiert und beschäftigt rund 600 Mitarbeiter. Das Biotechunternehmen verfügt über Forschungs- und Entwicklungslabore sowie hochmoderne Produktionsanlagen in Spanien und Argentinien. 2021 erwirtschaftete das Biotechunternehmen einen Umsatz von rund 255 Millionen Euro. mAbxience ist unter anderem auf Krebs- und Immunkrankheiten spezialisiert und verfügt über zwei bereits im Markt eingeführte, zugelassene Biosimilars (Rituximab und Bevacizumab). Zudem ist das Unternehmen in der Auftragsfertigung aktiv und hat kürzlich einen Vertrag für die Herstellung des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca abgeschlossen.

Fresenius selbst hat 2017 bereits das Biosimilar-Geschäft von Merck übernommen und ist in den Markt für biologische Nachahmer-Arzneimittel eingestiegen. Der Gesundheits- und Klinikkonzern steht aktuell aufgrund seines schwachen Aktienkurses an der Börse unter Druck. Marktgerüchten zufolge erwägt Fresenius, einen 20-prozentigen Anteil seiner Kliniktochter Helios zu verkaufen. Die Medikamentensparte hingegen soll gestärkt werden. Neben der Übernahme von mAbxience soll ihr ein zweiter Zukauf zu mehr Wachstum verhelfen: Fresenius Kabi kauft auch den auf Infusionstherapie spezialisierten US-Medizintechnikherstellers Ivenix für 240 Millionen Dollar.  

Gigantischer Wachstumsmarkt

Der Markt für Biosmiliars gilt als extrem wachstumsstark. Die Zahl der Zulassungen der Nachahmerprodukte für Biologika steigt weltweit stark an. Neben chemischen Generika sollen Biosimilars den Zugang zu erschwinglichen Arzneimitteln in der EU sichern. Die Biopharmazie fokussiert sich auf die Krankheitsbilder Immunologie, Onkologie und Stoffwechselerkrankungen.

Ab 2024 laufen besonders viele Patente von Biologika aus, was Biosimilar-Herstellern ein enormes Marktpotential bietet. Das Wettrennen um die schnellste Entwicklung von Biosimilars ist längst eröffnet, die Pipeline ist voll mit neuen Produkten, die sich kurz vor der Zulassung befinden.

Berater Fresenius Kabi
Linklaters (Düsseldorf): Dr. Ralph Wollburg, Sebastian Klingen (beide Federführung; beide Corporate), Alexander Kolb (Federführung spanisches Recht; Corporate; Madrid), Prof. Dr. Daniela Seeliger (Kartellrecht/Investitionskontrolle), Dr. Michael Leicht (TMT; Frankfurt), Dr. Arne Kießling (Corporate), Dr. Julian Böhmer (Steuerrecht); Associates: Dr. Rana Ersoy (Corporate), Tobias Rump, Dr. Theresa Noßke (beide Kartellrecht/Investitionskontrolle), Jose Buigues, Alberto Vilalta (beide Corporate; beide Madrid)
Inhouse (Recht): Dr. Jan Winzen (Federführung), Matthias Fenner (Leiter Legal Corporate) – aus dem Markt bekannt

Berater mAbxience
Baker McKenzie (Madrid): Maite Diez (Corporate) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Zwischen Linklaters und Fresenius besteht schon seit Langem eine intensive Mandatsbeziehung. Zudem pflegt der Düsseldorfer Linklaters-Partner Wollburg gute Kontakte zu Michael Sen, der seit einem Jahr Vorstandsvorsitzender von Fresenius Kabi ist und von Siemens kam. Beim Kauf der Biosimilar-Sparte von Merck setzte Fresenius 2017 auf Clifford Chance. Auch Noerr stand Fresenius Kabi in der Vergangenheit schon bei Deals zur Seite und berät auch den Mutterkonzern regelmäßig bei kartellrechtlichen Aspekten.

Biosimilar-Deals dürften M&A-Anwälte zukünftig aufgrund des riesigen Wachstumspotenzials des Marktes immer häufiger beschäftigen. Erst kürzlich verstärkten auch die Strüngmann-Zwillinge (Hexal-Gründer und BioNtech-Großaktionäre) mit einer Beteiligung an Formycon ihr Engagement in der Biosimilar-Entwicklung.  

Auch die Änderung der Gesetzeslage für Biosimilars ab Sommer 2022 dürfte Juristen viel Arbeit bescheren: Diese sogenannte Aut-idem-Regelung ist bei chemisch-synthetischen Generika zur Kostenersparnis schon lange gängige Praxis. Sie verpflichtet Apotheker zur vorrangigen Abgabe von Medikamenten, für die die jeweilige Krankenkasse einen Rabattvertrag abgeschlossen hat. Bei Biosimilars ist der vorgesehene automatische Austausch jedoch äußerst umstritten – aus Gründen der Arzneimittelsicherheit und weil sie, anders als Generika, zwar vergleichbar mit dem Originalpräparat sind, aber nie absolut identisch.

Copyright Teaserbild: Fotolia

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