Der Hamburger Spieleentwickler Goodgames hat eine turbulente Zeit hinter sich. Nach der Gründung 2009 und einem rasanten Wachstum waren die Hamburger, gemessen an den Mitarbeitern, zeitweise der größte Onlinespieleentwickler in Deutschland. Anfang 2016 verzeichneten die Hamburger erstmals 300 Millionen Spieler bei ihren Free2play-Browsergames.
Seit 2016 verkleinerte sich das Unternehmen jedoch von zuletzt rund 1.200 auf heute weniger als 300 Mitarbeiter. Nach eigenen Angaben erwirtwschaftete das Entwicklerteam von Januar bis September 2017 einen Gewinn vor Steuern von 22 Millionen Euro.
Stillfront übernimmt alle Anteile an dem Unternehmen. Diese waren bislang in dem Beteiligungsvehikel Altigi gebündelt. Der Großteil der Altigi-Anteile lag bei der Hamburger Beteiligungsgesellschaft Laureus Capital, hinter der die beiden Goodgame-Gründer Dr. Kai Wawrzinek und Dr. Christian Wawrzinek stehen. Nach der Abwicklung der Transaktion werden sie etwa 36,5 Prozent des Kapitals und der Stimmrechte an der schwedischen Stillfront halten und damit ihr größter Aktionär sein.
Die Start-up-Schmiede Rocket Internet hielt seit 2011 im Rahmen einer Minderheitsbeteiligung 15 Prozent an Altigi. Sie wird daher ebenfalls Stillfront-Aktien erhalten.
Die Stillfront Gruppe sitzt in Stockholm. Sie ist dort an der Nasdaq First North Premier gelistet, eine Tochter der US-amerikanischen Technologiebörse Nasdaq. Das Unternehmen bietet neben Browser Games auch PC- und Konsolenspiele sowie Mobile Games. Weitere Niederlassungen befinden sich unter anderem in Deutschland, Malta, den USA, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Rumänien.
Mit einer Anleihe und der Ausgabe neuer Aktien an die Goodgame-Gesellschafter finanziert Stillfront die komplexe Transaktion. Sie gleicht einem Reverse-IPO, denn Goodgame Studios kann die Börsennotierung der kleineren Stillfront zukünftig für die Kapitalbeschaffung nutzen.
Berater Stillfront
DLA Piper (Hamburg): Dr. Nils Krause, Peter Ihrfelt, Peter Grandinson (beide Sockholm; alle Federführung; alle Corporate), Dr. Kai Bodenstedt (Arbeitsrecht), Dr. Burkhard Führmeyer (IP/IT), Dr. Torsten Pokropp (Frankfurt), Carl Shwieler (Stockholm; beide Finanzierungen), Christian Lonquich (Immobilienrecht; Frankfurt), Dr. Annemarie Bloss (IP/IT); Associates: Dr. Stephanie Reuvers (Köln), Moritz Schönpflug (beide IP/IT), Marc Kirchner (beide Frankfurt), Joséphine Tessmar, Tim Hagberg (beide Stockholm; alle Finanzierung), Florian Jeske (Arbeitsrecht), Linn Wotka (IP/IT), Jasper von Georg, Ronja Hecker (beide Corporate), Julian Jung (Immobilienrecht; Frankfurt), Christian Lindner (München), Anna Berntorp (Stockholm; beide Corporate)
Ernst & Young (Hamburg): Stephan Seiffert (Steuerberatung)
Berater Laureaus Capital
Taylor Wessing (London): Mike Turner (Federführung UK), Graham Hann, Alexander Roth (Federführung Deutschland; alle Corporate/Technology), Dr. Tobias Schelinski (TMT); Associates: Ben Richards, Katie Kaplucha (beide Corporate/Technology), Frauke Uhlenbroock, Sarah Eschen (beide Corporate; beide Hamburg)
Berater Rocket Internet
Noerr: Prof. Dr. Christian Pleister (Berlin), Dr. Sascha Leske (New York; beide Private Equity)
Hintergrund: Das Stockholmer DLA-Büro pflegt bereits seit Längerem eine Mandatsbeziehung zu Stillfront und berät etwa regelmäßig die jährliche Gesellschafterversammlung. Die Hamburger Anwälte um den federführenden Partner Krause waren bislang nur punktuell für die Schweden in Deutschland tätig. Im Rahmen des Verkaufs von Goodgames kamen sie nun erstmals für einen größeren Deal zum Einsatz.
Für die Bondplatzierung war im wesentlichen die schwedische Investmentbank Carnegie zuständig. Die steuerliche sowie finanzielle Due-Diligence hat der Hamburger Ernst & Young-Partner Stephan Seiffert in Deutschland begleitet, der Kontakt kam über die schwedischen Kollegen der Prüfgesellschaft.
Seit Jahren berät Taylor Wessing in Hamburg den Spieleentwickler Goodgame, insbesondere im operativen Geschäft. TMT-Partner Schelinski pflegt einen engen Kontakt zur Geschäftsführung. Die Verbindung zu dem britischen Corporate-Team besteht ebenfalls seit Längerem, doch erstmals wurden nun auch die deutschen Tranksaktionsanwälte um Alexander Roth für die Goodgame-Gründer tätig. In Schweden arbeitete Taylor Wessing mit der dortigen Großkanzlei Settwerwalls zusammen.
Rocket vertraute mit Pleister und Leske auf seine angestammten Berater von Noerr. (Anika Verfürth)