Die Raffinerie Heide, die 2010 der amerikanische Investor Gary Klesch von Shell übernahm, ist Mehrheitsgesellschafterin und Koordinator des öffentlich geförderten Joint Ventures H2 Westküste GmbH. Auf ihrem Betriebsgelände soll die Testanlage entstehen. Ab 2023 soll die Leistung der Elektrolyse-Anlage, die aktuell noch bei 30 Megawatt liegt, auf 700 Megawatt ausgebaut werden.
Die Energie für die Elektrolyse stellen Offshore-Windparks zur Verfügung. Das ist die Grundvoraussetzung für die Herstellung von grünem im Unterschied zu grauem Wasserstoff, der mithilfe von Erdgas hergestellt wird. Gelingt es, das bei der Produktion von grauem Wasserstoff anfallende CO2 zu speichern, wird von blauem Wasserstoff gesprochen.
Mit dem Wasserstoffprojekt will insbesondere Schleswig-Holstein eine Vorreiterrolle in der Energiewende einnehmen. Erneuerbarer oder grüner Wasserstoff kann das fossile Gas ersetzen und damit entscheidend zur Energiewende beitragen.
Für das sogenannte Reallabor Westküste100 hat sich eine branchenübergreifende Partnerschaft herausgebildet, zu der neben Gesellschaftern des Gemeinschaftsunternehmens auch Holcim Deutschland, Thyssenkrupp Industrial Solution, der Fernleitungsnetzbetreiber OGE, die Stadtwerke Heide, die Münchner Beteiligungsgesellschaft Thüga sowie die Entwicklungsagentur Region Heide und die Fachhochschule Westküste gehören. Die Elektrolyse-Anlage ist nur ein Teilprojekt des Gesamtvorhabens.
Berater Raffinerie Heide
Mayer Brown (Frankfurt): Andrew Stewart (London), Dr. Malte Richter (beide Federführung; beide Corporate/M&A), Dr. Jürgen Streng (Immobilienrecht), Vanessa Klesy (Arbeitsrecht); Associates: Tina Hoffmann (Corporate/M&A), Philipp Studt (Kartellrecht; Brüssel)
Berater Hynamics/EDF Deutschland
Jones Day (Frankfurt): My Linh Vu-Grégoire, Christian Krebs (beide Federführung; beide Corporate/M&A)
Berater Ørsted Wind Power Germany
Freshfields Bruckhaus Deringer (Hamburg): Dr. Ulrich Scholz (Kartellrecht), Mirko Masek (Federführung; Corporate/Energierecht); Associate: Dr. Konrad Riemer (Kartellerecht) – aus dem Markt bekannt
Hintergrund: Die Heide Raffinerie, die auch bestehende Anlagen und Grundstücke in das Projekt einbringt, setzte auf ein Team von Mayer Brown. Die Kanzlei hat vor allem über den Londoner Partner Stewart beste Beziehungen zu dem Investor Klesch, den sie 2010 bereits zur Übernahme der Raffinerie beraten hatte. Der Frankfurter Counsel Richter übernahm die Verhandlungen.
Jones Day berät EDF in Frankreich seit rund zehn Jahren umfassend unter anderem bei M&A-Transaktionen, im Kartellrecht und zu Finanzierungs- sowie regulatorischen Fragen des Energierechts. Auch im Steuer- und Patentrecht wird die Kanzlei für das Unternehmen tätig. Seit etwa fünf Jahren setzt der französische Staatskonzern auch bei Projekten in Deutschland auf Jones Day. Die Beziehung zu EDF pflegt insbesondere Partnerin Vu-Grégoire, die lange Zeit im Pariser Büro der US-Kanzlei tätig war, mittlerweile allerdings auch von Frankfurt aus berät. Die nach deutschem Recht verhandelten Verträge verhandelte federführend Krebs, der seit 2018 Jones Day-Partner in Frankfurt ist.
Ørsted mandatiert für ihre deutschen M&A-Projekte im Wesentlichen zwei Kanzleien: Hengeler Mueller und Freshfields. Für die Beziehung zu dem Grünstromerzeuger stand bei Freshfields lange Jahre der Hamburger Partner Dr. Michael Haidinger, der zum Mai aus der Partnerschaft ausgeschieden ist. Das Mandat betreute deshalb nun Counsel Masek federführend für die Corporate-Arbeit, der viel Erfahrung an der Schnittstelle zum Energiesektor mitbringt. (Martin Ströder, Sonja Behrens)