Bus-Werk in Dortmund

Freshfields-Spin-offs arbeiten bei Daimler-Deal zusammen

Das Dortmunder Werk für Mercedes-Benz-Minibusse wird von der Münchner Industriegruppe Aequita übernommen. Der Standort mit rund 240 Beschäftigten werde damit gesichert, teilte Daimler Truck mit, die mitten in den Vorbereitungen zum IPO steckt.

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Foto: Andreas Anhalt, JUVE-Verlag

Der Deal werde zum Januar kommenden Jahres wirksam und betrifft die Mercedes-Benz Minibus GmbH,  ein Tochterunternehmen der Daimler-Tochter EvoBus. Die  Produktion der Mercedes-Benz-Fahrzeuge werde im Werk auch weiter fortgesetzt. Beim Vertrieb und bei Aftersales werde es weiterhin eine  Partnerschaft geben, teilte Daimler mit. Die dort hergestellten Busse, darunter auch die Sprinter-Generation, werden unter anderem im öffentlichen Nahverkehr eingesetzt.

Felix Tessen von Gerlach

Daimler wolle sich auf das Herstellen von Bussen mit über acht Tonnen Gewicht und Fahrgestelle konzentrieren, hieß es. Die Sparte mit über 100.000 Mitarbeitern sieht sich als weltweiter Marktführer bei Nutzfahrzeugen und hat beispielsweise auch in der Südpfalz ein großes Werk für Mercedes-Benz-Lkw mit rund 10.000 Mitarbeitern.

Das Geschäft mit Lastwagen und Bussen wird zum 1. Dezember aus dem Konzern herausgelöst. Am 10. Dezember soll Daimler Truck dann an die Börse gehen. Mit der Spaltung werden Mercedes-Autos und -Lkw erstmals getrennte Wege fahren und ein jeweils eigenes Management haben, auch im Rechtsbereich.

Aequita, die Käuferin des Dortmunder Werkes, ist erst seit rund zwei Jahren im Markt visibel und setzt auf  Sondersituationen wie Konzernabspaltungen, Nachfolgelösungen und Restrukturierungen. Im Herbst 2019 übernahm sie beispielsweise den Automobilzulieferer  Toyoda Gosei Meteor (TGM) von der in Japan börsennotierten Toyoda Gosei-Gruppe. Im Frühjahr 2020 folgte die Willi Elbe Group mit rund 1.000 Mitarbeitern, ein Lieferant von Lenkungs- und Antriebstechnik. Für das Dortmunder Mercedes-Werk gab es nach JUVE-Informationen noch weitere Interessenten aus Deutschland.

Berater Aequita
Vesthaus (Hamburg): Dr. Felix-Tessen von Gerlach (Federführung; M&A), Dennis Karaosman (Immobilienrecht), Dr. Felix Scheder-Bieschin (Corporate)
Neuland (Frankfurt): Dr. Christoffer Bortz (Vertriebsrecht/IP)
Wiese Lukas (Hamburg): Dr. Ulrich Wilke (Steuern)
Rocan Rechtsanwälte (Düsseldorf): Dr. Tobias Pukropski (Kartellrecht)

Jan Feigen

Berater Daimler
Inhouse Recht (Stuttgart): Dr. Tobias Reimold (Federführung; Senior Legal Counsel), Andreas Scheel (Head of Legal Daimler Busses; Neu-Ulm)
EY Law (Hamburg): Dr. Jan Feigen (Federführung), Dr. Maximilian Menges, Daniel Schulz (alle M&A/Private Equity), Björn Bradatsch (Immobilienrecht; Berlin), Dr. Nikolai Weber (Restrukturierung; Stuttgart), Dr. Nils Gildhoff (Kartellrecht), Dr. Jörg Leißner (Vertriebsrecht; Stuttgart); Associates: Matthias Korkhaus (M&A/PE), Philipp Bekemeier (Arbeitsrecht; Berlin)

Notar (München): Prof. Dr. Hartmut Wicke – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Zwischen Aequita und dem federführenden Vesthaus-Partner von Gerlach besteht schon seit Längerem Kontakt. Der Mitbegründer der Hamburger Transaktionsboutique, die im Sommer von sechs ehemaligen Anwälten von Freshfields Bruckhaus Deringer aufgesetzt wurde, steuerte den Ankauf- und Carve-out-Prozess in enger Abstimmung mit weiteren Freshfields-Spin-offs: Die Frankfurter Boutique Neuland prüfte die kommerziellen Verträge, die Düsseldorfer Kartellrechtskanzlei Rocan die fusionsrechtlichen Fragen und die steuerlichen Themen übernahm mit dem Hamburger Tax-Experten Wilke ein Anwalt und Steuerberater, der 2020 von Freshfields zur  Einheit Wiese Lukas wechselte.

Aequita setzt auch regelmäßig auf ein Noerr-Team um Dr. Christoph Thiermann und Dr. Georg Schneider. Die Münchner Private Equity-Berater waren beispielsweise im Einsatz, als das Family Office  die Toyoda Goei-Tochter und die Willi Elbe-Geschäfte erwarb.

Daimlers Rechtsabteilung ist dafür bekannt, dass sie im M&A-Geschäft selbst sehr engagiert ist. Das Team um Senior Counsel Reimold und Head of Busses-Chefjurist Scheel, der auch als General Counsel von EvoBus amtiert, bereitete dem Vernehmen nach mit Deloitte die Verkaufsunterlagen und Carve-Out Reports vor.

Für die rechtlichen Verhandlungen, die Transaktionsdokumentation sowie diverse Nebenvereinbarungen konnte sich das EY Law-Team um Private Equity-Partner Feigen als Beraterteam durchsetzen. Feigen hatte nach JUVE-Informationen schon seit längerem Kontakt zu Daimlers M&A Legal Team und konnte sich hier mit seinem früheren Latham & Watkins- Kollegen Menges die Verhandlungen mit den unterschiedlichen Bietern aufteilen. Menges war zum Juli zum Associate Partner bei EY Law ernannt worden, ebenso der hier involvierte Stuttgarter Restrukturierungsexperte Weber. (mit Material von dpa)

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