Privatisierung

Österreichischer Investor bietet mit Brandl & Talos und CMS für Cinkarna

Die private Industrieholding Martens Management ist bereit, ein Übernahmeangebot für die börsenotierte Cinkarna Celje vorzulegen. Das slowenische Chemieunternehmen steht seit Jahren auf einer Privatisierungsliste der Regierung in Ljubljana, der Staat hält indirekt knapp 41 Prozent an dem Unternehmen.

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Roman Rericha
Roman Rericha

Martens Management kündigte an, das Angebot werde 246,52 Euro pro Anteilsschein betragen. Der Betrag setzt sich zusammen aus 220 Euro pro Aktie plus der inzwischen beschlossenen Dividende von 26,52 Euro. Damit ist das Unternehmen mit rund 200 Millionen Euro bewertet. Die US-Beteiligungsgesellschaft KKR stellt voraussichtlich einen Teil der Finanzierung.

Mertens hat nun bis Anfang Juli Zeit, das Angebot offiziell vorzulegen. Danach haben die Anteilseigner 30 bis 60 Tage, um zu entscheiden, ob sie auf das Angebot eingehen.

Cinkarna erzielte 2017 mit rund 900 Mitarbeitern einen Umsatz von 188,7 Millionen Euro, was einem Plus von elf Prozent entspricht. Der Gewinn lag bei 28,8 Millionen Euro und verdreifachte sich damit fast. Hauptprodukt des Zulieferers ist Titandioxid, welches in der Chemie-, Plastik- und Papierindustrie zum Einsatz kommt. Das Unternehmen ist der einer der großen, unabhängigen Hersteller dieser Chemikalie in Europa.

Branchenerfahrener Interessent

Die Übernahmeinteressentin Martens Management ist Ralph Martens zuzurechnen, dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Ring International Holding (RIH). Mit der Chemie- und Lackbranche ist der Unternehmer besten vertraut. Schließlich hatte RIH 2013 gut 73 Prozent der Anteile an dem slowenischen Lackhersteller Helios Domžale übernommen. Später baute RIH dieses Segment unter anderem über Zukäufe aus und gab es 2016 zusammen mit einem Minderheitsgesellschafter für 572 Millionen Euro an den japanischen Konzern Kansai Paint ab. Außerdem gehört der slowenische Metall- und Kunststoffverarbeiter Niko Železniki mit rund 200 Mitarbeitern und 30 Millionen Euro Jahresumsatz zur Holdinggesellschaft Martens Management.

Die slowenische Regierung hatte im Herbst 2013 beschlossen, sich von ihren Anteilen an Cinkarna sowie 14 anderen Unternehmen zu trennen. Ziel war es unter anderem, mit den Verkäufen der Schuldenkrise in dem Euro-Land zu begegnen. Seitdem scheiterten allerdings mehrere Versuche, die Beteiligungen an der seit 1998 auch börsenotierten Cinkarna loszuschlagen.

Altlasten in Celje

Da die Angebote der Bieter nicht die Erwartungen der Verkäufer erfüllten, bliesen diese 2015 und 2017 Privatisierungsversuche ab. Dazu trugen auch Altlasten auf dem Betriebsgelände in Celje bei. Im Jahresbericht für 2017 wies Cinkarna dafür Rückstellungen in Höhe von 25 Millionen Euro aus. Unter den früheren Interessenten war die Treibacher-Gruppe aus Kärnten und der polnische Chemiekonzern Grupa Azoty.

Berater Martens Management
Brandl & Talos (Wien): Roman Rericha (Federführung; Corporate/M&A, Finanzierung), Dr. Christopher Schrank (Kapitalmarktrecht); Associates: Markus Arzt, Sabine Schmidt, Julie Sugay (alle Corporate/M&A, Finanzierung), Alexander Stücklberger (Kapitalmarktrecht; letztere beide Rechtsanwaltsanwärter)
CMS Reich-Rohrwig Hainz (Ljubljana): Aleš Lunder, Saša Sodja (beide Corporate/M&A) – aus dem Markt bekannt
Ernst & Young (Wien): Eva-Maria Berchtold (Financial Due Diligence), Andreas Sauer (Tax Due Diligence, Structuring), Gernot Ressler (Due Diligence); Associates: Manuel Scheffauer (Due Diligence)

Markus Bruckmüller
Markus Bruckmüller

Berater KKR
Kirkland & Ellis (London): Aprajita Dhundia (Corporate/M&A) – aus dem Markt bekannt
Wolf Theiss (Ljubljana): Dr. Markus Bruckmüller (Corporate/M&A) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Die Unternehmen von Ralph Martens sind langjährige Mandanten der Kanzlei Brandl & Talos. Sie beriet bereits die Helios-Transaktionen für RIH. Namenspartner Dr. Thomas Talos ist zudem seit Jahren stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von RIH.

Dem slowenischen Büro von CMS Reich-Rohrwig Hainz obliegen lokale Rechtsfragen zum Übernahmerecht sowie die Due Diligence. Auch CMS war schon beim RIH-Einstieg bei Helios mit von der Partie.

Die finanzielle und steuerliche Due Diligence erledigt für die Käuferin Ernst & Young mit einem österreichisch-slowenischen Team. Die Federführung liegt bei den Partnern Berchtold und Sauer. Letzerer stieß im Februar zu der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Zuvor war er 16 Jahre bei LeitnerLeitner, von wo er auch sein sechsköpfiges Team mitbrachte. 

Für den Transaktionspartner KKR ist die US-Kanzlei Kirkland & Ellis tätig. Die Londoner Partnerin Aprajita Dhundia betreute in den vergangenen Jahren mehrere Projekte des Beteiligungshauses. Vor Ort begleitet das Wolf Theiss-Büro in Ljubljana den Mandanten. Beide Kanzleien arbeiten immer wieder in Transaktionen zusammen.

Aktualisiert am 20. Juni 2018.

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