Retter in der Not

LBBW übernimmt SachsenLB, CMS und Redeker als Berater tätig

Autor/en
  • JUVE

Eigentlich hatte sich die SachsenLB mit der Umwandlung in eine AG hübsch machen wollen: Ein attraktives Ziel wollte sie abgeben bei der anstehenden Konsolidierung im Landesbankensektor. Doch dann geriet das Institut in den Sog der US-Kreditkrise – und brauchte schneller als gedacht einen starken Partner.Hilfe kam aus Süddeutschland, als Retter trat die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) auf den Plan. Denn die LBBW übernimmt die SachsenLB und zahlt zunächst 250 Millionen Euro aus Eigenkapital als Soforthilfe.

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Der endgültige Kaufpreis soll dann zum Stichtag 31. Dezember festgelegt werden, wobei laut Presseberichten ein Mindestpreis von 300 Millionen Euro vereinbart worden sein soll. Die sächsischen Kommunen und das Land Sachsen tauschen über die öffentlich-rechtliche Sachsen-Finanzgruppe, die Trägerin der Sachsen LB, ihre Beteiligungen an der

ostdeutschen Landesbank in Anteile an der LBBW.

Der Deal ist das Ergebnis eines ereignisreichen Wochenendes, denn die Rettung der in Schieflage geratenen SachsenLB wurde mit heißer Nadel gestrickt: Innerhalb von drei Tagen waren die Verträge unterschriftsreif. Bei solch engem zeitlichem Spielraum überrascht es nicht, dass sich sowohl die LBBW als auch die Anteilseigner der SachsenLB auf bewährte Anwälte verlassen haben.

So standen mit Dr. Jürgen Lüders und seinem eingespielten Team von Redeker Sellner Dahs & Widmaier bekannte Berater an der Seite der Sachsen-Finanzgruppe. Auf Mandantenbedürfnisse hinsichtlich des öffentlichen Bankensektors ist die Sozietät schon seit Beginn des Jahres besonders gut eingestellt: Eine fachübergreifende Arbeitsgemeinschaft tauscht sich intensiv zur Arbeit auf diesem Markt aus.

Lüders kennt die Sachsen-Finanzgruppe gut, denn seine Kanzlei hat sie vor rund fünf Jahren quasi mit aus der Taufe gehoben. In den vergangenen Monaten begleitete der Redeker-Partner zudem die Gedankenspiele zur Fusion mit anderen Landesbanken sowie den Gesetzgebungsprozess zur Umwandlung der SachsenLB.

Am Morgen des 23. August, einem Donnerstag, flog Lüders nun wieder nach Dresden – und nahm an ersten Sondierungsgesprächen zur Rettung der Landesbank teil. Bereits am Abend stand die Marschroute fest: Die SachsenLB würde exklusiv mit der LBBW verhandeln. Nun traten auch deren Berater auf den Plan.

Dr. Stefan Hofmann, der die Inlandsrechtsabteilung der LBBW leitet, war gerade dabei, sich nach dem Urlaub an seinem Schreibtisch wieder einzurichten, als am Donnerstagnachmittag der Anruf von Bereichsleiter Dr. Armin Brendle kam. Man denke darüber nach, die SachsenLB zu kaufen, so die Ansage aus Dresden. Ein Szenario, das Hofmann noch am selben Abend gemeinsam mit seinem Team sowie Dr. Thomas Meyding von CMS Hasche Sigle durchspielte.

Zu dem Zeitpunkt war noch nicht absehbar, dass beide bereits am nächsten Tag im Flieger nach Dresden sitzen würden, um an den Verhandlungen teilzunehmen. Erst am Freitagnachmittag zeichnete sich ab, dass die Gespräche konkreter wurden. „Es war gerade noch Zeit, ein paar Akten zusammenzupacken und einige Unterlagen aus dem Archiv heraus zu suchen“, so Hofmann.

CMS-Partner Meyding und Hofmann sind ein eingespieltes Team: Erst Anfang des Jahres hatten sie für die LBBW die Verhandlungen um die Landesbank Berlin begleitet. Begonnen hatte ihre Zusammenarbeit Mitte 2004, als der CMS-Anwalt die LBBW bei der Übernahme der BW Bank beriet – bei der Hofmann zuvor tätig war.

Im Zuge der Fusion wurden die ehemaligen Stabsabteilungen der BW Bank komplett auf die LBBW ausgelagert. Mit „Mann und Maus“, so Hofmann, sei man damals zur LBBW übergewechselt. Das Team blieb bis heute zusammen und bildet – gemeinsam mit anderen LBBW-Mitarbeitern – die Inhouse-Abteilung für das Inland. Sie kümmert sich um das Retail-Geschäft, Beteiligungsfragen und den Bereich strukturierte Finanzierung, während „alles was mit dem Auslands- und Kreditgeschäft zu tun hat“, von der Auslandsrechtsabteilung unter der Leitung von Heinrich Thiele begleitet wird.

Am frühen Freitagabend stieß Hofmann gemeinsam mit dem CMS-Team zu der Verhandlungsrunde in den Räumen der Ostsächsischen Sparkasse. Was folgte war ein Sitzungsmarathon, mal in großer Runde, mal in 4- oder 6-Augengesprächen, in denen sich beide Parteien gegenseitig annäherten.

Nach durcharbeiteter Nacht präsentierten Meyding und Hofmann dann den ersten ausgearbeiteten Vertragsentwurf, mit dem es schließlich in die heiße Phase der Verhandlungen ging.

Die Kürze der Zeit setzte die Berater nicht nur unter Druck – sondern „normale“ Verhandlungsstrukturen auch teils außer Kraft. Selbst für einen in politiknaher Beratung erfahrenen Gesellschaftsrechtler wie Lüders eine ungewohnte Situation. „Austausch und Abstimmungen mit Entscheidungsträgern auch aus der Politik sind häufig Teil unserer anwaltlichen Tätigkeit,“ sagt er. „Aber die Intensität und Unmittelbarkeit der Kommunikation mit den politischen Spitzen war schon etwas Besonderes“.

Erst nach einer langen Nacht waren sich am Ende alle einig: Die SachsenLB geht an die LBBW. Bis zur vollständigen Übernahme der Anteile sollen die Baden-Württemberger die Landesbank treuhänderisch halten. In Zukunft wird die SachsenLB dann in Form eines Mutter-Tochter-Modells geführt, wie es bereits seit einigen Jahren zwischen der LBBW und der Landesbank Rheinland-Pfalz besteht.

Noch am Sonntag stimmte das sächsische Kabinett dem sofortigen Verkauf in einer Sondersitzung zu. Da waren Meyding und Hofmann schon wieder in Stuttgart – und besprachen am Telefon mit Lüders die Feinheiten der Verträge.

Berater LBBW

CMS Hasche Sigle (Stuttgart): Dr. Thomas Meyding (Federführung), Dr. Karsten Heider, Stefan Sieling (alle drei M&A/Gesellschaftsrecht), Dr. Harald Kahlenberg (Kartellrecht)

Inhouse (Stuttgart): Dr. Stefan Hofmann, Dr. Armin Brendle

Berater Sachsen-Finanzgruppe

Redeker Sellner Dahs & Widmaier (Bonn): Dr. Jürgen Lüders (Federführung; M&A), Dr. Thomas Mayen (Öffentliches Recht), Dr. Andreas Rosenfeld (Kartellrecht; Brüssel); Associate: Dr. Jakob Wulff (M&A)

@Inhouse (Dresden): Petra-Susanne von Crailsheim

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