Juve Plus Hogan Lovells, Orrick, Pinsent Masons, A&O Shearman

Vier Kanzleien treiben Smart-Meter-Rollout in Deutschland voran

Der deutsche Smart-Meter-Markt gewinnt an Dynamik: Internationale Finanzinvestoren sowie ihre Portfoliogesellschaften steigen mit Millionenbeträgen ein, um den schleppenden Rollout zu beschleunigen. Dies deutet auf einen Trend zum britischen MAP-Modell hin.

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Intelligente Messsysteme sind vor allem in England bereits ein fester Bestandteil der Energieversorgung. In Deutschland verlief der Roll-out der Technik bislang eher schleppend. Auch wenn die gesetzliche Smart-Meter-Pflicht für alle Haushalte erst ab 2032 gilt, zeigt sich, dass viele Haushalte schon jetzt bereit wären, sich einen intelligenten Stromzähler installieren zu lassen. Mehrere Finanzierungsdeals deuten darauf hin, dass die Marktentwicklung auch hierzulande an Tempo gewinnt.

Aktuell sind vor allem vier Unternehmen in Deutschland als wettbewerbliche Messstellenbetreiber für den Smart-Meter-Ausbau verantwortlich: Inexogy Smart Metering, die seit September dem Energiedienstleister Techem gehört und das von KKR gestützte Unternehmen Horizon. Zudem Metrify, eine Tochter von Enpal, und Energy Metering Germany (EMG), die dem britischen Energieversorger Octopus Energy gehört, der seit einiger Zeit auch deutsche Kunden versorgt.

Britisches Finanzierungsmodell als Vorbild

Für den Ausbau der Infrastruktur fehlte den Energieversorgern bislang das Geld. Dabei helfen ihnen nun Finanzinvestoren. Die bayerische Octopus Energy etwa hat für die Tochter Energy Metering kürzlich eine Finanzierungspartnerschaft mit Calisen bekannt gegeben. Der britische Smart-Meter-Anbieter war Ende 2024 für 5 Milliarden Pfund von der Private-Equity-Gesellschaft EQT und dem staatlichen Vermögensfonds GIC gekauft worden.

100 Millionen Euro investiert Calisen zusammen mit Banken auf der Basis eines sogenannten Meter Service Agreement. Eine ähnliche Vereinbarung unterhält die Octopus-Tochter bereits seit Mai mit der australischen Bank Macquarie. Wie Calisen agiert Macquarie für den Messstellenbetreiber als sogenannter Meter Asset Provider (MAP).

Die Macquarie Group, die mit über zehn Millionen Smart Meter im Portfolio als eine der größten unabhängigen MAPs gilt, ist dabei nicht auf die Octopus-Tochter festgelegt. Auch der Berliner Messstellenbetreiber Metrify arbeitet seit Oktober mit Macquarie zusammen. Damals übernahm die Investorin ein Portfolio von rund 50.000 bereits installierten intelligenten Messsystemen, die die Enpal-Tochter Metrify zurückmietet. Zudem erhielt Metrify die Zusage für die Finanzierung weiterer Smart-Meter-Installationen.

Techem übernimmt weiteren Messstellenbetreiber

MAP-Partnerschaften sind in Großbritannien sehr geläufig. Das erklärt warum neben Calisen und Macquarie auch die britische Horizon Energy Infrastructure, hinter der der Private Equity-Fonds KKR steht, im deutschen Markt als Meter Asset Provider unterwegs ist. Horizon hat im vergangenen Herbst den Markteinstieg hierzulande geschafft. Dazu hat das Unternehmen zum Beispiel eine Finanzierungsvereinbarung über 50 Millionen Euro mit SpotmyEnergy geschlossen. Ein weiterer wichtiger Schritt ist der Rahmenvertrag mit Theben Smart Energy. Das MAP-Modell fördert den Smart-Meter-Rollout, ohne zusätzliche Kosten für die Endkunden.

Im Sommer ist auch Techem in das Geschäft eingestiegen. Der deutsche Energiedienstleister wurde im Sommer für 6,7 Milliarden Euro an ein Konsortium um das Schweizer Beteiligungshaus Partners Group verkauft. Für den Einstieg ins Smart-Meter-Feld kaufte Techem die Mehrheit an Inexogy Smart Metering, die bis zu ihrer Insolvenz als Discovergy unterwegs war und ihren Sitz im Saarland hat. Parallel wurde ein Investitionsaufkommen in Höhe von 320 Millionen Euro für die kommenden fünf Jahre vereinbart.

Berater im Überblick

Tobias Faber

Calisen bei Partnerschaft mit Energy Metering Germany/Octopus Energy

Berater Calisen
Hogan Lovells (Frankfurt): Dr. Tobias Faber (Energieprojekte), Dr. Carla Luh (Finanzierung; Hamburg), Dr. Richard Reimer (Bankaufsichtsrecht), Maximilian Broermann (Infrastruktur/M&A), Phil Brown (Energieprojekte; London), Dr. Florian Alexander Wesche, Katharina Rath (beide Regulierung; beide Düsseldorf), Andreas Doser (Bankaufsichtsrecht), Prof. Dr. Fabian Pfuhl (Datenschutz); Associates: Pia Heckenberger, Juhani Plümacher, Tobias Schwalm (alle Projekte); Dr. Marzieh Rad (Finanzierung), Alicia Bäuerle, Jean-Pierre Tschauder (Infrastruktur/M&A), Felix Ackermann (Datenschutz)

Macquarie zu Partnerschaft mit Energy Metering Germany/Octopus Energy und Metrify/Enpal

Berater Macquarie
Orrick Herrington & Sutcliffe (Düsseldorf): Werner Brickwedde (Energie/M&A), Benedikt Migdal (Corporate/M&A), Dr. Lars Mesenbrink (Kartellrecht), Alexander Dartsch (Energie/M&A)

Techem/Partners Group bei Anteilskauf und Partnerschaft mit Inexogy

Werner Brickwedde

Berater Techem/Partners Group
A&O Shearman (Hamburg): Max Landshut (Federführung; Energie/M&A), Dr. Hauke Sattler (Restrukturierung), Dr. Jens Matthes (IP/IT; Düsseldorf), Catharina Glugla (Datenschutz; Düsseldorf), Dr. Heike Weber (Steuerrecht; Frankfurt), Dr. Stefan Witte (Energie/M&A); Associates: Johannes Schmidt, Juliana Palavra Gorgueira (beide Corporate/M&A), Daniel Wendler (Private Equity), Dr. Friedrich Schellen, Hannes Kamin (beide Restrukturierung), Tom Haeseler, Alan Markgraf (beide Finanzierung; beide Frankfurt), Anna Kräling, Katharina Jünemann (beide IP/IT; beide Düsseldorf), Merle Herrmann (Arbeitsrecht), Pascal Yves Schröder (Datenschutz; Düsseldorf)

Horizon Energy/KKR zum Markteinstieg in Deutschland

Berater Horizon Energy Deutschland
Pinsent Masons (Düsseldorf): Dr. Sönke Gödeke, Dr. Peter Roesgen (beide Federführung; beide Corporate/M&A), Dr. Marc Salevic (Telekommunikation), Mark Leonard (Finanzierung; München), Attila Bangha-Szabo (Restrukturierung; München), Gareth Hughes (London); Associates: Florian Elsinghorst, Jannis Schneider (alle Corporate), Daniel Widmann, Dr. Benedikt Beierle (beide Telekommunikation; beide München), Holger Kessen, Philipp Staudt (beide Finanzierung; beide München)

Sönke Gödeke

Hintergrund: Calisen ließ sich bereits im Frühjahr von Hogan Lovells beraten, als das Unternehmen aus Manchester die Partnerschaft mit EMG in Form eines Pilotprojekts startete. Das Team um den Frankfurter Partner Faber sowie die Hamburger Finanziererin Luh baut nun auf diese Arbeit auf.

Die Banken lassen sich nach JUVE-Informationen von einem Frankfurter A&O Shearman-Team beraten. Nach JUVE-Informationen verhandelte Octopus sowohl die Partnerschaft mit Calisen als auch die mit Macquarie mit Inhouse-Kräften.

Macquarie zweimal mit Orrick, KKR-Tochter mit Pinsent

Macquarie ließ sich sowohl gegenüber Octopus als auch gegenüber Enpal von Orrick-Partner Brickwedde und seinem Team beraten. Brickwedde ist seit 2023 bei Orrick. Damals war er von Eversheds in die US-Kanzlei gewechselt. Den aus London hergestellten Kontakt konnte das Team um einen Pitch-Gewinn aufstocken. Die Enpal-Tochter Metrify ließ sich gegenüber Macquarie von Osborne Clarke beraten.

Die britische KKR-Portfoliogesellschaft Horizon Energy Infrastructure setzte für den Markteintritt in Deutschland auf ein Pinsent Masons-Team um den Düsseldorfer Partner Gödeke. Das Mandat kam auf direktem Weg aus London in die deutsche Praxis. Theben, ein Hersteller von digitalen Stromzähler ließ sich gegenüber Horizon von RSM Ebner Stolz beraten.

Max Landshut

Partners Group bleibt A&O treu

Die Eigentümerin von Techem, die Partners Group, hat in diesem Jahr bereits mehrfach mit A&O-Partner Landshut kooperiert – unter anderem, als der Schweizer Investor zusammen mit einem erweiterten Konsortium erneut die Mehrheit an Techem übernahm. Nach JUVE-Informationen ist A&O eine Panel-Kanzlei des Schweizer Investors.

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