Angeschlagener Immobilienkonzern

White & Case und Hengeler schnüren Rettungspaket für Adler

Aufatmen bei Adler: Das Unternehmen hat mit einer Kerngruppe der Anleihegläubiger eine Lösung gefunden, die eine Finanzierung bis Mitte 2025 sichern und die drohende Insolvenz abwenden könnte. Für dieses Entgegenkommen zahlt der Immobilienriese allerdings den Preis härterer Bedingungen für die laufenden Anleihen und hohe Zinsen für ein neues Darlehen.

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Der Deal sieht wie folgt aus: Das frische Kapital, das die Investoren zur Verfügung stellen, beläuft sich auf rund 938 Millionen Euro, ist mit 12,5 Prozent verzinst und im Jahr 2025 fällig. Zudem berechtigt das Darlehen die Inhaber zum Bezug von 25 Prozent der Aktien der Gesellschaft zum Ausübungspreis von 0 Euro. Wird das Bezugsrecht innerhalb von sechs Jahren nach Ziehung der Mittel unter der Fremdfinanzierung nicht durch Lieferung von Aktien der Gesellschaft bedient, erfolgt ein Ausgleich in bar. Zudem erhöht sich die Verzinsung der ausstehenden Anleihen um 2,75 Prozentpunkte. Für all dies erhält Adler einen Aufschub für die sonst 2024 fällig gewordenen Anleihen um ein Jahr sowie einen Aufschub der Zinsen bis zum Ende der Laufzeit.

Zur Kerngrupppe, die 45 Prozent der Anleihegläubiger ausmachen, gehören unter anderem der US-Investmentgigant Blackrock und die in Deutschland als Anlageberater von Allianz Global Investors fungierende Pimco. Soweit insgesamt 75 Prozent der Gläubiger überzeugt werden können, was nach Aussage des Unternehmens bis März 2023 passiert sein soll, wäre die Finanzierung zumindest bis Mitte 2025 gesichert.

Derzeit größte Restrukturierung Europas

Die aus Anleihen bestehende Verschuldung von Adler beläuft sich auf 3,2 Milliarden Euro, inklusive Wandelanleihen und Bankkrediten beträgt der Schuldenberg 6,9 Milliarden Euro.

Experten zufolge handelt es sich mit einem Volumen von 4,5 Milliarden Euro um die derzeit größte Restrukturierung in ganz Europa. In der Immobilienbranche zeichnen sich weitere große Restrukturierungsfälle ab, so ist auch Corestate aktuell in den Schlagzeilen. Anleihen sind insbesondere betroffen, da durch die Abwertung der Assets in der Immobilienbranche die Verschuldung steigt und damit unter Umständen die Anleihebedingungen gebrochen werden.

Wertvolle Zeit gewonnen 

Für Adler ist die aktuelle Einigung mit den Gläubigern nicht nur bares Geld wert, sondern schenkt dem Unternehmen auch Zeit, einen geprüften Jahresabschluss für 2022 abzugeben. Und zwar bis zum Jahresende 2023 statt bis Ende April. Diesen Aufschub hat es auch bitter nötig, denn aktuell lässt sich kein Prüfer finden.

Der aktuellen Situation des Unternehmens ging unter anderem ein massiver Kurssturz im Herbst 2021 voraus, der durch Vorwürfe des Leerverkäufers Fraser Perring ausgelöst wurde. Sein Research-Dienst Viceroy wollte herausgefunden haben, dass das Unternehmen Immobilienprojekte falsch bewertet, Geschäfte zum Nachteil der Aktionäre abgewickelt und Bilanzkennzahlen manipuliert habe. Dies rief auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) auf den Plan. Sie hat schon mehrere Rechnungslegungsfehler bemängelt. Adler wiederum dementierte die Vorwürfe stets. 

Doch auch eine von dem Unternehmen in Auftrag gegebene forensische  Untersuchung konnte die Verunsicherung der Aktionäre nicht vollständig beheben. Darüber hinaus verweigerten die Wirtschaftsprüfer von KPMG das Testat des Abschlusses für das Jahr 2021 und stehen auch für den Abschluss des Jahres 2022 nicht mehr als Prüfer zur Verfügung. Nachdem Adler auch sonst keinen Prüfer finden konnte, hat das Unternehmen inzwischen beim Amtsgericht Berlin einen Antrag auf Beauftragung eines Prüfers gestellt. Dies ist eine gesetzliche Notlösung für prüfungspflichtige Unternehmen, die auf dem freien Markt keinen Prüfer finden. 

Roger Kiem

Berater Adler
White & Case (Frankfurt): Prof. Dr. Roger Kiem (M&A/Corporate), Gernot Wagner (Kapitalmarktrecht), Andreas Lischka (Finanzrecht), Yannick Adler (Kapitalmarkrecht; alle Federführung), Riaz Janjuah (Finanzrecht/Restrukturierung; Hamburg), Ben Davies (Restrukturierung/Insolvenzrecht; London), Dr. Stefan Bressler (M&A/Corporate), Dr. Andreas Kleinschmidt (Restrukturierung/Insolvenzrecht), Dr. Sébastien Seele, Karsten Woeckener, Rebecca Emory, Thilo Diehl (alle Kapitalmarktecht), Dr. Sonja Hoffmann (Konfliktlösung), Dr. Bodo Bender (Steuerrecht), Rostyslav Telyatnykov (Immobilienrecht), Vanessa Schürmann, Sebastian Schrag (beide Finanzrecht), Sebastian Pitz (M&A/Corporate), Dr. Julia Sitter (Corporate), Patricia Galts (Immobilienrecht), Dr. Peter Becker (Kapitalmarktrecht), Béla Knof (Hamburg), Dr. Astrid Lauterwein, Dr. Florian Kleinschmit (beide Berlin; alle Restrukturierung/Insolvenzrecht); Associates: Dr. Timo Lockemann, Yulia Chembulatova, Melanie Schubert, Marie-Christin Frowerk, Angela Hildebrand, Ben McIver (alle Kapitalmarktrecht), Pia Berger, Patrick Hinz, Agmal Bahrami (alle M&A/Corporate), Nane Jütting, Markus Stelzig (beide Immobilienrecht), Alisa Preissler (Steuerrecht), Dr. Nicolai Fischer (Restrukturierung/Insolvenzrecht), Lina Fiedler, Markus Fischer (beide Finanzrecht), Carolin Kühner (Konfliktlösung), Jonas Tangermann (Restrukturierung/Insolvenzrecht), Dr. Nico Frehse (M&A/Corporate; beide Hamburg), Gürkan Akbaba (Finanzrecht; London)
Inhouse Recht (Berlin): Florian Sitta (General Counsel, M&A/Corporate), Colleen Yorke (Capital Markets), Sabine Janson, Kristin Stephan, Katharina Schmidt, Ivonne Behrendt (alle Corporate), Anja Steding, Tobias Krall, Katja Gerpott-Beyer (alle Real Estate), Steffen Dreß (Insurance) 

Martin Tasma

Berater Gläubigergruppe
Hengeler Mueller: Dr. Martin Tasma (Restrukturierung; Berlin), Dr. Johannes Tieves, Dr. Nikolaus Vieten (beide Finanzierung/Restrukturierung), Alexander Rang (Kapitalmarktrecht), Dr. Daniela Böning (Finanzierung; alle Frankfurt), Dr. Constantin Lauterwein (Compliance; Berlin), Dr. Philipp Hanfland (Konfliktlösung; Frankfurt), Dr. Hartwin Bungert (Corporate; Düsseldorf), Dr. Matthias Scheifele (Steuern; München), Dr. Fabian Quast (Öffentliches Recht, Berlin); Associates: Arvid Morawe (London), Dr. Jasper Bothe, Fabian Berdin, Dr. Moritz Müller-Leibenger (alle alle Restrukturierung; Berlin), Dr. Tobias Braun, Simon Tänzer (beide Restrukturierung/Finanzierung), Dr. Natalia Dobrosz, Frithjof Schütte (beide Konfliktlösung; alle Frankfurt), Melena Katharina Krause (Compliance; Berlin), Dr. Sebastian Heinrichs (Frankfurt), Dr. Isabella Zimmerl (München; beide Steuern), Dr. Gerrit Tönningsen (Kapitalmarktrecht), Georg Tauser (Corporate; beide Frankfurt), Dr. Andreas Puhl (Öffentliches Recht; Berlin) – aus dem Markt bekannt
Milbank: Dr. Mathias Eisen (Finanzierung/Kapitalmarktrecht; Frankfurt), Jacqueline Ingram, Yushan Ng (beide Restrukturierung; beide London) 

Berater Vorstände Adler Group, Consus und Adler Real Estate
BBL Brockdorff (Berlin): Dr. Oliver Damerius (Federführung), Dr. Christoph Weber, Dr. Rouven Quick (Hamburg); Associate: Inga Homoth (Bremen; alle Insolvenz und Restrukturierung) – aus dem Markt bekannt

Berater Vorstand und Aufsichtsrat Adler Real Estate
Berner Fleck Wettich (Düsseldorf): Dr. Christian Nienkemper (Federführung), Dr. Carsten Wettich, Prof. Dr. Sabine Otte, Associate: Christina Peters (alle Corporate)

Hintergrund: White & Case steht der Adler Group bereits seit Längerem zur Seite. Über das große Team der Anwälte aus deutschen Büros hinaus waren weitere White & Case-Anwälte in London, New York und Luxemburg beteiligt. Die Kanzlei berät das Unternehmen auch zu dem kürzlich eingereichten Antrag auf Beauftragung eines Wirtschaftsprüfers für den Abschluss des Geschäftsjahres 2022, für den es sonst keinen Prüfer finden konnte.

Der Konzernvorstand ließ sich zu einzelnen Aspekten darüber hinaus von BBL-Partner Damerius beraten.

Die Mandatierung von Hengeler Mueller erscheint auf den ersten Blick überraschend, setzten die beteiligten Anleiheinvestoren in der Vergangenheit doch traditionell eher auf US-amerikanische Einheiten. Ein Grund für die Mandatierung könnte in der breiten inhaltlichen Aufstellung liegen, die US-Kanzleien in der Ausprägung hierzulande nicht unbedingt bieten können.

Milbank kam über einen Pitch ins Mandat und war für englisch-rechtliche Themen zuständig, die die Londoner Partner abdeckten. Der Frankfurter Partner Eisen war für die Verzahnung des englischen Regulierungsinstrumentariums mit dem deutschen Rechtsrahmen verantwortlich. Milbank berät auf Gläubigerseite regelmäßig bei Restrukturierungen in Deutschland, insbesondere im Immobiliensektor, wie zuletzt etwa bei Corestate.

Eine von Kirkland & Ellis beratene kleinere Gläubigergruppe ist bei der aktuellen Einigung nach JUVE-Informationen nicht involviert.

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